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SV Darmstadt 98 : Der David ist jetzt eher Goliath

  • -Aktualisiert am

Weiß noch gar nicht, mit welchem Personal er planen kann: Der Darmstädter Trainer Torsten Frings Bild: Jan Huebner

In der zweiten Liga gehört Absteiger Darmstadt 98 nun zu den Favoriten – auch wenn der Kader längst nicht komplett ist. Immerhin haben die „Lilien“ schon 9300 Dauerkarten verkauft.

          Die „Lilien“ brauchen eine neue Mentalität, eine neue Denkweise, einen neuen sportlichen Wesenskern. Wenn am letzten Juli-Wochenende in der Zweiten Fußball-Bundesliga wieder der Ball rollt, wird dem SV Darmstadt 98 in manchen Matches unweigerlich die Favoritenrolle anhaften. Dem Erstligaabsteiger, der nach zwei Jahren Zugang zur Beletage für Zweitligaverhältnisse wirtschaftlich wie sportlich einiges an Gewicht mitbringt. Der den Umgang mit der Position der Stärke aber erst noch verinnerlichen muss. Wie schnell und gut das Management mit den eigenen Ambitionen und der neuen, veränderten Erwartungshaltung von außen funktioniert, wird maßgeblich den Erfolg in der neuen Saison ausmachen.

          Viele Jahre lang haben sie sich beim SVD in der Rolle des Davids im ewigen Kampf gegen all die Goliaths da draußen mit dem vielen Geld und den besseren Spielern gefallen. Es war eine dankbare Rolle, in der Kräfte gebündelt und der Gemeinsinn geschärft werden – aber eben auch eine Komfortzone. Erfolgstrainer Dirk Schuster war ein Meister darin, öffentlich gebetsmühlenartig zu verkünden, dass man als kleinstes Licht der Liga die Großen hier und dort vielleicht mal ärgern könnte – und intern zwei Aufstiege in Serie und den Verbleib in der Bundesliga zu planen.

          Erstes Training am Mittwoch

          Sein unglücklicher Nachfolger Norbert Meier versuchte ebenfalls auf dieser Klaviatur zu spielen, doch gelang dies mit seinem gern erwähnten alten Filmtitel „Theo gegen den Rest der Welt“ eher halbherzig. Als Torsten Frings zu Jahresbeginn übernahm, war der Abstieg schon quasi besiegelt und sein Mantra lautete: „Wir haben überhaupt nichts mehr zu verlieren.“

          Das wird sich über diesen Sommer ändern. Und Frings ist gut beraten, den Wandel beherzt und frühzeitig anzugehen. Nach einer kurzen Sommerpause nehmen die Darmstädter schon an diesem Montag die Vorbereitung auf die neue Runde auf. Der noch längst nicht komplette Kader trifft sich am Stadion am Böllenfalltor, wird aber noch nicht gegen Fußbälle treten. Denn am Montag übernehmen nicht das Trainerteam, sondern die Teamärzte das Kommando. Allerlei medizinische Checks stehen auf dem Programm.

          Am Dienstag reist der „Lilien“-Tross nach Frankfurt, um im Zentrum für Hochschulsport Laktattests vorzunehmen. Am Mittwoch dann kommt von 10 Uhr an auch der Ball ins Spiel, wenn die Darmstädter sich am heimischen Böllenfalltor zur ersten Trainingseinheit vor der Spielzeit 2017/18 auf dem grünen Rasen einfinden werden.

          Grundlagen legen

          Drei SVD-Profis sind derweil noch international im Einsatz. Der neuverpflichtete Angreifer Jamie Maclaren steht im australischen Aufgebot beim Confederations Cup und misst sich an diesem Montag in Russland mit der deutschen Nationalmannschaft. Der 23-Jährige spricht von einem „ganz besonderen Spiel“ für ihn und kündigt einen mutigen Auftritt der „Socceroos“ gegen den Weltmeister an.

          Bei der U-21-Europameisterschaft sind Abwehrspieler Patrick Banggaard für Dänemark und Felix Platte für die DFB-Junioren im Einsatz. Bei Platte haben die „Lilien“ die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sie den Stürmer auch über das Ende des Leihgeschäfts mit Schalke 04 am Ende des Monats an sich binden können. Banggaard ließ schon mal augenzwinkernd ausrichten, dass er freilich gerne beim Vorbereitungsstart in Darmstadt dabei gewesen wäre. „Es ist wichtig, die Grundlagen zu legen“, sagte er. Aber es sei ja normal, dass ein junger Profi wie er sich lieber beim wichtigsten Juniorenturnier mit Italien und Deutschland in der Gruppenphase messe, „als Linienläufe zu machen“.

          Vertrauensvorschuss der Fans

          Etwas später in den Vorbereitungsbetrieb einsteigen wird Roman Bezjak, der im vergangenen halben Jahr an den kroatischen Klub HNK Rijeka ausgeliehen war. Der Offensivspieler war noch mit der slowenischen Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation gefordert und erhält noch ein paar Urlaubstage. Pünktlich und topfit will mit Yannick Stark ein zweiter Rückkehrer einen neuen Anlauf bei den „Lilien“ nehmen. Der gebürtige Darmstädter hat während der Pause Extraschichten eingelegt und kehrt nach einem leihweisen wie sportlich missratenen Ausflug zum FSV Frankfurt zum SVD zurück. Dennoch ist es fraglich, ob Chefcoach Frings auf Bezjak und Stark setzen wird.

          Im sommerlichen Trainingslager vom 9. bis 18. Juli, das die Südhessen wie im Vorjahr im beschaulichen Haus im Ennstal in Österreich abhalten werden, möchte Frings in Sachen Kaderplanung schon entscheidend weiter sein. Der Vertrauensvorschuss beziehungsweise die Lust der Fans auf die neue Zweitligarunde ist jedenfalls groß. Aktuell haben die Darmstädter schon 9300 Dauerkarten verkauft.

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