http://www.faz.net/-gzg-762if
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 26.01.2013, 19:05 Uhr

Susanne Fröhlich im Porträt Als wäre sie eine Freundin

Susanne Fröhlich ist Fernsehmoderatorin und schreibt Bücher. Bekannt wurde sie vor allem mit dem Diät-Tagebuch „Moppel-Ich“. Die überwiegend weiblichen Leser fühlen sich verstanden von der Frau, die ihnen über ihr Leben viel, aber nicht alles sagt.

von , Frankfurt
© Fricke, Helmut Fernsehkameras lässt sie nicht rein: Susanne Fröhlich in ihrem Haus im Taunus.

Manche, denen dieser Tag bevorsteht, werden traurig und machen kein großes Aufhebens darum. Andere geben ein großes Fest. Susanne Fröhlich hat Freundinnen zu einem Wochenende in Barcelona eingeladen. Morgens waren sie gemeinsam joggen, nachmittags einkaufen und im Museum, und abends sind sie ausgegangen. Ob sie dreißig geworden sei oder vierzig, das sei ihr alles egal gewesen, sagt Fröhlich, „aber fünfzig, das ist speziell“. Definitv nicht mehr jung zu sein bedeute das und auch, dass man nichts aufschieben solle. „Ich möchte nicht später im Altersheim liegen und denken, ach hätte ich doch...“

Jacqueline Vogt Folgen:

Hätte, wäre, wenn, das ist der Dreiklang der Frustration. Die Rundfunkjournalistin, Fernsehmoderatorin und Schriftstellerin kann ihn buchstabieren. Sich von ihm beherrschen zu lassen und geistig zu fliehen aus dem tatsächlichen in ein schöneres Leben, das später stattfindet, vielleicht: das hält sie für eine typische Frauenkrankheit, die entstehen kann aus einem Gefühl der Unzulänglichkeit und aus mangelndem Realitätssinn. Eine Massen-Malaise sei das, ohne die es Schönheitsoperationen nicht geben würde und auch nicht die Diätindustrie. „Wenn ich erst einmal schlank bin, werde ich mir eine tolle Hose kaufen, einen Salsa-Kurs machen und einen Traummann finden.“ So hat Susanne Fröhlich in einem Interview einmal das Aufschieben des Versuchs, glücklich zu werden beschrieben und gesagt, dass das eine tragische Art sei, sich das Dasein zu vermiesen.

Ein arbeitsames, erfolgreiches und glamouröses Leben

In einer Art Grundwiderspruch zu solchen gelassen klingenden Aussagen steht, dass Diät auch eines ihrer Lebensthemen ist. Keines ihrer inzwischen 18 Bücher hat sich so oft verkauft wie das, in dem die Frau mit den immer offenen, welligen blonden Haaren ihren persönlichen Krieg gegen zu viele Pfunde schilderte. „Moppel-Ich“, erschienen 2004, hat sie vom Status einer bekannten in den einer sehr bekannten Frau katapultiert. Für den Verlag, das zu S. Fischer gehörige Haus Krüger, wurde das Buch, von dem schon im ersten halben Jahr 500000 Exemplare verkauft wurden, zum bis dahin erfolgreichsten seiner Geschichte.

Susanne Fröhlich hatte bis zu diesem Zeitpunkt ein arbeitsames, erfolgreiches und in den Grenzen ihres Jobs auch glamouröses Leben geführt: Sie war seit 1988 im Hörfunk des Hessischen Rundfunks Moderatorin des legendären Single-sucht-Partner-Formats „Das Ausgehspiel“. Sie war ein paar Mal Gastgeberin einer TV-Kuppel-Show, sie war verheiratet mit dem Fernsehmann und Grimme-Preisträger Gert Scobel, mit dem sie zwei Kinder hat. Ihr erstes Buch, ein Roman, war 1998 erschienen: In „Frisch gepreßt“, führte sie die Figur Andrea Schnidt ein, eine Frau mit Kind und Mann und Reihenhaus und einem Alltag zwischen Ernst und Surrealismus und zwischen allen Stühlen, die Frauen versuchen können zu besetzen in dem Wunsch, alles richtig zu machen. Andrea Schnidt gibt es noch, sie ist älter geworden. „Lackschaden“ heißt das jüngste Buch, in dem sie vorkommt.

