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Veröffentlicht: 05.11.2012, 20:22 Uhr

TG Bad Soden Mit Teamgeist und Dynamik

Gegen die Roten Raben Vilsbiburg im Pokal: Für die Volleyball-spielerinnen der TG Bad Soden ist es das Spiel des Jahres. Der Zweitligaklub nimmt es als „super schöne Zusatzaufgabe“.

von , Frankfurt

Natürlich ist der Satz eigentlich Quatsch: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Klar hat er die, genau wie die Meisterschaft oder die Play-off-Runde auch. Gemeint ist mit dem Satz aber ja auch etwas ganz anderes: Im Pokal werden die faktischen Kräfteverhältnisse gerne mal auf den Kopf gestellt - überrumpeln die „Kleinen“ oft die scheinbar übermächtigen „Großen“. Zumindest im Fußball. Im Volleyball sieht das etwas anders aus. „Im Fußball kannst du als Regionalligaklub schon mal einen glücklichen Tag haben, ein Tor schießen und gewinnen“, sagt Elena Kiesling. „Im Volleyball musst du schon 75 Tore schießen.“ Denn: 75 Punkte sind mindestens nötig, um ein Volleyballspiel zu gewinnen - drei Sätze à 25 Punkte. So viel müsste auch die TG Bad Soden mit ihrer Spielertrainerin Elena Kiesling am Dienstagabend (20 Uhr) schaffen: Da spielt die TG zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in der Hauptrunde des deutschen Volleyball-Pokals. Zur Feier des Tages kommt gleich eine deutsche Spitzenmannschaft in die Hasselgrundhalle, die Roten Raben Vilsbiburg, deutscher Meister 2008 und 2010, Pokalsieger 2009 und aktueller Europapokalteilnehmer. „Ich freue mich riesig, dass sich die Pokalrunden für uns so gelohnt haben“, sagt Elena Kiesling.

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Am Ende war es ein 3:1-Sieg über den Ligakonkurrenten MTV Stuttgart II vor einer Woche, durch den die TG erstmals den Sprung ins Achtelfinale des DVV-Pokals schaffte. Der Erfolg passt ins Bild dieser ersten Saisonwochen, in denen sich die Bad Sodenerinnen anschicken, an die starken Auftritte in der vergangenen Spielzeit anzuknüpfen, die sie auf Rang fünf abschlossen. Zuletzt setzten sie sich am Samstag im Spitzenspiel der zweiten Liga Süd beim Allgäu Team Sonthofen 3:2 durch. Damit stehen sie im Moment auf Tabellenplatz drei. „Wir sind eine erfahrene Mannschaft und haben in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet, kontinuierlich einen Schritt nach vorne gemacht“, erläutert Elena Kiesling das Bad Sodener Hoch. Ein Hoch, das sie nun vielleicht gar auf eine Höhe mit den Roten Raben Vilsbiburg tragen könnte?

„Das ist eine ganz andere Hausnummer“

Zumindest auf dem Papier wird das schwierig. Erste und zweite Liga, sagt Elena Kiesling, das ist im Volleyball „ein gigantischer Unterschied“ - physisch, athletisch, spielerisch, taktisch. Und natürlich finanziell. „Das ist eine ganz andere Hausnummer“, sagt die Außenangreiferin. Auf das Fünfzehnfache schätzt sie den Etat der Vilsbiburgerinnen im Vergleich zur TG Bad Soden. Es ist ein Riesenschritt von Liga zwei zu Liga eins, kaum ein Aufsteiger kann sich daher mal fest in der höchsten Klasse etablieren. Auch für die TG Bad Soden mag eine Beförderung ins Oberhaus sportlich erstaunlich nahe gerückt sein - finanziell liegt sie in weiter Ferne. „Da müsste schon ein Hauptsponsor 400.000 Euro ausgeben, und wir müssten unser komplettes Umfeld umwerfen“, sagt Elena Kiesling. Denn die Realität sieht so aus: Die TG-Spielerinnen sind berufstätig, es gibt drei Trainingseinheiten in der Woche und keinen Cent Verdienst, „nicht mal Spritgeld“, so Elena Kiesling. Dafür gibt es monatelang kein freies Wochenende. Die schwierigen Bedingungen können sich freilich auch positiv auswirken - sie schweißen zusammen, lassen die Mannschaft enger zusammenwachsen. „Wir leben vom Teamgeist und von der Teamdynamik“, sagt Elena Kiesling.

Auf die setzen sie nun auch, wenn es ins ungleiche Duell mit den hochkarätig besetzten Roten Raben geht. Sportlich halten sich die Erwartungen naturgemäß in Grenzen, „wir nehmen das als super schöne Zusatzaufgabe“, sagt Elena Kiesling. Für die TG geht es vielmehr darum, sich im Spiel des Jahres gut zu präsentieren, die Raben „das ein oder andere Mal zu ärgern. Wir wollen einfach sehen: Was geht da? Kann ich mich gegen diesen Block oder diesen Aufschlag durchsetzen?“

„Das ist dann schon ein ziemlich cooles Training“

Die Spielertrainerin selbst hat schon einige Jahre Bundesliga-Erfahrung hinter sich, in Emlichheim, in Braunschweig oder auch beim VC Wiesbaden. Seit der Saison 2009/2010 trainiert sie nun die TG Bad Soden, damals noch in der Regionalliga, nach dem Aufstieg in die zweite Liga war sie auch wieder als Spielerin aktiv. An die anspruchsvolle Doppelrolle hat sie sich gewöhnt. „Man hat mehr Einflussmöglichkeiten als an der Seitenlinie, bekommt schneller ein besseres Gespür dafür, wann ein Spiel kippen kann“, sagt sie. So versucht sie auch in der Hitze des Geschehens, die richtigen Zeitpunkte zu finden, um „Dampf reinzukriegen oder auch mal Ruhe reinzubringen“.

Für reichlich Dampf bei der TG Bad Soden dürfte am Dienstagabend angesichts des prominenten Gegners gesorgt sein. Training wäre an diesem Abend ohnehin gewesen für die Volleyballfrauen der TG, und statt dessen spielen sie jetzt eben gegen eines der besten Teams in Deutschland um den Einzug ins Pokal-Viertelfinale. Das, sagt Elena Kiesling, „ist dann schon ein ziemlich cooles Training“.

Quelle: F.A.Z.

 

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