08.02.2012 · Rang neun in der Tabella - da liegen die Aufstiegsränge schon in einiger Ferne. In einer anderen Kategorie hingegen zählen die Offenbacher Kickers zu den Top drei: bei den Strafen des DFB.
Rang neun in der Drittliga-Tabelle - wenn die Offenbacher Kickers nicht aufpassen, verlieren sie den Anschluss an die Aufstiegsränge. In einer anderen Kategorie hingegen zählen sie zu den Top drei. Aber das ist eine, die dem OFC schadet und deswegen eine Last für den Verein darstellt. Was die zu zahlenden Strafen an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) angehen, liegen die Offenbacher mittlerweile in der Spitzengruppe der Sünder. 1800 Euro mussten sie im Oktober des vergangenen Jahres zahlen, weil Anhänger beim Hessenderby in Darmstadt Pyrotechnik gezündet und Feuerzeuge auf das Spielfeld geworfen hatten. Im November kamen 5000 Euro hinzu. Das Delikt diesmal: Pyrotechnik und bengalische Feuer im Kickers-Fanblock beim Auswärtsspiel gegen Wehen Wiesbaden. In dieser Woche wurden schließlich noch einmal 8000 Euro fällig, die Höchststrafe bisher. Denn beim Heimspiel gegen Chemnitz flogen Feuerzeuge sowie ein Stück Bratwurst und Teile einer Brezel auf den Platz. Erst nach einer zehnminütigen Unterbrechung setzte der Schiedsrichter das Spiel fort.
„Wir müssen mehr bezahlen, als wir uns leisten können“, sagt Geschäftsführer Thomas Kalt. Der Stadionneubau strapaziert das Budget des Klubs. Um für Entlastung zu sorgen, sammelt er Gelder über den neu gegründeten Investorenpool ein. „Von anderen wird das aber mutwillig untergraben“, so Kalt. „Das können wir uns nicht erlauben.“ Nun droht den Kickers ein „Horrorszenario“, wie er es ausdrückt. Kommt es nämlich abermals zu Vorfällen bei einem Spiel, müssen die Hessen mit einer Platzsperre oder einem Geisterspiel rechnen. Darüber will Kalt gar nicht erst nachdenken. Denn: „Das wäre so katastrophal. Der Schaden wäre nicht absehbar.“
Einen Fangzaun vor der Waldemar-Klein-Tribüne will der OFC trotzdem nicht installieren. „Wir wollen kein Rundumschlag, mit dem wir die gesamte Gruppierung bestrafen“, sagt Kalt. Stattdessen hofft der Verein darauf, dass die Mehrheit der Anhänger einzelne Täter in den Griff bekommt. Außerdem setzen die Kickers laut Kalt darauf, „dass die Einsicht bei den wenigen Spinnern einkehrt, der gesamten Fanszene und dem Verein zu schaden“. Nach den Vorkommnissen in dieser Saison hätten einige wenige den Bonus verspielt, meint der Geschäftsführer. „Jahrelang hatten wir große Ruhe. Nun haben wir den Ruf beim DFB, eine Fanszene, die zunehmend auffällig wird, zu haben.“ Gespräche mit den Fanprojekten laufen bereits. Sie sollen intensiviert werden, damit „vernünftige Lösungen“ (Kalt) gefunden werden. Das vereinsschädigende Verhalten einiger Anhänger ist nach seiner Meinung vermutlich darauf zurückzuführen, dass für den Großteil der Fans nur der Aufstieg in die zweite Liga zähle. „Wenn der dann nicht kommt, haben wir eine Endzeitstimmung. Für gewisse Anhänger, die ihre Wünsche auf den Verein projizieren, ist das fast eine persönliche Niederlage, wenn diese vielleicht nicht erfüllt werden.“ Den Werfer eines Feuerzeugs beim Spiel gegen Chemnitz konnte die Polizei ermitteln. Der 15 Jahre alte Mainhausener hat künftig Stadionverbot. Finanzielle Forderungen gegen ihn werden die Kickers voraussichtlich nicht geltend machen. Denn wegen des sozialen Hintergrunds des Jungens besteht wohl wenig Aussicht darauf, den Schaden ersetzt zu bekommen.