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Tennis Bad Homburger Glückseligkeit

 ·  Mit Anna Zaja und Julian Lenz setzen sich gleich zwei Spieler des ausrichtenden Klubs bei den hessischen Tennis-Meisterschaften durch.

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Auf der Tennisanlage des TC Bad Homburg haben schon große Namen aufgeschlagen: Der ehemalige Weltranglistenfünfte Rainer Schüttler zum Beispiel oder der einstige French-Open-Sieger Thomas Muster. Dennoch dürfte der vergangene Sonntag für den Klub ein besonders erfreuliches Datum in der Vereinsgeschichte gewesen sein. Denn seit Jahren war der Vorzeigeklub aus der Kreisstadt im Hochtaunuskreis wieder einmal Heimat der hessischen Landesmeisterschaften, die dort auch in den kommenden beiden Jahren stattfinden werden. Und ausgerechnet in diesem Jahr stellt der Klub als Gastgeber auch die beiden neuen Hessenmeister: Am Sonntag setzte sich die an Position eins gesetzte Anna Zaja gegen die für den Marburger TC aufschlagende Nina Henkel 6:1, 6:2 durch und blieb damit in den vier Spielen auf dem Sieg zum ersten Titelgewinn gänzlich ohne Satzverlust. Auch bei den Männern gab sich der Favorit keine Blöße. Julian Lenz gab ebenfalls in seinen Spielen keinen Satz ab, besiegte im Finale am Sonntag den für den TEVC Kronberg spielenden Ungarn Denes Lukacs 6:1, 6:3 und machte vor rund 300 Zuschauern die Bad Homburger Glückseligkeit perfekt.

Dass das Turnier damit zwei würdige und durchaus vorzeigbare Sieger hat, verdeckt ein wenig die Tatsache, dass sich etliche Topspieler des Landes nicht bei den Meisterschaften zeigten und das Feld, wie auch Michael Otto vom Hessischen Tennis-Verband (HTV) einräumt, „nicht mehr ganz so stark besetzt ist wie früher“. Für viele Spieler sind parallel ausgetragene internationale ITF-Turniere attraktiver, weil sie Weltranglistepunkte und meist auch höheres Preisgeld versprechen. So fehlte beispielsweise bei den Männern mit Steven Moneke vom TEVC Kronberg der derzeit in der deutschen Rangliste am besten plazierte hessische Tennisspieler. Und auch die in der Hessenliga für die regionalen Klubs spielenden ausländischen Tennisprofis kommen erst in den Sommerferien zu ihren Vereinen, wenn die Hessenliga startet. „Das ist natürlich schade“, so Otto, „schließlich wollen wir den Zuschauern die besten Spieler Hessens zeigen“.

Die beiden Finalsieger Julian Lenz und Anna Zaja dürfte das nicht weiter gestört haben. Der 19 Jahre alte Lenz, der in der Hessenliga an der Spitzenposition für Bad Homburg aufschlägt, hatte sich vor Turnierbeginn zwar den Titel vorgenommen. Dass es am Ende eine so deutliche Angelegenheit werden würde, hatte er dagegen nicht erwartet. „Ich habe sehr gut aufgeschlagen, druckvoll gespielt und meinen Gegner nie zur Entfaltung kommen lassen“, kommentierte der im texanischen Waco in den Vereinigten Staaten mithilfe eines Tennisstipendiums studierende Lenz seine Leistung, die dem in der Weltrangliste auf Position 417 plazierten Denes Lukacs keine Chance ließ. Nun plant das Tennistalent, das an diesem Dienstag seine letzte Abiturprüfung erfolgreich absolvieren will, auch mit seinem Klub in der am 7. Juli beginnenden Mannschaftsmeisterschaft den Titel zu holen.

Die gleichen Wünsche

Ähnlich einseitig wie das Männerfinale verlief auch das Endspiel bei den Frauen. Dort dominierte die 20 Jahre alte Anna Zaja mit ihrem druckvollen, aggressiven Spiel Nina Henkel zu jedem Zeitpunkt und kam dabei nie ernsthaft in Bedrängnis. Im vergangenen Jahr wechselte die Tennisspielerin vom bayerischen TC Großhesselohe ins hessische Bad Homburg und wird inzwischen vom ehemaligen Weltranglistenspieler Alexander Waske trainiert. Der hat kürzlich das ambitionierte Ziel ausgerufen, Anna Zaja mittelfristig unter die Top 100 der Weltrangliste zu führen und dabei neben dem Aufschlag die kraftvollen und präzisen Grundschläge als ihre wichtigsten Stärken weiter entwickeln zu wollen.

Für Anna Zaja ist der Erfolg von Bad Homburg der zweitwichtigste Titel ihrer Karriere. Ende April feierte die in der Weltrangliste derzeit auf Position 664 geführte Anna Zaja ihren ersten Titel auf der Profitour. Zweimal hatte sie - in Kaarst und Mytilini - zuletzt noch im Finale eines ITF-Turniers das Nachsehen gehabt, im Oman jedoch klappte es endlich mit dem ersten Profipokal. Dabei ist für den geschulten Betrachter nicht zu übersehen, welche spielerischen und körperlichen Fortschritte sie seit dem vergangenen Jahr gemacht hat, in dem sie erstmals für Bad Homburg in der Hessenliga spielte. Damals verlor sie ihre letzten drei Einzel und beendete die Saison mit einer eher mäßigen Bilanz, in der neuen Saison soll mit Bad Homburg nach Platz drei 2011 nichts weniger als der Titel her.

Dass Anna Zaja damit den gleichen Wunsch hat wie Julian Lenz, dürfte die Verantwortlichen des Tennisklubs Bad Homburg freuen. Und vielleicht sorgen die beiden Topspieler ja dafür, dass der Traditionsverein nach dem Ende der Hessenligasaison am 29. Juli wieder einen ähnlich freudigen Tag feiern kann - wenn seinen Spielern tatsächlich zwei Meisterschaften an einem Tag gelingen würden.

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