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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Taunus-Sparkasse Mit Zähigkeit und Bodenhaftung

 ·  Zeitenwende bei der Taunus-Sparkasse: Hans-Dieter Homberg, der zum Monatsende in den Ruhestand tritt, hat das Kreditinstitut mehr als ein Jahrzehnt geprägt.

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Es hat sich dann doch noch alles zum Guten gewendet. In den letzten drei Jahren seiner Amtszeit konnte Hans-Dieter Homberg immer neue Rekordergebnisse der Taunus-Sparkasse verkünden. 40 Millionen Euro verdiente das Unternehmen im vergangenen Jahr, ein Gewinn, der wie üblich nicht ausgeschüttet wird, sondern in der Bank bleibt, als Stärkung des Eigenkapitals für schlechtere Zeiten. Wenn Homberg am Donnerstag im Bad Homburger Kurhaus feierlich in den Ruhestand verabschiedet wird, übergibt er seinem jungen Nachfolger Oliver Klink nach allem, was sich aus dem Geschäftsbericht herauslesen lässt, ein geordnetes Haus, dessen Zukunft gesichert ist.

Das ist mehr, als es auf den ersten Blick scheint. In diesen hektischen Zeiten ist fast schon in Vergessenheit geraten, welch schwierige Phase die Taunus-Sparkasse vor gut einem Jahrzehnt durchlebt hat. Als 1999 Homberg vom stellvertretende Vorstandsvorsitzenden zum Chef befördert wurde, litt das Haus unter faulen Krediten in beträchtlichem Maße; sie hatten ganz offensichtlich auch zum vorzeitigen Abgang seines Vorgängers geführt. Nur durch die Hebung stiller Reserven hatte 1998 ein Verlust vermieden werden können. Homberg kündigte nicht weniger als eine neue Strategie, bessere Abläufe und überhaupt einen höheren Qualitätsanspruch an, also eine Art Runderneuerung des Kreditinstituts, das erst 1991 durch die Fusion der Kreissparkassen des Main-Taunus- und des Hochtaunuskreises entstanden war.

Ein kompliziertes Dreieck

Über Jahre hinweg musste Homberg mäßige Geschäftsergebnisse bekanntgeben und mehrfach auch Filialschließungen; von den 72 mit Personal besetzten Geschäftsstellen 1999 blieben nur 49 - großzügig gerechnet, denn 18 dieser 49 bieten nur Beratungssprechstunden und Automaten, sie haben keine Schalterhalle mit Kasse. Homberg betrieb den Neuaufbau der Taunus-Sparkasse mit Zähigkeit und Bodenhaftung; ohne Umschweife sagte der Chef während der Bilanzpressekonferenzen, wenn er mit den Abschlüssen nicht zufrieden war, und das war nicht nur einmal so.

Das Sparkassen-Geschäft im Dreieck von Frankfurt, Bad Homburg und Wiesbaden gilt als kompliziert. Zwar ist an solventer Kundschaft kein Mangel, aber sie wird auch von besonders vielen Kreditinstituten umworben. Eine Ausdehnung in weniger umkämpfte Teile der Region mit entsprechend höheren Margen, wie sie Volksbanken betreiben, ist den Sparkassen unmöglich, eine einzige große Rhein-Main-Sparkasse bleibt eine Vision. Im Gegenteil: Aus historischen Gründen überlappen sich in diesem Raum sogar die Geschäftsgebiete der einzelnen Sparkassen, die sich so gegenseitig das Leben schwermachen.

Ein Talentschuppen

Die Spielräume der Taunus-Sparkasse waren und sind also begrenzt. Der Vorstand machte aber immer wieder mit pfiffigen Ideen von sich reden, etwa der, mit knallroten Autos zu den Privatkunden zu fahren, wenn diese nicht selbst in die Filialen kämen. Während sich dieses Geschäftsmodell nicht so sehr durchsetzte, dass es noch groß beworben würde, hatte man mit einer anderen Idee den richtigen Riecher: Die Taunus-Sparkasse baute rechtzeitig das Immobiliengeschäft aus, namentlich die Finanzierung von Bauträgern, so dass sie gegenwärtig bestens am Boom des Wohnungsbaus mitverdient, auch an dem in Frankfurt.

Eine Zeitlang war das Bad Homburger Kreditinstitut geradezu ein Talentschuppen. Der frühere Vorstand Robert Restani führt nach Zwischenstationen bei der WestLB und der Karstadt-Quelle-Bank heute die Sparkasse Hanau, Privatkundenvorstand Holger Mai wurde Chef der Frankfurter Bankgesellschaft, Karin-Brigitte Göbel wechselte in den Vorstand der Stadtsparkasse Düsseldorf. Homberg blieb, er führte das Haus durch das vergangene, durchaus turbulente Jahrzehnt, ohne dass es abermals strauchelte, anders als die Sparkassen links und rechts und manche Großbank. Und das von ihm zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts ausgegebene und 2006 wegen Unerreichbarkeit kassierte Renditeziel (ein Betriebsergebnis vor Bewertung in Höhe von einem Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme) hat die Taunus-Sparkasse dann nach Überwindung der Finanzkrise doch noch erwirtschaftet, ohne dass der Chef viel Aufhebens darum gemacht hätte.

Nach so vielen Jahren gehört Homberg natürlich längst zur Gesellschaft im Taunus, aber man kann die rheinische Herkunft noch hören. Er stammt aus Düren, wo er bei der Sparkasse lernte, nach zwei Jahrzehnten in Köln wurde er 1987 in den Vorstand der damaligen Kreissparkasse des Hochtaunuskreises berufen. Er lebt in Friedrichsdorf, und auch in Zukunft wird man ihn mit seiner Frau oft sehen in der Region, bei Jazzkonzerten in der Alten Oper etwa. Die beiden haben sich allerhand Karten für das Rheingau-Musik-Festival gekauft, Homberg möchte Italienisch lernen. Die vielen Ehrenämter, die er im Laufe der Jahre übernommen hat, möchte er behalten, etwa bei der Lebenshilfe Main-Taunus, im Wirtschaftsbeirat Friedrichsdorfs oder in der Museumsgesellschaft Kronberg. Man wird dort sicherlich weiter gerne auf seinen abgewogenen Rat hören. Der Fünfundsechzigjährige ist keiner von den Nassforschen, die für alles gleich eine Erklärung haben, und auch in den vielen Jahren als Vorstandsvorsitzender der Taunus-Sparkasse wollte Hans-Dieter Homberg nie größer erscheinen, als er war. Das war sein stärkstes Kapital.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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