Home
http://www.faz.net/-gzg-75upg
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Supermarkt für Veganer eröffnet Wurst-Ersatz und Soja-Milchkaffee

Fleischlose Premiere: In Frankfurt hat der erste Supermarkt für Veganer in Hessen eröffnet. Die Produkte enthalten keinerlei tierische Erzeugnisse wie Milch, Eier oder Fleisch. Das Geschäft ist bundesweit erst das zweite seiner Art.

© dpa Vergrößern Zahlreiche Alternativen: Sogar Scampis und Ente aus rein pflanzlichen Zutaten gibt es in dem neuen veganen Supermarkt in Frankfurt.

Jetzt ist der Prenzlauer Berg von Frankfurt, das Nordend, komplett. Das Vorzeigeviertel, in dem alle wohnen wollen, weil es dort so schöne Läden, Altbau-Wohnungen und Cafés gibt, hat seit gestern einen veganen Supermarkt - und damit eine Versorgungslücke geschlossen, die alle, die keine Eier, keine Butter, kein Fleisch, keine Milch und damit auch keinen Käse essen mögen, als eklatant groß empfunden haben. Im Internet und in Bio-Supermärkten mussten sich Leute, die aus ethischen oder gesundheitlichen Gründen oder weil es einfach schick ist, auf Tierisches verzichten, ihr Essen bisher zusammensuchen. Jetzt habe sie „endlich eine Anlaufstelle“, stellt eine Kundin am Eröffnungstag zufrieden fest.

Petra Kirchhoff Folgen:  

Veganz, wie der 200 Quadratmeter große Markt heißt, liegt direkt hinter dem „Bernemer Wurstmax“, einem festen Imbiss-Rondell, dessen Würstchenduft die fleischlose Premiere gestern jedoch nicht weiter störte. Schon in den Morgenstunden ist der Laden, im dem zuvor die Drogeriekette Schlecker Mieter war, gut gefüllt. Auf den ersten Blick sieht es hier nicht anders aus als in einem normalen Bio-Supermarkt: aufgeräumt und freundlich, mit einer Abteilung für Obst und Gemüse, einem Backshop mit Brot und Kuchen, mit Kühltheke, Trockensortiment, Tiernahrung und Kosmetik. Der Unterschied wird dann deutlich, wenn es um die Alternativen zu Fleisch, Käse und Kuhmilch geht. Der vegane Ersatz besteht aus Stärke, Eiweiß und Soja. Milchgetränke werden aus Hafer, Gerste, Reis, Kokos, Mandeln oder Soja hergestellt.

Zwei Drittel des Sortiments führe der Laden exklusiv

Das muss man mögen, zum Beispiel im Milchkaffee. Eine Sorte Käse-Ersatz („auf der Basis von Pflanzenöl“) mit eingedicktem Gemüse wird herumgereicht. Die Scheiben sehen aus wie Scheibletten-Schmelzkäse, schmecken aber noch weniger nach Käse als diese. Eine Kundin ist begeistert, als sie eine Tüte mit geriebenem Käse-Ersatz einer bestimmten Marke sieht. „Der ist super, der schmilzt richtig auf Aufläufen.“ Den gebe es sonst nur in Amerika oder im Internet.

Zwei Drittel des Sortiments führe Veganz exklusiv, sagt Jan Bredack, Gründer der Vegan OHG mit Sitz in Berlin. „Die gibt es nur bei uns.“ In der Hauptstadt hat er 2011 seinen ersten Veganz-Supermarkt eröffnet, der Frankfurter Markt ist die Nummer zwei. Wettbewerber gibt es bisher nicht. Zweieinhalb Jahre hat der ehemalige Vertriebsleiter bei Daimler-Benz mit zwei Mitstreitern die Welt bereist, um Hersteller und Lieferanten aufzutreiben. „Wir müssen unsere Produkte auf der ganzen Welt zusammenklauben.“ Für die Umweltbilanz spiele der Transport aber nur eine geringe Rolle, meint er.

Mehr zum Thema

Der Einkauf ist die größte Herausforderung für das Unternehmen, das sich vor allem über private Investoren finanziert. Immerhin, im ersten Veganz-Jahr in Berlin wurden 1,5 Millionen Euro umgesetzt und schwarze Zahlen geschrieben. Das habe die Erwartungen „bei weitem übertroffen“, sagt Bredack. Und Veganz (Motto: „Wir lieben Leben“) hat noch viel vor. Dieses Jahr sollen Filialen in Hamburg, Leipzig, Stuttgart, München, Wien und Zürich folgen. „Vegan ist das neue Bio“, meint Bredack.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kochbuchkolumne Esspapier Der Wirsing und seine Brüder

Die Schweizerin Meret Bissegger hat ein Buch über Gemüseküche für Herbst und Winter veröffentlicht. Es bietet Rezepte, die einmal mehr staunen lassen, was sich mit einfachem Gemüse alles machen lässt. Mehr Von Jürgen Dollase

23.10.2014, 15:07 Uhr | Feuilleton
Ein Trend und seine Profiteure

Man kann Veganer merkwürdig oder schrullig finden, aber eines kann man nicht - sie ignorieren. Denn dazu sind sie mittlerweile zu präsent. Der Trend zum Verzicht aufs Tierische wächst und wird somit zum Wirtschaftsfaktor. Mehr

26.09.2014, 15:49 Uhr | Wirtschaft
Neues aus dem Frankfurter Geschäftsleben Bequeme Schuhe und Outlets auf dem Vormarsch

Die Berliner Straße ist in Bewegung: Birkenstock und Berkemann brauchen mehr Platz. Im Nordwestzentrum und anderswo greift die Schnäppchen-Mentalität weiter um sich. Mehr Von Petra Kirchhoff

14.10.2014, 13:08 Uhr | Rhein-Main
Erste Folgen der Sanktionen spürbar

Der Streit über die Ukraine entwickelt sich zu einem Handelskrieg. Weder Gemüse, noch Fleisch, Fisch oder Milchprodukte darf der Westen zukünftig nach Russland verkaufen. Mehr

08.08.2014, 12:02 Uhr | Wirtschaft
Delikatessen aus dem Eisacktal Sushikäse aus Südtirol

Im Eisacktal, einem der Haupttäler Südtirols, werden dank experimentierfreudiger Food-Pioniere nicht mehr nur Spinatknödel aufgetischt. Und an den Hängen gibt es so manche Pflanze, die man dort nicht vermutet. Mehr Von Julia Stelzner

15.10.2014, 16:47 Uhr | Stil
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 19.01.2013, 11:00 Uhr

Abschied von der Taktik

Von Stefan Toepfer

Viel Misstrauen hat sich im Bistum Limburg aufgetürmt. Auch wenn ein Vertrauensaufbau zwischen den Limburgern und ihrer Diözese wichtig ist, müssen allmählich strategische Entscheidungen her. Mehr 1