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Susanne Fröhlich im Porträt Als wäre sie eine Freundin

 ·  Susanne Fröhlich ist Fernsehmoderatorin und schreibt Bücher. Bekannt wurde sie vor allem mit dem Diät-Tagebuch „Moppel-Ich“. Die überwiegend weiblichen Leser fühlen sich verstanden von der Frau, die ihnen über ihr Leben viel, aber nicht alles sagt.

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Manche, denen dieser Tag bevorsteht, werden traurig und machen kein großes Aufhebens darum. Andere geben ein großes Fest. Susanne Fröhlich hat Freundinnen zu einem Wochenende in Barcelona eingeladen. Morgens waren sie gemeinsam joggen, nachmittags einkaufen und im Museum, und abends sind sie ausgegangen. Ob sie dreißig geworden sei oder vierzig, das sei ihr alles egal gewesen, sagt Fröhlich, „aber fünfzig, das ist speziell“. Definitv nicht mehr jung zu sein bedeute das und auch, dass man nichts aufschieben solle. „Ich möchte nicht später im Altersheim liegen und denken, ach hätte ich doch...“

Hätte, wäre, wenn, das ist der Dreiklang der Frustration. Die Rundfunkjournalistin, Fernsehmoderatorin und Schriftstellerin kann ihn buchstabieren. Sich von ihm beherrschen zu lassen und geistig zu fliehen aus dem tatsächlichen in ein schöneres Leben, das später stattfindet, vielleicht: das hält sie für eine typische Frauenkrankheit, die entstehen kann aus einem Gefühl der Unzulänglichkeit und aus mangelndem Realitätssinn. Eine Massen-Malaise sei das, ohne die es Schönheitsoperationen nicht geben würde und auch nicht die Diätindustrie. „Wenn ich erst einmal schlank bin, werde ich mir eine tolle Hose kaufen, einen Salsa-Kurs machen und einen Traummann finden.“ So hat Susanne Fröhlich in einem Interview einmal das Aufschieben des Versuchs, glücklich zu werden beschrieben und gesagt, dass das eine tragische Art sei, sich das Dasein zu vermiesen.

Ein arbeitsames, erfolgreiches und glamouröses Leben

In einer Art Grundwiderspruch zu solchen gelassen klingenden Aussagen steht, dass Diät auch eines ihrer Lebensthemen ist. Keines ihrer inzwischen 18 Bücher hat sich so oft verkauft wie das, in dem die Frau mit den immer offenen, welligen blonden Haaren ihren persönlichen Krieg gegen zu viele Pfunde schilderte. „Moppel-Ich“, erschienen 2004, hat sie vom Status einer bekannten in den einer sehr bekannten Frau katapultiert. Für den Verlag, das zu S. Fischer gehörige Haus Krüger, wurde das Buch, von dem schon im ersten halben Jahr 500000 Exemplare verkauft wurden, zum bis dahin erfolgreichsten seiner Geschichte.

Susanne Fröhlich hatte bis zu diesem Zeitpunkt ein arbeitsames, erfolgreiches und in den Grenzen ihres Jobs auch glamouröses Leben geführt: Sie war seit 1988 im Hörfunk des Hessischen Rundfunks Moderatorin des legendären Single-sucht-Partner-Formats „Das Ausgehspiel“. Sie war ein paar Mal Gastgeberin einer TV-Kuppel-Show, sie war verheiratet mit dem Fernsehmann und Grimme-Preisträger Gert Scobel, mit dem sie zwei Kinder hat. Ihr erstes Buch, ein Roman, war 1998 erschienen: In „Frisch gepreßt“, führte sie die Figur Andrea Schnidt ein, eine Frau mit Kind und Mann und Reihenhaus und einem Alltag zwischen Ernst und Surrealismus und zwischen allen Stühlen, die Frauen versuchen können zu besetzen in dem Wunsch, alles richtig zu machen. Andrea Schnidt gibt es noch, sie ist älter geworden. „Lackschaden“ heißt das jüngste Buch, in dem sie vorkommt.

„Moppel-Ich“ hat vieles verändert

Romane zu schreiben falle ihr nicht sehr schwer, sagt Susanne Fröhlich, der Alltag biete so viel Stoff, und letzten Endes schreibe sie auf, was sie höre: die Klagen von Frauen, die arbeiten wollen und der Familie gerecht werden, die Eheszenen und den verbissenen Wettkampf, den Mütter untereinander nicht direkt, sondern über die Kinder austragen, die sie vom Hockeyfeld abholen und beim Klavierlehrer vor der Tür absetzen; Mittelschichts-Geschichten. Einmal hat sie einen Abstecher ins Fassbinderhafte versucht, mit der Schilderung einer durch Kindstod traumatisierten Familie, in der die Mutter ein Verhältnis mit der Putzfrau beginnt („Der Tag, an dem Vater das Baby fallen ließ“). Die Literaturkritik ignoriert die Bücher. Die Leser, die weiblichen zumal, mögen die Autorin wie eine Freundin.

