“Nanu, wir hatten die Rollläden gar nicht heruntergelassen“ - die Eheleute K. wunderten sich, als sie nach der Rückkehr vom verlängerten Wochenende mit dem Auto nach Hause kamen. Kurz darauf sahen sie die Bescherung: In ihrer viertägigen Abwesenheit war jemand ins Haus eingebrochen und hatte die komplette Einrichtung auf den Kopf gestellt. Wie sich herausstellte, hatten die Einbrecher ein rückwärtiges Kellerfenster ausgehebelt, vermutlich eine Arbeit von Sekunden. Die Eisenstange entdeckten die Hausbesitzer ein paar Tage später im Blumenbeet.
Ein „typischer Fall“ sei das, sagt Thomas Tauber von der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Hofheim. Der Polizeioberkommissar berät Hausbesitzer, die sich gegen Einbruch schützen wollen. Fünf solcher Anlaufstellen gibt es in Hessen. In der Regel wird Tauber erst dann gerufen, wenn die Diebe schon da waren. Das kommt im wohlhabenden Main-Taunus-Kreis öfter vor als in anderen Gegenden. Vor allem im Winter werden die Termine bei Tauber knapp. Die dunkle Jahreszeit ist die klassische Einbruchzeit.
Wie ein Einbruch erschwert wird, ist definiert
Was rät der Fachmann? Oberstes Schutzziel ist, zu verhindern, dass der Einbrecher ins Haus oder in die Wohnung kommt. „Also muss ich die Außenhülle schützen.“ Das heißt konkret, Fenster und Türen müssen so beschaffen sein, dass sie Eisenstangen und Schraubendrehern lange standhalten. Über ein Drittel aller Einbrüche bleiben laut Tauber im Versuch stecken. Dies auch, weil die meisten Einbrecher nur wenige Minuten Zeit haben.
Wie ein Einbruch erschwert wird, ist definiert. Für Fenster, Türen und Rollläden gelten sechs sogenannte Widerstandsklassen. Als Mindestschutz für private Häuser und Wohnungen wird die Widerstandsklasse 2 empfohlen. Wer neu baut, sollte von Anfang an den Einbruchschutz mit bedenken, sagt Tauber, denn der nachträgliche Einbau kostet in der Regel mehr Geld. Handwerker nennen für die nachträgliche Verriegelung von Fenstern über sogenannte Pilzköpfe Kosten von 200 bis 300 Euro pro Fensterflügel. Für alte Fenster lohnt sich das in der Regel nicht mehr.
150 Euro pro Fenster
Die bayerische Polizei hat im Internet geprüfte Hersteller auf einer Liste zusammengestellt, die Landeskriminalämter führen online Listen mit geprüften Handwerkern, die einen bestimmten Pflichtenkatalog erfüllen und dafür stehen, Fenster und Türen fachgerecht zu montieren. Die Listung erfolgt auf freiwilliger Basis. „Die sicherste Tür nützt nichts, wenn sie nicht richtig eingebaut ist“, sagt Tauber (siehe auch Infokasten).
Das Hochschieben von Rollläden kann mit mechanischen Zusatzsicherungen zumindest etwas erschwert werden. Ein Frankfurter Handwerker nennt dafür Kosten von 150 Euro pro Fenster. Richtig teuer wird der einbruchsichere Rollladen mit elektrischer Steuerung und Zeitschaltuhr. „Da wird die Investitionssumme schnell vierstellig“, sagt der Unternehmer. Grundsätzlich sollten Rollläden während einer längeren Abwesenheit nicht dauerhaft geschlossen werden. Denn das signalisiert dem Einbrecher: keiner zu Hause.
Fallrohr ist gute Kletterhilfe
So tun, als ob - hierfür gibt es Hilfsmittel, die nicht viel Geld kosten: Zeitschaltuhren etwa oder auch Lampen, die Fernsehlicht simulieren. Immer gut ist ein Nachbar, der den Briefkasten leert und auch mal die Mülltonne an die Straße stellt. „Gute Nachbarschaft ist für uns ein ganz wichtiges Thema“, sagt Tauber. Er empfiehlt auch „ein gesundes Misstrauen“. Es könne nicht schaden, sich auch mal ein Kennzeichen zu notieren und der Polizei zu melden. „Dafür sind wir da.“
Was Eigentümer laut Tauber gern vergessen: dass auch ein Fallrohr an der Hauswand eine gute Kletterhilfe für Einbrecher sein kann, ebenso Mülltonnen, Holzstapel und Carports. Für Fallrohre gibt es einen Hochkletterschutz. Mülltonnen sollten so aufgestellt und befestigt werden, dass sie keine Kletterhilfe sind.
20.000 Euro für das gesamte Haus
Sind die Einbrecher erst einmal im Haus, geht alles sehr schnell. „Ein Einbruch ist in zehn, zwölf Minuten vorbei“, sagt Tauber. Am Ende fehlen in der Regel Schmuck, Bargeld, Laptop, und alles ist aus dem Schrank gerissen und durchwühlt. Der Eingriff in die Privatsphäre belastet viele Einbruchsopfer im Nachhinein psychisch. Nur selten machen Einbrecher jedoch etwas absichtlich kaputt. Auch in der Begegnung mit einem Einbrecher sieht Tauber keine Gefahr. „Der will nichts von Ihnen.“ Keinesfalls aber solle man sich dem Dieb in den Weg stellen.
Auch beim Einbruch der Eheleute K. hatten die Einbrecher nichts zerstört. Es gab nur tagelang viel aufzuräumen und aufzulisten für die Versicherung. Inzwischen wurde nicht nur ein neues Kellerfenster, sondern auch eine neue Tür eingebaut. Die Eheleute haben nach der Beratung mit der Polizei einmal durchgerechnet, was sie alles in die mechanische Sicherung ihres recht großen Hauses investierten könnten und waren schnell bei knapp 20.000 Euro. Mit Mitte siebzig wollen sie so viel Geld jedoch nicht mehr in die Hand nehmen. Und außerdem: Nach der Einbruch-Statistik wären sie erst in 40 Jahren wieder an der Reihe.