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Veröffentlicht: 05.11.2012, 23:23 Uhr

Studentenjobs Nach der Vorlesung zum Pflegedienst

Viele Studenten müssen arbeiten, weil sie Geld brauchen. Manche versuchen aber auch, im Nebenjob Erfahrungen für den künftigen Beruf zu sammeln.

von Miriam Weyl
© Wresch, Jonas Balanceakt: Kim Groß kann den Job als Service-Mitarbeiterin in einem Hotel gut mit dem Studium vereinbaren

Geschickt balanciert Kim Groß das breite Frühstückstablett mit dampfendem Kaffee und frischen Brötchen die Treppe hinauf. Es ist sieben Uhr morgens, und die 23 Jahre alte Studentin ist putzmunter. Seit fünf Uhr ist sie auf den Beinen und richtet das Frühstück für die Gäste des Hotels Dirazi in Frankfurt. „Das ist genau der richtige Job für mich“, sagt sie und lacht. „Ich arbeite früh morgens, und wenn ich hier aus der Tür gehe, liegt der Tag noch vor mir.“ Sie wüsste sonst nicht, wie sie die Uni und ihre Hobbys Kickboxen und Tai Chi unter einen Hut bringen sollte. Außerdem lerne sie Disziplin fürs spätere Arbeitsleben.

Laut dem Deutschen Studentenwerk haben rund 66 Prozent der mehr als zwei Millionen Studierenden in Deutschland einen Nebenjob. „Die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge haben die finanzielle Lage der Studierenden noch verschärft“, sagt ein Sprecher des Dachverbands der Studentenwerke. Einer von drei Studierenden gebe an, ohne Job nicht studieren zu können - „Tendenz steigend“. Die meisten finden ihre Nebenbeschäftigung über das Internet. „Bei uns kommt keiner mehr persönlich vorbei, um zu fragen, ob wir ihm etwas vermitteln können“, sagt eine Sprecherin des Studentenwerks Frankfurt. Derzeit stünden fast 90 Angebote auf der Homepage. Wie viele Jobs davon letztlich vergeben würden, darüber habe man keinen Überblick.

Nachhilfe zum Geldverdienen

Auch Lutz Fleischauer hat seinen Job auf der Seite des Studentenwerks Frankfurt gefunden. Der 21 Jahre alte Biologiestudent gibt Mathematik- und Chemienachhilfe im Lernstudio Barbarossa. „Der Job macht Spaß, vor allem, wenn einer meiner Schüler eine gute Note geschrieben hat.“ Trotzdem geht es Fleischauer in erster Linie ums Geldverdienen. Er bekomme 597 Euro Bafög im Monat - den Höchstsatz, wie er sagt.

Rund 47.000 Studenten in Hessen haben im vergangenen Jahr diese staatliche Unterstützung bezogen, wie das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst mitteilt. Im Schnitt stehen Studierenden nach Angaben des Deutschen Studentenwerks 812 Euro im Monat zur Verfügung. „Geld für Klamotten, Urlaub, Ausgehen, das summiert sich“, sagt Fleischauer. Deshalb sei er froh über den Nachhilfejob. Als Lehrer arbeiten will er aber auf keinen Fall. Eines habe ihm die Nachhilfe klargemacht: Er sei viel zu ungeduldig, um Kindern jeden Tag etwas zu erklären.

1500 Aufträge monatlich

Die Möglichkeit, auch auf dem Gebiet Erfahrungen zu sammeln, auf dem man später arbeiten möchte, bietet das Portal „mylittlejob.de“. „Bei uns können die Studenten das machen, worin sie sich auskennen“, sagt Geschäftsführer Marlon Litz-Rosenzweig. Die rund 1500 Aufträge, die ihr Startup-Unternehmen monatlich vermittele, könnten alle am PC erledigt werden. Jeder, der sich für das Jobportal anmelde, müsse einen Aufnahmetest machen und seine Studienfächer angeben. „Entsprechend ihrer Qualifikation bieten wir den Studenten dann Jobs an.“ Sozialwissenschaftler könnten Analysen betreiben, Informatikstudenten Programme schreiben und Germanistikstudenten eine Produktbeschreibung anfertigen. „So kann man schon einmal für den späteren Job Referenzen sammeln“, meint Litz-Rosenzweig.

Vanessa Manger kann für ihre spätere Arbeit schlecht am Computer trainieren,. Sie möchte mit behinderten Jugendlichen arbeiten. „Meine Eltern sind beide in der Pflege tätig, deshalb lag dieser Berufswunsch für mich nahe“, erzählt sie. Die 20 Jahre alte Frau studiert an der Goethe-Universität Erziehungswissenschaften im dritten Semester. Momentan betreut sie einmal in der Woche eine behinderte Frau. „Von halb sieben abends bis sieben Uhr morgens bin ich bei ihr in der Wohnung“, berichtet Manger. Die Studentin schläft dort auf dem Sofa. Wenn die Frau sie braucht, läutet sie mit einer Glocke. Manchmal spielen sie vor dem Zubettgehen auch ein Brettspiel.

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Nur ein gemeinsames Abendessen ist nicht möglich: Die Behinderte wird über eine Sonde ernährt. „Am Anfang war die Arbeit für mich belastender, als ich angenommen hätte“, sagt Manger. Trotzdem zeige ihr diese Tätigkeit, dass die Behindertenbetreuung genau das Richtige für sie sei. Auf den Lohn sei sie nicht angewiesen. Sie wohne in einer Eigentumswohnung und bekomme Geld von den Eltern.

Kellnern immer noch weit verbreitet

Etwa 87 Prozent der Studenten werden laut dem Deutschen Studentenwerk finanziell von ihren Eltern unterstützt. Trotzdem jobbe mehr als die Hälfte von ihnen im Durchschnitt 13,5 Stunden in der Woche. Das klassische Kellnern ist immer noch weit verbreitet, wie das Studentenwerk Frankfurt berichtet. Eine Anzeige aus der Gastronomiebranche im Raum Frankfurt werde rund 500 Mal angeklickt.

„Es ist super mit den Vorlesungen zu vereinbaren, wenn man nur abends oder am Wochenende arbeitet“, meint Tobias Wunderlich, „aber die vielen betrunkenen Kunden sind mir irgendwann zu viel geworden.“ Der Student hat lange in einer Bar gearbeitet und sich vergangene Woche als Schuhverkäufer beworben. Das sei zwar kein Traumjob und Mode für ihn ein fremdes Terrain. „Aber was soll ich machen, ich bin noch jung und brauche das Geld.“

Nebenjobs im Netz Studierende finden das Internetangebot des Studentenwerks Frankfurt unter der Adresse http://stellenmarkt.studentenwerkfrankfurt.de. Wer sich für Arbeitsaufträge von zuhause aus registrieren möchte, kann dies auf der Seite http://mylittlejob.de tun. Für die Anmeldung wird allerdings eine gültige Anmeldung an einer Universität oder Fachhochschule benötigt. Auch die Agentur für Arbeit bietet auf ihrer Internetseite Nebenjobs für Studenten an. Die Adresse lautet http://jobboerse.arbeitsagentur.de. (miwe.)

Quelle: F.A.Z.

 

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