„Moppel-Ich“ hat vieles verändert in Susanne Fröhlichs Leben. Die Verfasserin dieses Tagebuchs einer Diät, über das viele Frauen lachen konnten, weil sie sich darin erkannt haben (Wer ist denn die Dicke, die immer auf den Familienfotos dabei ist?) durfte hier und da und dort erzählen, wie schwer es ist, leichter zu werden und wie schön, wenn es geschafft ist. Eine Welle der Sympathie trug sie durch Talkshows und Frauenmagazine. Und wie jede Welle abebbt, nachdem sie ihren Höhepunkt erreicht hat, so auch diese. „Susanne Fröhlich: schwerer Mampf-Rückfall“ titelte eines Tages im Jahr 2005 die Bild-Zeitung und zeigte ein Party-Foto zum Beweis. Zwei Jahre später war Fröhlich Gast in der ZDF-Sendung „Wetten, dass?“, mit der Schauspielerin Christine Neubauer. Die beiden warben für den Film, der nach „Moppel-Ich“ gedreht worden war, mit Neubauer in der Hauptrolle. Thomas Gottschalk, lachend, aber unerbittlich, zwang die Frauen, sich gemeinsam auf eine Waage zu stellen und rief das Ergebnis laut hinaus. Fröhlich verarbeitete dann den Jojo-Effekt und die zum Teil hämischen Kommentare, die ihr dafür entgegenschlugen, wieder schriftlich: 2010 erschien „Und ewig grüßt das Moppel-Ich“.

Das Gewicht ist alles, was zählt

Ihr Gewicht und seine publizistische Aufbereitung haben sie zu einer der meistgelesenen Autorinnen des deutschsprachigen Raumes und finanziell ziemlich unabhängig gemacht. Sie liebt unkonventionelle Kleidung in einem rockigen Stil und teure Handtaschen. Sie arbeitet viel und tut vieles, aber wenn sie interviewt wird, geht es immer ums Abnehmen und Aussehen, das ist Fluch und Segen zugleich. „Ich könnte den Nobelpreis bekommen oder Kanzlerin werden, das einzige, was interessiert, ist, ob ich zehn Kilo zugenommen habe“, so hat sie das vor ein paar Jahren kommentiert. Sie sei nicht bereit, sich an einem Ideal abzuarbeiten, sagt sie heute. Man müsse sich wohlfühlen in der eigenen Haut, das ist jetzt ihre Botschaft.

Susanne Fröhlich ist ein sportlicher, naturverbundener Mensch, der Herausforderungen liebt. Sie war in Kanada zum Eisklettern, sie joggt (schon immer), macht Yoga (neuerdings, auch darüber gibt es ein Buch), im Winter schnallt sie die Langlaufskier an und zieht Spuren durch die Wälder, ihr Hund läuft neben ihr her. Sie hat große, gemütliche Wohnräume mit vielen Büchern in Regalen, auf Treppenstufen und Sofas und Tischen, sie hat einen riesigen Fernseher und Stapel von Filmen. Sie liebt Online-Shopping; „der Paketbote ist ein sehr guter Bekannter“, sagt sie.

Ungeduldig und großherzig

Sie kann sich vieles leisten, auch geistige Unabhängigkeit. Sie sagt, was sie denkt und tut nichts, was sie nicht will. Der Boulevard mag sie und ist fast immer freundlich zu ihr, obwohl sie seine Spielregeln nicht mitspielt. Es gibt keine Homestorys mit Susanne Fröhlich, wenn ein Fernsehsender bei ihr drehen will, sagt sie nein. Sie schiebt ihren Sohn und ihre Tochter nicht ins Rampenlicht. Als sie und Gert Scobel sich trennten, bekam das drei Jahre lang außer Nahestehenden niemand mit; bis heute gibt es dazu keine öffentlichen Äußerungen, die mehr sind als „Wir hatten wunderbare Jahre zusammen.“

