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Flugbegleiter : Nebenjob in Uniform

  • -Aktualisiert am

Immer unterwegs: Ann-Kristin Schwenger studiert in England Humanbiologie und arbeitet von Frankfurt aus als Stewardess für die Lufthansa. Mit den ständigen Ortswechseln kommt sie inzwischen gut zurecht, wie sie sagt. Bild: Marcus Kaufhold

Unternehmen wie Lufthansa werben mit speziellen Modellen um Studenten. Doch als Flugbegleiter sein Geld für das Studium zu verdienen macht Freude, erfordert aber auch viel Disziplin.

          Kellnern, im Supermarkt kassieren oder Flugzettel verteilen - für Ann-Kristin Schwenger kommen diese Nebenjobs nicht mehr in Frage. Von montags bis freitags forscht die Studentin im Labor der Universität in der englischen Stadt Salford, wo sie Humanbiologie und Infektionskrankheiten im fünften Semester studiert. Am Wochenende tauscht sie den Laborkittel gegen eine Flugbegleiteruniform und fliegt von Frankfurt aus durch die Welt.

          Schwenger gehört zu den Studenten, die nebenbei als Flugbegleiter arbeiten. Finanziell ist dieser Nebenjob attraktiv. Ein Flugbegleiter, der etwas weniger als Vollzeit arbeitet, bekommt ein Grundgehalt von ungefähr 1900 Euro. Inklusive Spesen beträgt das durchschnittliche Gehalt rund 2400 Euro. Viele studierende Flugbegleiter haben aber Schwierigkeiten, ihr Studium zu meistern.

          Kollegen rieten zu „Backup-Plan“

          Die Lufthansa stellt gerne Studenten ein. Vor drei Jahren hat die Fluggesellschaft ein neues Teilzeitmodell eingeführt, bei dem die Mitarbeiter ganzjährig beschäftigt sind, jedoch nur sechs Monate im Sommer arbeiten und von Oktober bis März freihaben. Lufthansa warb: „Speziell Studenten oder jungen Berufseinsteigern bietet das neue Jahreszeitenarbeitsmodell eine ideale Möglichkeit, für eine unbestimmte Zeit als Flugbegleiter zu arbeiten.“

          Auch die Lufthansa-Tochter Germanwings warb Anfang dieses Jahres für ein „Semester über den Wolken“. Außerdem heißt es von der Lufthansa: „Um den saisonal erhöhten Personalbedarf zu decken, beschäftigen wir auch gerne Studenten. Wir profitieren davon, Personen mit Erfahrungen in verschiedenen Gebieten an Bord zu haben.“ Jemand, der Medizin studiert, kann zum Beispiel bei gesundheitlichen Notfällen an Bord aushelfen.

          Die Idee, dass Ann-Kristin Schwenger als Flugbegleiterin arbeiten könnte, hatte ihr Vater, der durch eine Stellenanzeige in der Zeitung auf den Beruf aufmerksam wurde. Nach ihrem Abitur vor fünf Jahren bewarb Ann-Kristin sich bei Lufthansa und arbeitete dort nach einem zwölfwöchigen Lehrgang in Vollzeit. Viele ihrer Kollegen rieten ihr, noch eine Ausbildung oder Ähnliches zu machen, um einen „Backup-Plan“ zu haben. Ihr Traum war es schon immer gewesen, in England zu leben. Mit einem Freund erkundigte sie sich, welche Studiengänge dort angeboten werden, und entschied sich für Humanbiologie und Infektionskrankheiten.

          Keinen Einfluss auf den Dienstplan

          Für ihr Studium zog sie vor drei Jahren nach Manchester. Seit zweieinhalb Jahren arbeitet Ann-Kristin Schwenger „50 Prozent“ bei Lufthansa und studiert in ihrer Freizeit. „Es nimmt natürlich viel Zeit in Anspruch, vor jedem dienstlichen Flug von Manchester nach Frankfurt zu fliegen. Meistens komme ich einen Tag früher und übernachte bei meiner Familie in Mainz.“ Bisher hat es aber immer geklappt. Inzwischen kann sie sich nicht vorstellen, auf das Fliegen oder Studieren zu verzichten.

          Für Studenten, die neu einsteigen, ist die Kombination von Fliegen und Studieren eine größere Herausforderung. Lena Mayer, die auch als Flugbegleiterin arbeitet, hatte besonders in der Probezeit, also den ersten sechs Monaten, Probleme, Studium und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Als sie vor einem Jahr als Flugbegleiterin in Vollzeit bei der Lufthansa angefangen hat, stand sie gerade kurz vor ihrem Studienabschluss. „In der Probezeit hat man noch keinen Einfluss auf seinen Dienstplan. Ein Studium mit Anwesenheitspflicht wäre nicht zu schaffen“, berichtet Mayer, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie habe sich immer gesagt, dass ihr Studium vorgehe, andernfalls hätte sie es nicht geschafft, ihr Bachelorstudium zu beenden.

          „Ganz ohne geht es nicht“

          Nach der Probezeit ist es möglich, den Dienstplan zu „requesten“, sich also bestimmte Flüge oder freie Tage zu wünschen. Allerdings steht den Mitarbeitern monatlich nur eine bestimmte Anzahl der „Requests“ zur Verfügung, und es ist nicht garantiert, dass alle im Dienstplan umgesetzt werden. Der Nebenjob Flugbegleiter bringt auch Vorteile mit sich: In kaum einem anderen Beruf ist man nach der Probezeit so flexibel und kann sich Wochenenden oder bestimmte Termine frei „requesten“. Allerdings muss man mit Zeitumstellung, Schlafmangel und unregelmäßigem Essen zurecht kommen.

          Mit viel Disziplin hat Lena Mayer es geschafft, als Flugbegleiterin zu arbeiten und ihr Studium zu beenden. Wenn Kollegen die Stadt erkundeten, in der sie sich bis zum Rückflug aufhielten, hat Mayer gelernt. Viel Freizeit blieb ihr nicht. Dennoch möchte sie, wenn sie im Winter mit ihrem Masterstudium beginnt, das Fliegen nicht aufgeben. „Ganz ohne geht es dann doch nicht.“

          Quelle: F.A.Z.

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