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Theaterpädagoge Michael Gonszar Lebenslange Liaison mit der Bühne

 ·  Der Vater war Opernsänger, der Stiefvater Generalintendant der Städtischen Bühnen - in Michael Gonszars Leben war immer Theater. Nun ist er am English Theatre Frankfurt zuständig für die Theaterpädagogik.

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Jene Bretter, die die Welt bedeuten, bedeuteten dem jungen Michael Gonszar mit einem Mal nichts mehr. Schiller, Goethe, Brecht konnten ihm gestohlen bleiben, ebenso die großen Opernstoffe. „Es war wohl Auflehnung gegen die Eltern. Ich war ein Achtundsechziger und musste etwas anderes machen“, erzählt der inzwischen Sechsundsechzigjährige, der heute Theaterpädagoge am English Theatre Frankfurt ist. So umschreibt er eine Phase seines Lebens, in der er wohl einfach an kultureller Übersättigung litt.

Gonszar ist Sohn des Opernsängers Rudolf Gonszar, der in den frühen fünfziger Jahren zum Ensemble der Oper Frankfurt gehörte und auch auf vielen anderen Bühnen beispielsweise große Wagner-Rollen sang. „Als Kind habe ich meinen Vater daher meist in der Künstlergarderobe und in der Maske getroffen“, sagt Gonszar, dessen Eltern sich zu jener Zeit allerdings trennten. Als Stiefvater trat eine andere prägende Künstlernatur in Gonszars Leben: Harry Buckwitz, damals Generalintendant der Städtischen Bühnen in Frankfurt und vor allem wegen seiner Inszenierungen von Brecht-Stücken ein so gefeierter wie angefeindeter Regisseur.

Die Theater-Enthaltsamkeit konnte kaum dauern

In Michael Gonszars Jugend war also immer Theater. Deshalb entschied sich der gebürtige Frankfurter nach dem Abitur für einen anderen Weg. Lehrer wollte er sein. Doch die selbstgewählte Theater-Enthaltsamkeit sollte das Lehramtsstudium für Englisch und Deutsch kaum überdauern. Am Albert-Einstein-Gymnasium in Schwalbach am Taunus machte sich der junge Pädagoge daran, ein Schultheater zu institutionalisieren. „Der damalige Schulleiter stand dem Projekt sehr wohlwollend gegenüber“, erinnert sich Gonszar an die ihm gewährten Freiräume, die ihn dann doch eine lebenslange Liaison mit der Bühnenkunst eingehen ließen.

Gonszar machte sich fortan für die Verknüpfung von Schule und Theater stark. War während der siebziger und achtziger Jahre noch die vom Deutsch-Lehrer in der Freizeit geleitete Theater-AG die Regel, setzte sich Gonszar für die Verankerung der Darstellenden Künste in Lehrplänen ein. Mit interessierten Kollegen anderer Schulen in Hessen spann er Netzwerke und organisierte Theatertreffen. Zur weiteren Spezialisierung schließlich absolvierte er auch noch ein Aufbaustudium in Theater und Spielpädagogik an der Hochschule der Künste in Berlin. In den frühen neunziger Jahren wechselte er vom Schuldienst ins Hessische Kultusministerium. Dort widmete er sich der Lehrerfortbildung und als Projektleiter dem KulturMobil Hessen, einer rollenden didaktischen Werkstatt mit Literatur, Musikinstrumenten, Masken und Kostümen. Gonszars Bemühungen, die Theaterarbeit als Vehikel des Unterrichts zu nutzen, führten dann auch zum Kontakt mit dem English Theatre Frankfurt. Dort ist er seit 2005 als Theaterpädagoge tätig - anfangs stundenweise abgeordnet vom Ministerium und seit seiner Pensionierung im vergangenen Jahr an drei Tagen in der Woche mit eigenem Büro im Galileo-Hochhaus an der Taunusanlage. In dessen Keller residiert das English Theatre.

Nicht immer nur Oscar Wilde

Die Theaterpädagogik spielt dort eine wichtige Rolle. „Von 80 000 Besuchern im Jahr sind ein Drittel Schüler und Studenten“, weiß Gonszar, der in den vergangenen sieben Jahren unter dem Oberbegriff „Theatre in Education Service (Ties)“ ein umfangreiches Begleitprogramm für Studenten, Schüler und Lehrer aufgebaut hat. Speziell auf ein jugendliches Publikum zugeschnittene Workshops, Gesprächsrunden und Aufführungen bieten die Möglichkeit, sich auch außerhalb der Schule mit Englisch zu befassen. Das vor zwei Jahren gestartete Programm „Words in Action“ richtet sich dabei besonders an lernschwache Schüler der Klassen 8 und 9, die in Spielsituationen am Theater ihre Sprachkenntnisse verbessern sollen.

Außerdem bereitet das kleine Pädagogenteam, dem neben Gonszar noch Lea Dunbar und Karl Gutzeit angehören, zu den jeweiligen Produktionen am English Theatre Unterrichtsmaterialien für Lehrer auf, selbst wenn diese in den meisten Fällen nicht mit dem Lehrplan an den hessischen Schulen korrespondieren. „Natürlich kann das Theater nicht jede Saison ein Stück von Oscar Wilde spielen. ,Breaking the Code‘ oder ,Sweet Charity‘ in dieser Spielzeit bieten sich von ihrer Thematik her zwar durchaus für den Unterricht an, doch meist ist dafür keine Zeit“, sagt der Pädagoge, der für seine Kollegen aber eine Alternative bietet.

Die Zusammenarbeit ist das Wichtigste

So studiert Gonszar mit dem Drama Club regelmäßig Stücke ein. Stolz ist Gonszar aber nicht so sehr auf den Erfolg bei Publikum und bei der Kritik (der ihm schmeichelt), als vielmehr auf die Zusammenarbeit von jung und alt. Obwohl er mittlerweile auf einen festen Stamm von - meist bilingualen - Akteuren zugreifen kann, erklärt Gonzsar den Club grundsätzlich für offen. Neue Mitstreiter werden unter den Teilnehmern von Workshops gefunden, die Ties regelmäßig anbietet. Derzeit arbeitet der Drama Club an einer „Othello“-Variation, die vom 19. bis zum 26. Februar auf der kleinen Bühne in der James Bar aufgeführt werden soll. Unter dem Titel „Black is Fair: Othello and the Stranger in Shakespeare“ werden Szenen aus dem Theaterstück mit Filmausschnitten und Musik kombiniert.

Michael Gonszar wird als Regisseur auch in diesem Fall eine Vielzahl von Ideen zusammenführen, die Fäden in der Hand halten und „das Große aller Zeiten sehn, auf den Brettern, die die Welt bedeuten“. Das Theater hat ihn eben noch immer gepackt.

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