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Veröffentlicht: 21.04.2017, 12:43 Uhr

Kameras „kaputtgeschossen“ Tausende Einbrüche in Gartenhütten

Wer steht hinter den Einbrüchen in Kleingärten? Die Erfolgsquote der Polizei tendiert gegen null. Kleingärtner schützen sich mit Kameras oder gehen auf Patrouille.

von
© Junker, Patrick Viel Liebe investiert, von Einbrechern heimgesucht: Claudia und Friedel Geist in vor ihrer Gartenhütte in Frankfurt

Eine weiße Katze aus Ton krallt sich ans Tor von Claudia und Friedel Geist, vor ihrem Bauch hängt ein Schild mit der Aufschrift „Willkommen in unserem Garten“. Die Einladung gilt Freunden und Nachbarn, doch es gibt auch Gestalten, die sie auf ihre sehr eigene Art interpretieren: Einbrecher. Anfang Februar haben sie die weißgetünchte Hütte der beiden Kleingärtner zwischen den Frankfurter Stadtteilen Gallus und Griesheim heimgesucht. Sie ist gemauert, hat stabile hölzerne Fensterläden und eine blechverkleidete Tür. Doch den Kriminellen hielt sie nicht stand.

Dieter Schwöbel Folgen:

Sie hebelten die Tür mit einem Stemmeisen auf, durchsuchten und durchwühlten alles und hinterließen ein einziges Chaos. Gestohlen haben sie letztlich nur eine Kaffeemaschine, in der noch Bohnen waren, die später im Nachbargarten gefunden wurden, über dessen Wiese sie wohl das Weite suchten. Mehr zu holen gab es nicht, denn wertvolle Gegenstände lässt das Ehepaar schon lange nicht mehr da. Es weiß, dass in Gartenhütten Jahr für Jahr tausendfach eingebrochen wird.

„Viel Liebe und viel Geld investiert“

Die 49 Jahre alte Frau und ihr 67 Jahre alter Mann sitzen auf der Eckbank in der kleinen, aber gemütlichen Küche. Die Tür steht offen, das Rauschen der nahen Autobahn ist zu hören. Vor der Hütte schwimmen Kois und Goldfische in einem kleinen Becken, an dessen Rand ein steinerner Buddha meditiert. Im Inneren hängen gerahmte Ehrungen und Urkunden an der Wand, eine für den zweiten Preis im Wettbewerb „Die schönsten Gärten 2003“ mit 1500 Teilnehmern.

„Wir haben viel Liebe und viel Geld investiert, und dann kriegen wir alles kaputtgemacht“, sagt Claudia Geist frustriert. Der Küchentisch vor ihr ist übersät mit Zuckerwürfeln, Metallbohrern und leeren Tüten. Der Schrank im Nebenraum steht offen, Kleidungsstücke hängen heraus, Garten-Clogs sind über den Boden verstreut.

So hat das Paar die Hütte vor mehr als einem Monat vorgefunden, und so sieht sie immer noch aus. „Aufräumen und reparieren lohnt sich bisher nicht“, sagt die Angestellte der Verkehrsgesellschaft Frankfurt. Denn bis Ende April sei in dieser Anlage das Risiko groß, dass abermals eingebrochen werde. Tatsächlich waren die Straftäter seither mindestens sechsmal in der Hütte, wie das Paar an Details erkannte. „Hätten wir gleich aufgeräumt und die Tür repariert, hätten wir den Schaden zum zweiten Mal.“

Als Vorsitzende des KGV Gutleut ist sich Claudia Geist sicher, dass schon in jeden der 96 Gärten eingebrochen wurde. Allein seit Dezember seien 150 Taten gemeldet worden. „Die Polizei lässt uns zwar nicht im Stich, kann aber eigentlich nichts ausrichten.“ Deswegen zeigten viele die Straftaten auch gar nicht mehr an. Der Aufwand lohne allenfalls, wenn Aussicht bestehe, dass die Versicherung den Schaden ersetze. Was sie ohne Kaufquittung aber nicht macht.

Isabell Neumann kann diese Resignation verstehen. „Wir können keine großen Hoffnungen machen. Letztlich können wir wenig tun“, sagt die Sprecherin der Frankfurter Polizei. Man wisse um die Situation, nehme Strafanzeigen auf und sichere verwertbare Spuren. Doch nahezu alle Fälle würden erfolglos eingestellt. Es gebe zu wenig Polizisten, um die Kleingärten besser zu überwachen, andere Kriminalitätsschwerpunkte seien wichtiger. Die Täter seien meist Obdachlose, Drogensüchtige und Osteuropäer; Letztere hätten es etwa auf Bohrmaschinen abgesehen, die sie gegebenenfalls in ihrer Heimat losschlagen könnten. Mancher Einbrecher suche auch nur einen Schlafplatz.

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