Das Symbol ist auf dem Börsenplatz ohne Zweifel mit Bedacht gewählt. Denn wie viel lässt sich sagen mit Säcken voller Sand: „Es braucht einen Schutzwall gegen die Gier der Finanzmärkte“, skandieren die Demonstranten. Und: „Wir streuen den Spekulanten Sand ins Getriebe.“ Eine Dame lässt sich sogar dazu hinreißen, mit ausgestrecktem Arm auf das IHK-Gebäude mit dem Börsenparkett darin zu zeigen und zu schimpfen: „Diese Saftsäcke.“
Die Demonstranten fordern die Einführung einer Finanztransaktionssteuer, die von einigen Teilnehmern an diesem Sonntagvormittag durchweg Spekulationssteuer genannt wird. Im Rahmen der Kampagne „Steuer gegen Armut“ hatten mehrere Organisationen, dar Campact, Attac und Oxfam, zu der Demonstration in der Innenstadt aufgerufen. Nach Angaben des Aktionsbündnisses nahmen etwa 150 Personen teil.
Deprimiert dreinblickende „Banker“
Schon um sieben Uhr morgens rollten mehrere Lastwagen auf den Börsenplatz, beladen mit Dutzenden Paletten mit aufgeschichteten Sandsäcken. Bis zum Beginn der Demonstration am Vormittag ist ein Wall aus 4000 Säcken vor dem Eingang des Gebäudes entstanden. Jeder einzelne Sack sei von einer Person gespendet, heißt es. Ein paar Aktivisten schlüpfen sodann in Hemd und Jackett, um als Banker verkleidet mit bunt bedrucktem Papier um sich zu werfen. Eine Gruppe Demonstranten schließt daraufhin noch das letzte Loch in der Sandsackwand, um symbolisch die Banker an ihren Spekulationen zu hindern. Eingemauert und isoliert sitzen die Frauen und Männer nun auf ihren leeren Koffern und schauen deprimiert. „Da vergeht euch der Spaß am Geschäftemachen“, ruft ein Demonstrant besonders laut.
In den nächsten zwei Wochen würden in Europa die Weichen für die Einführung einer Finanztransaktionssteuer gestellt, und es sei deswegen wichtig, ein Zeichen zu setzen, meint Christoph Bautz, Geschäftsführer von Campact. Er fordert die Bundesregierung auf, die Einführung der Steuer im Rahmen der verstärkten Zusammenarbeit mit einigen anderen europäischen Staaten voranzutreiben.
Schutz von Klima und Umwelt
Eine welt- oder europaweite Steuer zu fordern, sei nicht realistisch, sagt Bautz. Deutschland könne jetzt aber den ersten Schritt machen. Die Abgabe dürfe nicht verwässert werden, der Steuersatz von 0,1 Prozent müsse für alle Finanzprodukte gelten. Kritikern einer solchen Abgabe entgegnet er, dass sie Kleinanleger nicht treffe, da ihr Geld meistens so angelegt sei, dass es nur eine sehr niedrige Umschlagfrequenz habe und somit kaum Kosten entstünden.
Auf das oft geäußerte Argument, Banken gäben die durch eine Steuer verursachten Kosten an ihre Kunden weiter, reagierte keiner der Redner. Stattdessen hieß es, die Steuer könne zukünftige Krisen verhindern. „Die Einnahmen dürfen nicht sang- und klanglos im Bundeshaushalt verschwinden, sondern müssen für weltweite Armutsbekämpfung und den Schutz von Klima und Umwelt eingesetzt werden“, fordert Tobias Hauschild von Oxfam.