„Moppel-Ich“ hat vieles verändert

Romane zu schreiben falle ihr nicht sehr schwer, sagt Susanne Fröhlich, der Alltag biete so viel Stoff, und letzten Endes schreibe sie auf, was sie höre: die Klagen von Frauen, die arbeiten wollen und der Familie gerecht werden, die Eheszenen und den verbissenen Wettkampf, den Mütter untereinander nicht direkt, sondern über die Kinder austragen, die sie vom Hockeyfeld abholen und beim Klavierlehrer vor der Tür absetzen; Mittelschichts-Geschichten. Einmal hat sie einen Abstecher ins Fassbinderhafte versucht, mit der Schilderung einer durch Kindstod traumatisierten Familie, in der die Mutter ein Verhältnis mit der Putzfrau beginnt („Der Tag, an dem Vater das Baby fallen ließ“). Die Literaturkritik ignoriert die Bücher. Die Leser, die weiblichen zumal, mögen die Autorin wie eine Freundin.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Schwangerschaft und Geburt Schluss mit dem Baby-Gedöns!

Livia Görner ist seit Jahrzehnten Hebamme und will nicht über die besten Kreißsäle oder die Schönheit des Stillens reden. Sie findet: Es gibt andere, echte Probleme. Mehr Von Lucia Schmidt

22.06.2016, 14:24 Uhr | Gesellschaft
Polygamie macht’s möglich Pakistaner mit 35 Kindern will hundertmal Vater werden

Im pakistanischen Quetta lebt Jan Mohammed Childschi mit seinen drei Frauen und 35 Kindern in einer Lehmhütte zusammen - doch der 46-Jährige hat noch viel ambitioniertere Pläne: Er will mindestens hundert Kinder zeugen. Möglich machen das die Polygamie-Gesetze in Pakistan. Mehr

04.06.2016, 17:09 Uhr | Gesellschaft
Zum Tod von Benoîte Groult Feministin wider Willen

Ihr Bestseller Salz auf unserer Haut ist vielen bekannt, aber Benoîte Groult schrieb über viel mehr als sexuelle Befreiung. Sie richtete den Blick stets auf die Frauen. Jetzt ist die französische Schriftstellerin gestorben. Mehr Von Julia Bähr

21.06.2016, 12:54 Uhr | Feuilleton
Krefeld am Niederrhein Mutter soll Kinder aus dem Fenster geworfen haben

Ein Radfahrer habe am frühen Montag Morgen die lebensgefährlich verletzten Kinder im Alter von drei, fünf und sechs Jahren vor dem Haus gefunden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Mehr

13.06.2016, 19:17 Uhr | Gesellschaft
Ein Leben mit Downsyndrom Er ist kein Downie, er ist Mathieu Kneisel

Der neun Jahre alte Mathieu Kneisel hat das Downsyndrom. Seine Eltern entschieden sich gegen Pränataldiagnostik. Und sie würden es wieder so machen. Mehr Von Cornelia von Wrangel

12.06.2016, 15:39 Uhr | Rhein-Main

Der Vorhang geht auf

Von Rainer Hein

Wohin die politische Reise der AfD geht, scheint auch auf regionaler Ebene noch nicht ausgemacht. Darmstadts AfD hat sich wohl auf die Flüchtlingspolitik eingeschossen - samt Panikmache. Mehr 2

Abonnieren Sie unsere Rhein-Main Newsletter

  • Newsletter auswählen

    Newsletter auswählen