11.10.2006 · Der SV Darmstadt 98 kämpft um ein neues Stadion am Böllenfalltor. Sind 20 oder 25 Millionen Euro nicht ein bißchen viel für eine Spielstätte in der Fußball-Regionalliga?
Von Michael EderDer SV Darmstadt 98 kämpft um ein neues Stadion am Böllenfalltor. Sind 20 oder 25 Millionen Euro nicht ein bißchen viel für eine Spielstätte in der Fußball-Regionalliga?
Natürlich nicht, lieber Leser. Ganz und gar nicht, das ist allerbestens angelegtes Geld. Schauen Sie, der SV Darmstadt 98 ist ein gut geführter Traditionsverein mit erstklassiger Trainerverschleißquote, er spielt in der Fußball-Regionalliga Süd eine wirklich große Rolle. Von den letzten acht Saisonspielen haben die „Lilien“ nur sieben verloren, da kann man nicht meckern, außerdem haben sie in der vergangenen Saison nur 170.000 Euro Miese gemacht, und in der Tabelle stehen sogar zwei Mannschaften hinter ihnen.
Sie sehen, lieber Leser, das ist ziemlich großer Sport, der da geboten wird. Und er würde natürlich noch viel größer, wenn der Verein endlich in einer modernen Arena spielen könnte, mit Business-Seats und Logen und schönen VIP-Suiten, in denen wohltemperierter Rotwein kredenzt wird, nicht zu warm, das Glas leicht beschlagen. Gut, es gibt natürlich immer ein paar Nörgler, die meinen, daß 25 Millionen ein bißchen viel Geld seien für ein Stadion an diesem Sportstandort und auch in einer Stadt, in der die meisten Schulen aussehen, als wäre der Krieg gerade erst zu Ende gegangen.
Präsident praktischerweise auch Bauingenieur
Allen Nörglern zum Trotz: Die „Lilien“ sind eisern, es gibt die Faninitiative www.neuesboelle.de, die bei Heimspielen schon einmal Infostände errichtet, es gibt in der Vereinsführung einen Vizepräsidenten für Baufragen, und der Präsident selbst ist praktischerweise auch gelernter Bauingenieur. Das ist geballte Kompetenz, in Baufragen zumindest, sportlich vielleicht ein bißchen weniger, aber das ist nur deshalb so, weil sie in Darmstadt wissen: Ein modernes Stadion löst alle Probleme, ein modernes Stadion zieht die Zuschauer an, ein modernes Stadion schießt sogar Tore, kurzum, ein modernes Stadion wirkt Wunder, in einem modernen Stadion könnte sogar ein Verein wie Darmstadt 98 mal ein Spiel gewinnen.
Ein kleines Problem stellen derzeit noch die benötigten 25 Millionen Euro dar, aber das bißchen Geld wird sich ja finden lassen. Die Stadt und ihr Oberbürgermeister sind natürlich vehement für einen Neu- oder Umbau, finden in ihren Kassen aber nicht das nötige Kleingeld. OB Hoffmann sucht deshalb seit Monaten - es könnten auch schon Jahre sein - nach Sponsoren. Überraschenderweise hat er noch niemanden gefunden, der dem gut geführten Traditionsverein mal schnell eine neue Bleibe hinstellen wollte. Aber das ist natürlich nur eine Frage der Zeit, schließlich handelt es sich um einen aufstrebenden Klub, vom drittletzten Platz kann es im Prinzip nur nach oben gehen, das hat die Sportliche Leitung ausgesprochen gut eingefädelt.
Eine neue Schwimmhalle für die Leders!
Ja, und wenn das neue Stadion dann steht, nächstes Jahr oder übernächstes, kann sich die Region neuen Aufgaben widmen. Wenn die „Lilien“ ein Stadion bekommen, werden auch andere lokale Weltklassesportler ihre Anliegen vortragen. Und so werden die Triathleten Nicole und Lothar Leder endlich eine neue Schwimmhalle bekommen und eine Leichtathletikbahn dazu, und dem Rennfahrer Timo Glock werden sie am Rande des Odenwaldes das eigene, längst verdiente Motodrom bauen. Sie sehen, lieber Leser, Darmstadt und Südhessen stehen vor einer großen Zukunft. Sportlich und überhaupt.