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Linie 12

Ganz Frankfurt in einer Stunde und zwei Minuten

  • Schwanheim Rheinlandstraße
  • Ferdinand-Dirichs-Weg
  • Harthweg
  • Waldfriedhof Goldstein
  • Waldau
  • Kiesschneise
  • Bürostadt Niederrad
  • Niederrad Bf
  • Melibocusstraße
  • Gerauer Straße
  • Triftstraße
  • Niederräder Landstraße
  • Heinrich-Homann-Straße
  • Universitätsklinikum
  • Vogelweidstraße
  • Stresemannallee/Gartenstraße
  • Baseler Platz
  • Hbf/ Münchener Straße
  • Weser-/Münchener Straße
  • Willy-Brandt-Platz
  • Römer/Paulskirche
  • Börneplatz
  • Konstablerwache
  • Hessendenkmal
  • Friedberger Platz
  • Rohrbachstr./Friedberger Landstr.
  • Rothschildallee
  • Günthersburgpark
  • Hartmann-Ibach-Straße
  • Burgstraße
  • Bornheim Mitte
  • Saalburg-/Wittelsbacherallee
  • Eissporthalle/Festplatz
  • Daimlerstraße
  • Dieselstraße
  • Hugo-Junkers-Straße
  • Fechenheim Hugo-Junkers-Str.

Morgens zur Arbeit in die Bürostadt, abends ins Schauspiel in die Innenstadt und nachts zu den Klubs ins Bahnhofsviertel: Die Straßenbahnlinie 12 bringt die Frankfurter überall hin, eine Fahrt von Schwanheim nach Fechenheim dauert 62 Minuten. Von den Gegensätzen der Stadt erzählen die Menschen und Statistiken entlang der Strecke.

Die Großverdiener leben im Nordend

So viele Frankfurter verdienen bis zu 2000 Euro brutto im Monat. Und so viele 4000 Euro und mehr.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit / Monatliche Bruttoarbeitsentgelte von sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten mit Entgeltangabe (ohne Auszubildende) in Frankfurt a.M. (am Wohnort) am 31.12.2013 in ausgewählten Stadtbezirken

Über Geld spricht man bekanntlich nicht, und so geben auch nur eine Handvoll Beschäftigte gegenüber der Arbeitsagentur ihr Einkommen an. Im Frankfurter Nordend sagen rund 60 Prozent von ihnen, dass sie monatlich mehr als 4000 Euro brutto verdienen - der höchste Wert auf der Strecke der Linie 12. Der Anteil derjenigen dagegen, die weniger als 2000 Euro brutto verdienen, ist in Fechenheim mit 30 Prozent am höchsten entlang der Linie 12.

Deutsches Nordend, buntes Fechenheim

So hoch ist der Anteil der Deutschen ohne ausländische Wurzeln. Und so viele Deutsche mit Migrationshintergrund und Ausländer gibt es.

Quelle: Melderegister Frankfurt a.M.

Das Nordend und Bornheim gehören in Frankfurt zu den Hochburgen der Grünen. Für Multikulti geben die beiden Stadtteile aber ein schlechtes Beispiel ab. Nirgendwo ist der Anteil der deutschstämmigen Bevölkerung entlang der Linie 12 höher. An manchen Haltestellen erreicht er fast 70 Prozent. Ansonsten wohnen in vielen Gegenden mehr Menschen mit Migrationserfahrung als ohne. In Fechenheim haben mehr als 60 Prozent der Einwohner Wurzeln im Ausland. An der Konstablerwache in der Innenstadt haben gerade einmal 32 Prozent der Einwohner keinerlei ausländische Wurzeln. Fast die Waage halten sich die beiden Gruppen in Schwanheim und Niederrad.

SPD-Kandidat überall vorn

So groß war der Unterschied zwischen Peter Feldmann (SPD) und Boris Rhein (CDU) in der Oberbürgermeisterwahl 2012. Und so schwankte die Wahlbeteiligung.

Quelle: Bürgeramt, Statistik und Wahlen, Oberbürgermeisterwahl 2012 Stichwahl

Peter Feldmann ist Frankfurts Oberbürgermeister, der SPD-Politiker lag in der Stichwahl 2012 in allen Teilen der Stadt klar vor seinem CDU-Gegner Boris Rhein. Der konservative Politiker kam dem Mann von der SPD nur in der Innenstadt wirklich nahe: Rund um die Haltestelle Willy-Brandt-Platz trennten die beiden Konkurrenten nur knapp sechseinhalb Prozentpunkte. Am weitesten auf Abstand halten konnte Feldmann Rhein in Bornheim. An der Wittelsbacher Allee lag er 45,6 Prozentpunkte vor dem CDU-Politiker.

In Fechenheim und im Bahnhofsviertel leben die meisten Arbeitslosen

So schwankt die Arbeitslosenquote an der Linie 12.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit; Melderegister Frankfurt a.M. / Arbeitslosendichte: Anteil der zuordenbaren Arbeitslosen am 15. Dezember 2013 an der Bevölkerung mit Hauptwohnung im Alter von 15 bis unter 65 Jahren am 31. Dezember 2013.

