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Start-Ups in Rhein-Main : Die neuen Chefs

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Immer eine neue Idee im Kopf: Wie viele Gründer es im Rhein-Main-Gebiet tatsächlich gibt, ist schwer zu sagen (Symbolbild). Bild: dpa

Junge Gründer fordern mit ihren Start-ups die Großen heraus, auch im Rhein-Main-Gebiet. Die Zahlen sind im Vergleich mit anderen deutschen Städten zwar ernüchternd, ganz so schlecht, wie sie klingen, sind die Zahlen aber gar nicht.

          Über Carlo Kölzer lassen sich viele gute Geschichten erzählen, eine ist die mit der Bierkiste. Im Jahr 2000 muss man mit ihr beginnen, in einem Zimmer an einer Frankfurter Ausfallstraße. Der Raum, ein in die Jahre gekommenes Büro über einem griechischen Restaurant, ist die erste Unternehmenszentrale von 360 T. Es ist eine Zentrale, die diese Bezeichnung nicht verdient, die ein Unternehmen beherbergt, das nicht mehr ist als eine Idee. Die 360 Treasury Systems AG, so der vollständige Name, das sind damals vier naive Typen und ein Laptop. Ihren Server bauen sie auf einer Bierkiste auf, jahrelang wird er so stehen bleiben.

          Es braucht eine Idee, Glück, aber vor allem: Willen

          Junge Männer vor Computern - so haben einige moderne Unternehmermärchen begonnen. Dass Carlo Kölzer einmal eine eigene Erfolgsgeschichte würde erzählen können, dachte viele Jahre keiner, vielleicht noch nicht einmal er selbst. Zweimal steht 360 T, eine Plattform für den elektronischen Handel mit Devisen, der um die Jahrtausendwende noch hauptsächlich am Telefon abgewickelt wird, kurz vor der Pleite. Weihnachten 2002 kann Kölzer seine Mitarbeiter nicht mehr bezahlen. Denen, die trotzdem bleiben, verspricht er ein höheres Gehalt, irgendwann, wenn es besser läuft. In jenen Tagen rufen bei Kölzer, der unter anderem in Mainz Wirtschaftswissenschaften studiert hat, oft ehemalige Kollegen aus seiner Zeit als Banker an und fragen, ob er nicht doch als Analyst bei ihnen anheuern wolle.

          „Wir hatten nichts: keine Kontakte, kein Geld und keine Ahnung“, sagt Kölzer heute über den Anfang seines Unternehmens. Natürlich will man solche Sätze hören, wenn man über den Aufstieg eines Jungen aus Frankfurt zu einem international erfolgreichen Geschäftsmann schreibt. Natürlich ist es übertrieben. Kölzer und seine Mitgründer hatten einiges. Eine Idee. Glück. Vor allem aber: Willen. Nach vier Jahren und drei Monaten schaffen sie das, was Kölzer ihren Durchbruch nennt: Sie gewinnen erste namhafte Kunden, darunter die Lufthansa, können dadurch mehr Mitarbeiter einstellen, und ihre Gehälter auch zahlen. Von da an zeigen alle Unternehmenskurven nach oben. 2007 eröffnet das Unternehmen Büros in New York und Singapur. Im selben Jahr wird Kölzer als Deutschlands Entrepreneur des Jahres in der Kategorie „Start-up“ ausgezeichnet. Eine Zwischenstation auf Kölzers Weg zu internationalem Ruhm und dem wirklich großen Geld.

          Die Zahlen sind im Vergleich zu anderen Städten ernüchternd

          Dahin wollen sie alle, die Gründer innovativer und dann doch nicht ganz so innovativer Start-ups. Wie viele von ihnen zurzeit im Rhein-Main-Gebiet tätig sind, ist schwer zu sagen. 150? 200? Belastbare Zahlen gibt es kaum. Zwar erheben die Industrie- und Handelskammern die Gewerbeanmeldungen, die übrigens 2014 vielerorts von den Gewerbeabmeldungen übertroffen wurden, allerdings wird dabei jedes Gewerbe eingerechnet, also auch die Würstchenbude und das Nagelstudio, und die gelten ja eher nicht als Start-ups.

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