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Sterben und Sterbebegleitung : Beistand bis zum letzten Atemzug

Menschliche Wärme und Begleitung anstatt Alleine-Seins im Pflegeheim. Eine Möglichkeit ist das Hospiz. Bild: dapd

Wo möchte man sein, wenn es zu Ende gehen muss: zu Hause, werden die meisten sagen. Gesetze, die das möglich machen, gibt es. Dennoch bleiben Hürden für die Pflege derer, die dem Tode nahe sind. Eine Geschichte von Liebe und der Sterbebegleitung als Beruf.

          Herr Krönung liegt im Bett und weiß nicht mehr um die Farbe des Himmels. Sein Kopf liegt auf dem Kissen, die Augen blicken gerade zur Decke hinauf. In dem Zimmer wird es mal heller und mal dunkler, die Sonne taucht auf und taucht unter. Herr Krönung bewegt sich nicht, ist noch nah oder vielleicht schon ganz weit weg. Aber noch ist kein Tag zum Sterben. Frau Krönung sitzt ganz nah bei ihrem Mann, sieht, wie er immer weniger zu werden scheint. Sie hält seine Hand und spricht leise ein paar Worte. Als der Pfleger das sieht, legt er ihr seine Hand auf die Schulter. „Sie müssen ihm etwas Freiraum geben“, sagt er. Frau Krönung steht auf, geht in die Küche. Sie steht vor dem Herd, blickt zu Boden.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Etwa 850.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland, 60.000 in Hessen. Die schwer krank sind oder einfach so alt, dass sie alleine nicht mehr zurechtkommen, werden über kurz oder lang gepflegt, zwei Drittel sogar zu Hause durch die Familie oder ausgebildete Pfleger. Aber wenn das Ende nahe ist, entscheiden sich die Angehörigen sehr oft doch für die Unterbringung in einer stationären Einrichtung, einem Krankenhaus oder Pflegeheim. Dabei lautet der Wunsch bei vielen: Wenn ich sterben muss, möchte ich zu Hause sein. Eigentlich sollte das kein Problem sein, gibt es doch ein Gesetz, dass das jedem Patienten zusichert. Seit dem Jahr 2007 gibt es die sogenannte spezialisierte ambulante Palliativversorgung. Es geht dabei nicht um heilen, sondern um lindern. Das soll nicht in einer Klinik geschehen, auch nicht in einem Heim, in dem die Möbel fremd sind, sondern dort, wo sich fast jeder am wohlsten fühlt, daheim. So könnte es auch sehr oft sein, denn gar nicht so selten ist das Sterben planbar.

          Angst, Gespräche, Zärtlichkeit und Kämpfe - und die Zeit läuft davon  

          Wo Menschen sterben, darüber machen Quellen unterschiedliche Aussagen. Zahlen gibt es nur über die Todesursachen, nicht über die Sterbeorte. Laut Deutschem Schmerztag stirbt nur jeder Dritte in den eigenen Wänden; wenn Arzt und Angehörige unsicher sind, liefern sie einen Schwerkranken meistens doch noch in eine Klinik ein.

          Und selbst wenn der Patient zu Hause seine letzten Tage oder Stunden verbringen kann, gibt es Probleme. Leicht ist es nicht, einen Patienten aus der Obhut der Ärzte und Schwestern zu sich zu nehmen, ihn zu wickeln und zu füttern, den Mann, den Vater, den Bruder, die Mutter. Viele wollen das tun und haben dennoch Angst. Auch Frau Krönung hatte Angst. Und sie kann viel erzählen, von Kämpfen mit der Krankenkasse, von Gesprächen mit Ärzten, bei denen sie schimpfte und weinte. Es war die Zeit, als dem Ehepaar die Zeit davonlief, dem todkranken Mann und seiner Frau.

          Sie wollte ihn nach Hause holen - zu sich

          Sie war die kleinste, er der größte in der Klasse. Sie waren 14 Jahre alt, als sie sich kennenlernten, und mit 20 heirateten sie, im Jahr 1965. Herr Kröning wurde Feinmechaniker, seine Frau Schuhverkäuferin. Weil das Geld nie reichte, gingen sie zusätzlich noch putzen und trugen Zeitungen aus. Sie bekamen zwei Söhne. Der eine starb vor 18 Jahren, der andere wurde schizophren. Darüber wurde auch Herr Krönung krank. Er bekam Bluttransfusionen, seine Leber war stark angegriffen. Im März dieses Jahres dann ein Schlaganfall. Drei Monate lag er im Frankfurter Nordwestkrankenhaus, dann ging es in die Reha nach Bad Salzhausen. Anfang August hieß es, er müsse ins Heim. Es gehe dem Ende zu. Frau Krönung aber wollte ihn nach Hause holen, alles, nur kein Pflegeheim.

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