Wenn sie auftritt, ist Susanne Fröhlich witzig und schnell und schlagfertig und hat die Gabe, im Handumdrehen für sich einzunehmen. Freunde beschreiben sie als rasch ungeduldig, heben ihre Großherzigkeit hervor und ihre Großzügigkeit. Die zeigt sie auch Fremden. An einem späten Winterabend kurz vor Weihnachten drängt sich in einem proppenvollen Ecklokal im Frankfurter Nordend ein Mann bis an den Tisch, an dem Fröhlich mit anderen Frauen sitzt. Er beugt sich zu ihr, bewegt den Arm, als wolle er den Vorhang aus Lärm beiseite schieben, spricht auf sie ein. Fröhlich sieht auf, ein kurzer, freundlicher Wortwechsel. Sie verstehe das, sagt sie später, sie meine auch mitunter Leute zu kennen, die ihr nur auf dem Bildschirm oder auf der Leinwand begegnet seien. Großzügig ist sie auch, wenn sie nach einer ihrer Lesungen im Kontakt mit ihren Fans ist. Sie signiert dann Bücher, ohne auf die Uhr zu gucken, und wenn sie angesprochen wird, ob sie sich für ein Erinnerungsbild fotografieren lasse, sagt sie immer ja. Sie steht auf und stellt sich hin und wieder anders hin, danke, gerne. Sie mag es mit anderen zu sprechen, sie ist gr0ßgewachsen und hat eine durchsetzungsfähige Stimme, setzt sie auch ein. Es gibt Leute, auch Journalisten, die nennen Susanne Fröhlich, wenn sie freundlich sind, anstrengend, und wenn sie weniger freundlich sind, eine nervtötende Quasselstrippe. „Tatsächlich bin ich ziemlich nett“, sagt sie von sich.

Selbstbewusst dank fröhlicher Kindheit

Heusenstamm, Haus des Deutschen Anwaltsinstituts, im November, ein Abend zum Thema „starke Frauen“. Susanne Fröhlich liest, eine Jugendliche musiziert. Im Saal sind 500 Leute. Nach der Pause findet eine Diskussion auf der Bühne statt. Neben Fröhlich sitzt die Schauspielerin Gabriele Metzger, die in der ARD-Vorabendserie „Verbotene Liebe“ die Bistrobesitzerin Charlie Schneider spielt. Es soll um Frauenfragen gehen. Ein pensionierter Fernsehjournalist moderiert, der Ton ist gönnerhaft: Ist Angela Merkel ein Vorbild? Damit die Sache in Schwung gerät, sagt Fröhlich erst einmal ihre Meinung. „Wir sind ein Land, in dem Frauen für die gleiche Arbeit 20 Prozent weniger verdienen als Männer. Warum? Weil sie kleinere Hände haben?“ Damit es nicht langweilig wird, schiebt sie hinterher, dass sie gegen das Betreuungsgeld ist und für die Quote. Das Publikum, Frauen und Männer, klatscht begeistert.

Susanne Fröhlich ist selbstbewusst auf die Art, die ihre Wurzeln in einer glücklichen Kindheit hat. Sie kam am 15. November 1962 im Frankfurter Marienkrankenhaus auf die Welt. Der Arzt, der die Mutter entband, war der Großonkel der Neugeborenen. Fröhlich wuchs auf im Stadtteil Sachsenhausen. Die Familie lebte in einer großzügigen Altbauwohnung an der Gartenstraße. Der Vater war Notar, die Mutter kümmerte sich um die drei Kinder, alles Mädchen. Ihre Spielplätze waren die Ufer des Mains und die Gärten der umliegenden Museen; im Hintertaunus besaß die Familie ein Wochenendhaus.

Ein Job, bei dem sie ihr Mundwerk einsetzen kann

Die Mutter war liebevoll, aber streng - und stilbewusst. Die Kinder trugen weiße und dunkelblaue Kleider und im Sommer ein Sandalen-Modell, das es in eleganten Schuhhäusern immer noch zu kaufen gibt. „In Sandalen durften wir keine Strümpfe tragen, das hat mich geprägt“, sagt Fröhlich. Anderes, sagt sie, habe sie nicht übernommen, zum Beispiel die Sehnsucht, ein immer aufgeräumtes Haus zu haben. Und die Gabe der Mutter, mit wenigen Handgriffen Gegenstände in der Wohnung schön zu arrangieren, habe sich auch nicht vererbt.

Nach dem Abitur studierte Fröhlich Jura. Der Vater hatte ihr abgeraten, aber sie glaubte, das Richtige zu tun. Nach vier Semestern merkte sie, dass sie falsch lag. Diesmal nahm sie den Rat des Vaters an. In einem Brief hatte er ihr geschrieben, sie solle sich doch etwas suchen, wo sie ihr Mundwerk einsetzen könne. Sie machte dann ein Volontariat beim Hessischen Rundfunk, wurde anschließend feste freie Mitarbeiterin und erhielt eine Verdienstpauschale; so lange, bis sie diesen Status nicht behalten konnte, weil ihre anderweitigen Tätigkeiten zu viele und die Einnahmen daraus zu hoch wurden. Wenn sie es noch einmal zu tun hätte, würde sie das Studium wahrscheinlich beenden, meint sie, auch wenn sie den Ausstieg nicht bereue. „Ich war glücklich beim HR.“ Heute moderiert sie unter anderem die Sendung „Fröhlich lesen“ im MDR-Fernsehen. Sie wohnt im Taunus, ihre Schwestern sieht sie regelmäßig, sie könnte nicht leben ohne ihre Familie und ihre Freundinnen. Sie sagt, sie sei treu und loyal, „und ansonsten bin ich gerne unabhängig.“

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Jahrgang 1962, Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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