Sobald die Bahnen der Linie 12 Bornheim hinter sich gelassen haben, springt die Arbeitslosendichte nach oben: Mehr als fünf Prozent beträgt sie schon an der Eissporthalle, in Fechenheim steigt sie dann auf bis zu zehn Prozent. In keinem anderen Stadtteil leben relativ gesehen mehr Arbeitslose, auch nicht im oft gescholtenen Bahnhofsviertel. Dort messen die Statistiker mit knapp acht Prozent allerdings den zweithöchsten Wert entlang der Linie 12.

Bierparadies Bornheim, teure Innenstadt

So viel kostet eine große Flasche Bier in den Kiosken an der Linie 12. Und so viele verschiedene Sorten haben die Händler im Angebot.

Quelle: Eigene Recherchen an den jeweils nächstgelegenen Kiosken.

In Frankfurt sind Trinkhallen und Wasserhäuschen Kult, mit der “Linie 11” gibt es sogar einen Verein, der sich um den Erhalt der Kioske kümmert. Von den meisten Haltestellen an der Linie 12 ist es nicht weit bis zum nächsten Büdchen, manche liegen sogar direkt da, wo die Fahrgäste ein- und aussteigen. An einigen gibt es schon für einen Euro eine große Flasche Bier, in der Innenstadt kostet sie auch mal das doppelte. Rund um die Konstablerwache schwankt der Preis am stärksten, während er an den Rändern der Stadt konstanter ist. Die meisten Kioske verkaufen zwischen zehn und 20 verschiedene Biersorten. Ausreißer an der Linie 12 sind der Kiosk 45 an der Wiesenstraße in Bornheim mit 490 Sorten, der Kiosk Khan am Börneplatz mit 290 - und das Wasserhäuschen Riederwald mit genau einer Sorte.

Familienstadtteil Schwanheim, Single-Hochburg Bahnhofsviertel

So hoch ist der Anteil der Familien mit drei oder mehr Kindern und der Singlehaushalte entlang der Linie 12.

Quelle: Melderegister, Einwohner/innen mit Haupt- oder Nebenwohnung, Haushaltegenerierung

Im Bahnhofsviertel leben relativ gesehen mehr Singles als in allen anderen Stadtteilen entlang der Linie 12. In mehr als sieben von zehn Haushalten ist dort nur eine Person gemeldet. In Schwanheim wiederum leben in der Mehrheit der Haushalte mehrere Frankfurter. Dort ist auch der Anteil der Familien mit drei oder mehr Kindern am höchsten. Ähnliches gilt für das andere Ende der Linie 12: Auch in Fechenheim können sich größere Familien Wohnungen leisten.

Alte Bürostadt, Bahnhofsviertel nicht ganz jugendfrei

So viele Frankfurter unter 18 und über 64 Jahre leben an der Linie 12.

Quelle: Melderegister Frankfurt a.M.

Die demographische Mittelschicht wohnt im Bahnhofsviertel. Sowohl der Anteil der Jugendlichen als auch der Senioren ist dort sehr gering. Kein Wunder, haben doch beide Altersgruppen mit der Drogen-, Puff- und Partyszene dort wenig am Hut. Trotzdem sind knapp sieben Prozent der Bewohner der Straßen zwischen Hauptbahnhof und Bankenviertel jünger als 18. Der Bezirk mit dem höchsten Anteil an Senioren ist die Bürostadt Niederrad, nur das Ostend kann mithalten. Hier wie dort ist fast jeder vierte Bewohner älter als 65 Jahre. Das Büroviertel, in dem nach und nach mehr Wohnraum entstehen sollen, hat bisher auch unschlagbar wenig jugendliche Einwohner. In direkter Nachbarschaft messen die Statistiker das andere Extrem: Mehr als jeder fünfte Schwanheimer ist jünger als 18. Ähnliches gilt nur für Fechenheim, den anderen Familienstadtteil.

Der Fluglärm interessiert vor allem in Niederrad und Sachsenhausen

So viele Stimmen erhielt Flughafenausbaugegnerin Ursula Fechter in der Oberbürgermeisterwahl 2012.

Quelle: Bürgeramt, Statistik und Wahlen, Oberbürgermeisterwahl 2012 erster Durchgang

Als 2012 in Frankfurt ein neuer Oberbürgermeister gewählt wurde, war das auch ein Indikator dafür, wo der Fluglärm die Bürger am meisten beschäftigt. Die Wählergemeinschaft der Flughafenausbaugegner (FAG) hatte mit Ursula Fechter eine eigene Kandidatin aufgestellt. In Niederrad bekam sie die Stimmen von zehn bis 24 Prozent der Frankfurter. In Schwanheim wählten nur knapp sechs Prozent die FAG - der Stadtteil liegt dem Flughafen geographisch zwar am nächsten, landende Flugzeuge kommen aber Niederrad deutlich näher. Der Unterschied zu den anderen Gegenden der Stadt ist immens: In der Mitte und im Norden stimmten im ersten Durchgang der Wahl nur zwischen ein und zwei Prozent der Wähler für die Fluglärmgegner.

Von Christian Palm und Denise Peikert, Videos: Andreas Krobok, Daniel Blum und Philip Gerhardt
Inspiration: http://interaktiv.morgenpost.de/m29/

Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 16.11.2015 17:01 Uhr