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Test in Hessen : Mehr Region auf der Verpackung

Ob Ahle Worscht wirklich aus Nordhessen kommt, so wie es sein soll, das soll das neue „Regionalfenster“ klären Bild: dpa

Wie heimisch ist die Wurst aus der Rhön, die als solche vermarktet wird, tatsächlich? Ein neues Regionalfenster soll bundesweit Klarheit schaffen. Der Handel testet es zurzeit. Hessen hat die Federführung.

          Auf Lebensmittelverpackungen in Deutschland könnte es in Zukunft eng werden. Schon jetzt konkurriert eine Reihe von Siegeln mit der Zutatenliste und den Nährwertangaben um die knappe Fläche. Dabei geht es unter anderem um Bioqualität, Nachhaltigkeit und Herkunft - Kriterien, die beim Einkaufen immer öfter eine Rolle spielen. Jüngster Nachwuchs im Kennzeichnungs-Dschungel ist ein neues Tierschutzsiegel. Es steht für Fleisch und demnächst auch für Wurst aus tiergerechter Haltung. Das Label wird zurzeit im Handel getestet.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Kein Label, sondern ein „Informationsfeld“ soll das neue Regionalfenster sein, das das Forschungsinstitut für biologischen Landbau mit Sitz in Frankfurt und die Marketing-Initiative Gutes aus Hessen GmbH im Auftrag des Bundesverbraucherschutzministeriums entwickelt haben. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CDU) wird das Projekt am morgigen Freitag auf der Grünen Woche in Berlin vorstellen.

          „Es präzisiert die Herkunftsangabe“

          Rechtlich ist die Kennzeichnung regionaler Lebensmittel nicht geregelt. Hersteller sind lediglich gesetzlich verpflichtet, das Ursprungsland zu nennen. Verbraucherschützer kritisieren immer wieder, dass längst nicht überall Region drinsteckt, wo Region draufsteht. Herkunftsbezeichnungen seien zu ungenau. Das Regionalfenster will dies ändern. „Es präzisiert die Herkunftsangabe und sorgt damit für mehr Transparenz“, sagt Axel Wirz von dem Frankfurter Forschungsinstitut, der das Regionalfenster entwickelt.

          Dabei handelt es sich um ein blassblaues, viereckiges Kästchen, das immer dann auf der Verpackung stehen darf, wenn garantiert ist, dass die Hauptzutaten zu 100 Prozent aus einer klar definierten Region stammen. Solche Kriterien erfüllen viele Lebensmittel schon jetzt. Die Marketing-Gesellschaft Gutes aus Hessen etwa vergibt dafür das Siegel „Geprüfte Qualität - Hessen“. Doch das sagt den meisten Verbrauchern nichts.

          Der Vorteil der Informationsfläche: Dem Konsumenten im Supermarkt wird schwarz auf weiß mitgeteilt, dass Fleisch und Weizen für die schwäbischen Maultaschen zu 100 Prozent aus der Region, in diesem Fall aus Baden-Württemberg, stammen. Solche konkreten Informationen seien ausschlaggebend für die Kaufentscheidung, sagt Wirz. Das sei allen Beteiligten - dazu zählen weitere Agrar-Marketinggesellschaften, Handelsunternehmen und Ökoverbände - wichtig gewesen. „Siegel haben wir schon genug“, meint der Agraringenieur.

          Bei der Region muss es sich nicht immer um ein Bundesland handeln. Es kann, wie im Fall der Rhön, auch ein Landstrich sein, der sich über drei Bundesländer und fünf Landkreise erstreckt. Wo und wie genau eine Region geschnitten ist, das sollen Verbraucher im Internet nachlesen können. Im Internet unter www.regionalfenster.de sind die ersten Regionen für einen Testversuch definiert.

          „Kurze Transportwege sagen gar nichts“

          Neben der Herkunft der wichtigsten Rohstoffe wird im Regionalfenster auch der Ort genannt, an dem diese verarbeitet wurden. Ausgeklammert wurde laut Wirz der Aspekt Nachhaltigkeit. Zwar haben viele Verbraucher die Vorstellung, dass alles, was aus der Nähe kommt, ökologisch auch besser ist. „Kurze Transportwege sagen aber erst einmal gar nichts“, sagt Wirz mit Hinweis auf Studien, in denen der gekühlte Apfel aus der Wetterau im März in der Klimabilanz nicht besser abschneidet als der im Frühjahr frisch importierte aus Neuseeland.

          Das Gute am Einkauf heimischer Kartoffeln und Wurst sieht Wirz darin, dass Verbraucher regionale Kreisläufe unterstützen und damit „einen Gegentrend zur Globalisierung“ bilden. Das Regionalfenster gebe in diesem Punkt „sichere Überschaubarkeit“. Für Sicherheit sollen Kontrollen sorgen, die auf den bestehenden Systemen aufbauen und so ablaufen wie bei biozertifizierten Betrieben. Das heißt, neben der angekündigten Kontrolle durch eine neutrale Prüforganisation soll es auch unangekündigte Stichproben geben. Bis April wird das Regionalfenster in 20 deutschen Supermärkten, davon in vier Tegut-Filialen in Hessen, vorgestellt und die Akzeptanz geprüft. „Wir sind uns relativ sicher, dass der Verbraucher das Regionalfenster als zusätzliche Informationsquelle begrüßen wird“, meint Wirz.

          Quelle: F.A.Z.

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