Home
http://www.faz.net/-gzg-7705w
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 17.02.2013, 17:22 Uhr

Studenten im Sigmund-Freud-Institut Neue Besetzung nach Ivi-Urteil

Die Studenten, die am Samstagabend das vorübergehend leerstehende Sigmund-Freud-Institut an der Myliusstraße besetzt haben, wollen keinen Ärger. „Wir werden gehen, wenn die Polizei uns dazu auffordert“, hieß es von den Besetzern.

© Bernd Kammerer Umgezogen: Studenten verlassen das Ivi.

Die Studenten, die am Samstagabend das vorübergehend leerstehende Sigmund-Freud-Institut an der Myliusstraße besetzt haben, wollen keinen Ärger. „Wir werden gehen, wenn die Polizei uns dazu auffordert“, hieß es von den Besetzern. Man wolle in den Räumen nichts zerstören und das Gebäude nach der „Zwischennutzung“ an seine Besitzer zurückgeben.

Denise Peikert Folgen:

Die Aktion richtet sich gegen das Urteil des Landgerichts vom Freitag, nach dem das „Institut für vergleichende Irrelevanz“ (Ivi) am Kettenhofweg geräumt werden darf. Noch am Samstagabend verhandelten die Besetzer des Sigmund-Freud-Instituts mit der Polizei und der Stiftung, die in dem Haus nach dessen Umbau weiter das Forschungsinstitut für Psychoanalyse betreiben will. Das Ergebnis: Die Studenten dürfen zunächst bis Samstag bleiben. Nach dem Vorbild des Ivi wollen sie verschiedene Veranstaltungen abhalten, darunter Vorträge zur kritischen Psychologie.

400 Menschen protestierten

Rolf Haubl, geschäftsführender Direktor des Sigmund-Freud-Instituts, sagte gestern, er wolle eine Eskalation verhindern. Deshalb habe man einer vorübergehenden Nutzung des Gebäudes als „alternative Uni“ zugestimmt. Haubl hat mit den Studenten eine Hausordnung abgestimmt, nach der diese keine Partys feiern und nur bestimmte Räume nutzen dürfen. „Ich hätte mich nicht darauf eingelassen, wenn dort gewaltbereite Chaoten eingezogen wären“, sagte Haubl.

Die Aktivisten führten mit der Besetzung des Instituts ihren Protest vom Freitagabend fort. Rund 400 Menschen waren nach dem Ivi-Urteil vom Campus Bockenheim zu dem Haus am Kettenhofweg gezogen. Bei der Demonstration wurde laute Musik gespielt, die Stimmung war nach übereinstimmenden Aussagen von Polizei und Demonstranten friedlich. Im Anschluss an die Proteste seien einige Fensterscheiben von Häusern an der Bockenheimer Landstraße eingeworfen worden, sagte ein Polizeisprecher.

„Scheinbesetzung“

Ebenfalls aus Protest gegen das Ivi-Urteil und die „Privatisierung des öffentlichen Raums“ hatten Unbekannte am Freitagabend im Internet verbreitet, ein Haus an der Schumannstraße und Gebäude des ehemaligen Bio-Campus im Westend für einige Stunden besetzt zu haben. Bei den Aktionen handelte es sich jedoch um „Scheinbesetzungen“, bei denen lediglich Transparente von außen an den Gebäuden angebracht worden sind.

Aus dem Ivi am Kettenhofweg haben die Studenten inzwischen ihre Musikanlage und Bücher herausgetragen. Die Aktivsten rechnen damit, dass das Haus bald geräumt wird. Die Immobilienfirma Franconofurt AG, die das Gebäude 2012 für etwas mehr als eine Million Euro von der Universität gekauft und am Freitag den Räumungstitel gegen die Besetzer erwirkt hatte, will nach eigenen Angaben aber nicht sofort polizeilich räumen lassen. Zunächst wolle man noch einmal versuchen, mit den Besetzern zu verhandeln.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Vergewaltigungsvorwürfe Kein Sex ohne Yes

Jede fünfte Studentin wird auf dem Campus sexuell genötigt, sagt das Weiße Haus. Die amerikanischen Hochschulen sollen erledigen, was der Strafjustiz selten gelingt: Vergewaltiger aus dem Weg schaffen. Doch sie tun sich schwer. Mehr Von Andreas Ross

30.01.2016, 09:05 Uhr | Politik
Proteste Miliz besetzt Nationalpark-Gebäude in Oregon

Es ist ein ziemlich radikales Vorgehen, mit denen diese Bürger in Oregon ihre Forderungen durchsetzen wollen. Angehörige einer Miliz haben das Hauptquartier des Malheur Nationalparks besetzt. Aus Protest gegen die Strafverfolgung zweier Rancher. Die beiden Männer sollen wegen Brandstiftung ins Gefängnis. Mehr

27.01.2016, 08:29 Uhr | Politik
Bundesweit einmalig Modellprojekt für traumatisierte Flüchtlinge

Mit dem Programm Step-by-Step kümmert sich das Land fortan gemeinsam mit dem Sigmund-Freud-Institut um traumatisierte Flüchtlinge. Laut Minister Grüttner hat es bundesweit Pilotfunktion. Mehr

28.01.2016, 13:47 Uhr | Rhein-Main
Naturpark in Oregon Miliz-Anführer festgenommen

Im amerikanischen Bundesstaat Oregon ist der Anführer der Miliz festgenommen worden, die seit mehreren Wochen ein Besucherzentrum in einem Nationalpark besetzt hat. Bei einer Verkehrskontrolle soll es zu einem Schusswechsel mit der Polizei gekommen sein. Ein Mensch kam dabei ums Leben. Mehr

27.01.2016, 12:45 Uhr | Gesellschaft
Kurdische Universität Dohuk Aufbruch im Schatten des Krieges

Im kurdischen Teil des Iraks liegt nicht alles in Trümmern. An der erstaunlich modernen Universität von Dohuk plant man mit deutscher Hilfe den Wiederaufbau. Mehr Von Einhard Schmidt-Kallert

10.02.2016, 15:16 Uhr | Feuilleton

Um die Würstchen

Von Matthias Alexander

Wer möchte, dass es gelegentlich auch Würstchen mit Schweinfleisch gibt, die in der Tat vielen Kindern besonders gut schmecken, der sollte sich dafür in der betreffenden Einrichtung einsetzen. Unter mündigen Bürgern wird sich eine Lösung finden. Mehr 20

Abonnieren Sie unsere Rhein-Main Newsletter

  • Newsletter auswählen

    Newsletter auswählen