Home
http://www.faz.net/-gzg-6yykm
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Tankstellen-Apps Schwierige Suche nach günstigem Benzin

Die Fahrt in den Osterurlaub wird in diesem Jahr teuer. Mit Apps können Autofahrer günstige Tankstellen suchen. Doch das Ergebnis kann enttäuschen.

© ASSOCIATED PRESS Vergrößern Clever tanken: Nicht immer führt die App auch zur billigsten Tankstelle.

Hohe Benzinpreise sind wie immer vor Ostern, wenn die erste große Reisewelle rollt und die Nachfrage steigt, ein Aufregerthema. Diesmal trifft es Autofahrer besonders hart. Im April 2011 wurde noch über einen Preis in Höhe von 1,59 Euro für einen Liter Superbenzin geklagt. Heute würden Autofahrer einen Umweg auf sich nehmen, um für diesen Preis tanken zu können. Bis zu 1,73 Euro für den Liter Super (E 5), die meistverkaufte Sorte, verlangen deutsche Tankstellen in diesen Tagen.

Mehr zum Thema

Petra Kirchhoff Folgen:  

Allerdings schwanken die Preise stark. Die Tankstellen stehen in einem harten Wettbewerb untereinander. Betreiber achten genau darauf, ob der Sprit in der Nachbarschaft günstiger oder teurer ist, und justieren entsprechend nach. Das macht es für Autofahrer schwierig, sich einen Preisüberblick zu verschaffen.

Viele Apps sind nicht aktuell

Dass dies überhaupt möglich ist, liegt an Portalen wie clever-tanken.de, die Adressen und Preise sammeln. Verbraucher können sich im Internet unter Angabe der Postleitzahl die Preise von Tankstellen in der Umgebung anzeigen lassen und neuerdings auch mit kleinen Software-Programmen (Apps) auf dem Handy.

Doch viele Apps sind nicht aktuell, wie ein Vergleich der drei Apps Clever-Tanken, Mehr-Tanken und Tankcheck zeigt. Gestern um 11 Uhr waren bei Tankcheck nur vier der zehn zuerst genannten Tankstellen-Preise tagesaktuell. Der jüngste Preis war 23 Minuten alt, die anderen Meldungen aber lagen 14 bis 17 Stunden zurück, so auch der mit 1,68 Euro für den Liter Superbenzin günstigste Preis. Aktuell wurden nur gerundet 1,72 und 1,73 Euro angezeigt.

Schon besser bedient war der Autofahrer zu diesem Zeitpunkt bei der App Mehr-Tanken. Zwar zeigte die Software in diesem Fall auch nur drei tagesaktuelle Preise an, aber der günstigste Preis in dieser Gruppe - 1,67 Euro, Mr. Wash, Hanauer Landstraße in Frankfurt - war immerhin ganz frisch. Ärgerlich war in diesem Fall, dass die zuerst genannte Tankstelle mit einem zwar günstigen, aber mit 14 Stunden recht überholten Preis gar nicht angefahren werden konnte, weil sie geschlossen war. Irreführend auch: Die genannte Nummer zwei, Reifen Diehl, verkauft nur Heizöl und kein Benzin.

Keine Preisgarantie

Grundsätzlich bedeutet ein in der App angezeigter Preis nicht, dass ein Autofahrer diesen Preis auch vorfindet, wenn er fünf Minuten später die Tankstelle ansteuert. „Es gelten immer die Preise an den Tankstellen“, heißt es im Kleingedruckten. Und telefonische Auskunft bekommt der Autofahrer nicht in jedem Fall. „Wir machen das grundsätzlich nicht“, heißt es bei Mr. Wash an der Hanauer Landstraße.

Aus diesem Grund empfiehlt der ADAC jedem Autofahrer, der unterwegs einen guten Preis sieht, die Gunst der Stunde zu nutzen und den Tank aufzufüllen, auch wenn darin nur für zehn Liter Platz sein sollte. Gleichwohl wird auch der ADAC in der nächsten Woche eine neue App vorstellen, mit der Benzinpreise verglichen werden können. Bisher können dies Mitglieder des Automobilclubs nur im Internet.

Morgens sind die Kraftstoffpreise am höchsten

Am professionellsten und aktuellsten arbeitet nach unserem Test der Anbieter Clever-Tanken. Der Preissammler ist bereits seit 13 Jahren am Markt und verlässt sich nach eigenen Angaben nicht nur auf Beobachtungen von Verbrauchern, die sich aus Kontrollzwecken registrieren müssen, sondern arbeitet auch mit einer eigenen Crew. Tankstellen wie die der Kette Hem der Tamoil GmbH mit bundesweit 350 Stationen gehören hier zu den wenigen, die Preise melden und regelmäßig aktualisieren. Clever-Tanken-Geschäftsführer Steffen Bock bezeichnet sein Angebot als Premium. Das Herunterladen der App kostet einmalig 1,59 Euro. Als Grund dafür nennt Bock den Verzicht auf Werbung: „Davon halte ich auf dem Handy nichts.“ Tankcheck und Mehr-Tanken setzen dagegen auf werbefinanzierte Gratis-Apps.

Wem das alles zu kompliziert und zu wenig verlässlich ist, der sollte darauf achten, dann zu tanken, wenn günstige Preise zu erwarten sind. Eine neue Untersuchung des ADAC zur Preispolitik der Tankstellen hat ergeben: Morgens sind die Kraftstoffpreise am höchsten, weil nachts extreme Preisaufschläge vorgenommen werden. Günstiger tanken Autofahrer abends.

Benzin in Österreich günstiger

Urlauber können in jedem Fall sparen, wenn sie vorausschauend tanken. Auf dem Weg nach Italien heißt das: in jedem Fall den Tank noch in Österreich auffüllen. Dort kostet der Liter Superbenzin laut einer ADAC-Meldung vom Mittwoch im Schnitt 1,49 Euro, in Italien dagegen 1,86 Euro. So hoch ist der Preis auch in Dänemark. Noch teurer ist Super in den Niederlanden (1,88 Euro). Den Preis für die Schweiz beziffert der ADAC mit 1,57 Euro.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.04.2012, 17:46 Uhr

Nach und vor der Demo

Von Helmut Schwan

Den Polizeieinsatz bei den Blockupy-Protesten im vergangenen Juni sehen Richter als rechtmäßig an. Doch nun gilt es, Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen - von Polizei und Demonstranten. Auch ein Vergleich mit der Welt des Fußballs lohnt. Mehr