Home
http://www.faz.net/-gzg-6uzku
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Steffi Jones Der Alltag nach dem Abenteuer

09.11.2011 ·  Steffi Jones hat der Frauen-WM ein Gesicht gegeben. Als DFB-Direktorin kümmert sie sich wieder verstärkt um den Nachwuchs.

Von Uwe Martin, Wiesbaden
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die Frauenfußball-WM in Deutschland ist längst Geschichte, allmählich verblassen die Bilder. Und so hat auch für Steffi Jones ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Aus der Präsidentin des WM-Organisationskomitees ist am 1. September eine Direktorin beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) geworden, und jetzt hat die 38 Jahre alte ehemalige Nationalspielerin auch mehr Zeit für Basisarbeit.

Etwa für eine Fahrt nach Wiesbaden, wo sie am Mittwoch die Elly-Heuss-Schule besuchte, dort ein Training mit kickenden Schülerinnen leitete und anschließend in der Aula für eine Talkrunde zur Verfügung stand. Einen ganz pragmatischen Hintergrund hatte ihre zweistündige Stippvisite auch: Am 19. November (15.45 Uhr) findet in der Wiesbadener Arena das Europameisterschafts-Qualifikationsspiel der Frauen-Nationalmannschaft gegen Kasachstan statt, und beim Kartenvorverkauf in der nicht gerade fußballbegeisterten hessischen Landeshauptstadt helfen Vor-Ort-Auftritte der wichtigsten Botschafterin des deutschen Frauenfußballs natürlich weiter. Immerhin soll Steffi Jones laut DFB einen Bekanntheitsgrad von achtzig Prozent haben.

Mindestens ein neuer Fan

Dass die Elly-Heuss-Schule ausgewählt wurde, war kein Zufall. Die Eliteschule des Sports kooperiert im Fußball mit dem Erstligaklub Mainz05 und dem Drittligaverein SV Wehen Wiesbaden; für Mädchen besteht seit nunmehr zwei Jahren eine spezielle Talentförderung. Und frühe Erfolge haben sich bereits eingestellt. Im nationalen Schulwettbewerb der Wettkampfklasse IV (Jahrgänge 1999/2000) kam das Wiesbadener Gymnasium in der Innenstadt auf den zweiten Platz. Sieben Mädchen aus dieser Mannschaft gehen in die Klasse 6c von Nina Ratzkowski, der Studienrätin obliegen auch die Übungsstunden der Talentfördergruppe. „Es hat sich einiges bewegt. Wir haben viele Mädchen neu in das Programm aufgenommen“, sagt die Pädagogin. Doch auch Nina Ratzkowski hat Zweifel, dass sich viele Namen von Nationalspielerinnen nachhaltig eingeprägt haben: Fatmire Bajramaj, Nadine Angerer, Alexandra Popp, vielleicht auch Inka Grings, die sind wohl noch ein Begriff. Plakativ beworben wird das EM-Qualifikationsspiel in Wiesbaden aber mit dem Foto von Saskia Bartusiak, der Abwehrspielerin vom 1. FFC Frankfurt. Vielleicht liegt man mit der Vermutung nicht falsch, dass Steffi Jones die bekannteste deutsche Fußballerin ist, obgleich das Karriereende der 111maligen Nationalspielerin schon viereinhalb Jahre zurückliegt.

Steffi Jones hört Musik und singt selbst

Nach der Übungsstunde mit Lauf- und Ballkoordination, Techniktraining und einem abschließenden Spiel wurde in der Aula der Elly-Heuss-Schule zunächst ein Imagefilm von der Weltmeisterschaft präsentiert. Emotionale Bilder vom Ausscheiden der deutschen Frauen gegen Japan, Steffi Jones zusammen mit DFB-Präsident Theo Zwanziger und Bundespräsident Christian Wulff. Die Schülerinnen und Schüler in Wiesbaden wollten andere Dinge wissen. Etwa den bewegendsten Moment in ihrer Karriere („Mein erstes Länderspiel“), wie sie sich auf ein Spiel vorbereitet hat, was ihre schwerste Verletzung gewesen ist. Und so plauderte Steffi Jones über ihren Kreuzbandriss bei der WM 2003, über ihre Mutter, die nach anfänglicher Skepsis zu ihrem größten Fan geworden ist, und dass es in ihrer Kindheit noch keine Talentförderung für Mädchen gegeben hat. „Und was machen Sie so privat? Gehen Sie in die Stadt zum Shoppen?“

Steffi Jones hört Musik und singt selbst, und ja, gerne Einkaufen tut sie auch: „Shoppen ist immer gut.“ Gäbe es Steffi Jones nicht, man müsste sie erfinden, um den Frauenfußball in Deutschland populär zu machen. Ihre Worte haben Gewicht, da zappelt niemand ungeduldig auf dem Stuhl herum oder muss zum Applaus aufgefordert werden. Die Frau ist ein Selbstläufer. „Wenn Ihr berühmt seid, bekomme ich ein Autogramm, oder?“ Es sind Sätze wie diese, die Motivation genug sein dürften.

Und auch Schulleiter Reinhard Rzytki, eigentlich ein Fan von Eintracht Frankfurt, wurde ad hoc für den Frauenfußball gewonnen. Zwei Eintrittskarten für das Länderspiel in der Brita-Arena am 19. November hat er jetzt schon. Dank Steffi Jones.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr