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Tagesgeldkonto Wer mehr Zinsen will, muss suchen

Viele Sparer nutzen ihr Tagesgeldkonto als Dauerparkplatz. Die überall niedrigen Zinsen reizen nicht zum Wechseln. Doch wer alles beim Alten lässt, verliert Geld.

© Rosenkranz, Henner Vergrößern Vergleichen lohnt sich: Auch wenn keine Bank derzeit richtig hohe Zinssätze bietet, die Unterschiede sind groß.

Mit Geld ist dieser Tage kaum Geld zu verdienen. Wer sein Erspartes auf einem herkömmlichen Konto bei der Bank liegen hat, der kann schon froh sein, wenn der Zinssatz annähernd die Steigerung der Verbraucherpreise ausgleicht, sein Vermögen also nicht von der Inflation aufgezehrt wird. Lang vorbei sind auch die Zeiten, in denen es fünf Prozent und mehr auf Tagesgeld gab. Trotzdem müssen Sparer nicht auf Rendite verzichten. Ein Vergleich lohnt, vor allem über die eigene Hausbank hinaus.

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Denn im Vergleich der Zinssätze sowohl für Tages- als auch für Festgeld hinken die Filialbanken aus der Region den Angeboten aus dem Internet regelmäßig weit hinterher. Verständlich: Schließlich müssen die Direktbanken keine teuren Filialen betreiben und bieten in der Regel weniger Service. Und wie die Vorstandschefs aus der Region gerne herausstreichen, sind die Zinsen, die diese Konkurrenten anbieten, oft nicht „marktkonform“, sondern reine Lockangebote, die nur für Neukunden gelten. Ausländische Institute wollten sich damit in den deutschen Markt „einkaufen“. Den Anlegern dürfte das egal sein. Sie profitieren trotzdem.

Summen bis 100.000 Euro sind gesichert

Die Frankfurter Sparkasse etwa zahlt auf Tagesgeld einen mageren Zinssatz von 0,5 Prozent. Wer online ein solches Konto eröffnet, erhält immerhin 0,9 Prozent. Bei der Sparda-Bank Hessen gibt es sogar nur 0,4 Prozent, die Frankfurter Volksbank zahlt 0,35. Angesichts von Inflationsraten von um die zwei Prozent verliert der Sparer also Geld, wenn er es langfristig auf solchen Konten liegen lässt.

Es gibt auch in diesen Zeiten bessere Angebote. Wüstenrot und die Santander Bank bieten zum Beispiel zwei Prozent. Beide Banken sind keine Zockerbuden, bei denen die Kundschaft fürchten muss, dass sie von einem Tag auf den anderen pleitegehen. Beide, wie alle Anbieter, die in der Tabelle aufgelistet sind, unterliegen der deutschen Einlagensicherung, Summen bis zu 100.000 Euro sind also mindestens abgesichert.

Als Geldreserve für Notfälle

Wie viel die Deutschen dadurch verschenken, dass sie beim Geldanlegen nicht nach den besten Konditionen schauen, hat Max Herbst von der Frankfurter FMH Finanzberatung gerade anhand der neuesten Bundesbank-Statistik vom Januar ausgerechnet. 1,46 Billionen Euro haben die Sparer demnach bei Banken und Sparkassen liegen und geben sich dabei mit einem durchschnittlichen Zinssatz von 0,83 Prozent zufrieden. Bei gleicher Verteilung des Geldes auf unterschiedliche Anlageklassen wäre nach Herbsts Berechnungen mit den besten Konditionen auch ein Zinssatz von 2,03 Prozent möglich. Noch mehr aber hätte es eingebracht, das Geld zu unterschiedlichen Fristen anzulegen. Mehr als die Hälfte der deutschen Einlagen liegt in täglich verfügbaren Anlageformen wie Giro- oder Tagesgeldkonto. Hier geben sich die Deutschen im Schnitt sogar mit noch weniger Zinsen, 0,59 Prozent, zufrieden.

Ein Sprecher der Frankfurter Volksbank weist darauf hin, dass Tagesgeld ja eigentlich als Geldreserve für Notfälle zu betrachten sei. Zum Ausgleich der Inflation sollten auch andere Anlageformen gewählt werden. Tatsächlich nutzen viele Anleger ihr Tagesgeldkonto längst als Dauerparkplatz für viel mehr Geld als sie täglich brauchen. Und das bei mauen Zinsen für Bestandskunden. Dass die EZB in absehbarer Zeit das Zinsniveau wieder anheben und der Anleger dann schnell auf Zinsveränderungen reagieren wird, ist kaum zu erwarten.

Magere Zinsen bei der Frankfurter Sparkasse

Ein Blick auf Anlagen mit längerer Kündigungsfrist kann sich also lohnen. Wenn keine großen Anschaffungen ins Haus stehen, rät Finanzexperte Herbst zum Beispiel eine Anlagesumme von 100.000 Euro in gleichen Teilen als Tagesgeld, einjähriges Festgeld sowie in Sparbriefen mit zwei beziehungsweise drei Jahren Laufzeit anzulegen. Im Vergleich zum deutschen Durchschnittssparer ließen sich damit dreimal so hohe Zinseinnahmen erzielen: 1868 statt 610 Euro.

Auch beim Festgeld lohnt ein genauer Vergleich, zumal einige Banken ihren Kunden sogar weniger Zinsen zahlen, wenn sie auf Flexibilität verzichten. Wer bei der Frankfurter Sparkasse sein Geld auf ein Jahr fest anlegt, erhält gerade einmal 0,25 Prozent Zinsen, halb so viel wie auf sein Tagesgeld. Selbst wer sich für drei Jahre bindet, bekommt nur 0,6 Prozent.

Auch auf unbekannte Banken setzen

Hier ist der Abstand zu den besten Anbietern erheblich. Auf ein Jahr bietet etwa Corealcredit 2,01 Prozent Zinsen, auf drei Jahre festgeschrieben bekommen Kunden der Eurocity Bank sogar 2,45 Prozent im Jahr.

Sowohl Herbst als auch die Zeitschrift „Finanztest“ weisen darauf hin, dass es nicht grundsätzlich riskant ist, bei einer Bank mit unbekanntem Namen Geld anzulegen. Corealcredit etwa ist eine Bank mit Sitz im Frankfurter Westend, die sich hauptsächlich um die Finanzierung von Gewerbeimmobilien kümmert. Die Eurocity Bank ist der deutsche Ableger einer türkischen Bank und sitzt seit vergangenem Jahr am Frankfurter Goetheplatz. Beide werden von der deutschen Bankenaufsicht kontrolliert und unterliegen der deutschen Einlagensicherung. Die Geldanlage bei einer Bank mit Sitz in Deutschland oder auch der EU hält Finanzexperte Herbst grundsätzlich für unproblematisch. „Die Sparkassen sind nicht automatisch die Besseren, nur weil sie keine Zinsen mehr zahlen.“

Quelle: F.A.Z.

 
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