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Start-up zu Bildungsgleichheit : Studieren in entlegenen Winkeln der Welt

  • -Aktualisiert am

Gründer an der Goethe: Andrés Felipe Macias möchte mit seinem Start-up die Bildungslandschaft in Entwicklungsländer revolutionieren. Bild: Michael Kretzer

Andrés Felipe Macias kommt aus Kolumbien und studiert zurzeit in Frankfurt. Mit seinem Start-up möchte er die Bildungsgleichheit in Entwicklungsländern fördern.

          In der Start-up-Szene trifft man in der Regel junge Menschen, die davon träumen, mit einer guten Idee möglichst schnell Geld zu verdienen. Selbst das Fernsehen hat mittlerweile solche Gründer als tauglich für das Unterhaltungsformat entdeckt. Der in Frankfurt lebende Kolumbianer Andrés Felipe Macias hingegen hat ganz andere Träume. Er möchte mit seinem Start-up nicht weniger als die komplette Bildungslandschaft von Entwicklungs- und Schwellenländern revolutionieren. Dabei setzt er auf Studenten, Akademiker und Professoren, die ihn ehrenamtlich unterstützen.

          Sein Traum heißt Whinker. Das ist die Kurzform seine Slogans „Think Wide. Think Global.“ Für ihn sind „Wide-Thinker“ Menschen, die sich nicht nur über Ländergrenzen hinwegsetzen, sondern ganz neu denken. So entwickelt er mit einem Team Lernvideos für Online-Kurse, die Wissen und Lernen auf universitärem Niveau auch in entlegene Weltgegenden bringen sollen.

          Die Bildungsungleichheit bekämpfen

          Anfangen will er damit im August in seinem Heimatland Kolumbien, außerdem in Peru und in Bolivien. Angeboten werden Kurse in Englisch, Wirtschaft und Agrarwissenschaften. In Internetcafés sollen sich die Kursteilnehmer von Coaches helfen lassen. Am Ende werde ein dem Bachelor vergleichbarer Abschluss stehen, der allerdings nicht zertifiziert sei, sagt Macias. „Bei der Arbeitssuche wird diese Qualifikation den Menschen trotzdem helfen“, meint er. In Ländern wie Kolumbien könne man Universitäten nur in großen Städten und gegen hohe Semestergebühren von 4000 Euro und mehr besuchen. Frei zugängliche Bildung auf universitärem Niveau mit einem Abschluss ist langfristig sein Ziel.

          Der Dreißigjährige kommt aus einer ländlichen Gegend und hat zunächst dank elterlicher Unterstützung fünf Semester Wirtschaftswissenschaften in Bogotá studiert. Nach einer eigentlich nur für drei Monate geplanten Europareise beschloss er, sein Studium in Frankfurt fortzusetzen. „Wofür man in meiner Heimat drei Semester benötigt, das lernt man hier in einem“, schwärmt er. Die Qualität deutscher Universitäten möchte er gern in seine Heimat und später auch in andere Entwicklungsländer tragen.

          Bachelor in Frankfurt

          Unterstützt wird der Jungunternehmer, der seinen Master-Abschluss für sein Vorhaben zunächst auf Eis gelegt hat, von dem Frankfurter Finanzwissenschaftler Andreas Hackethal. Der Professor betreibt einen Videoblog zur Geldanlage und ist Mitgründer des Start-ups Vaamo, einer digitalen Vermögensverwaltung.

          Macias hat schon als Schüler in seiner Heimat unentgeltlichen Nachhilfeunterricht in Englisch und Mathematik an seiner Schule organisiert. Seine Bachelor-Arbeit schrieb er in Frankfurt über den Einfluss digitaler Innovationen auf die Bildung. „Ich will gern etwas zurückgeben“, sagt der Gründer über seine Motive. Wenn die zehnwöchige Pilotphase seines Start-ups am 1. August beginnt, sollen zunächst zehn Kurse online gehen. Professoren und Lehramtsstudenten konzipieren das Angebot, wie er berichtet. Sie locke die Herausforderung, ihr Wissen digital aufzubereiten. „Meine Generation hält sehr viel vom Teilen“, meint Macias.

          Erstes „Social Start-up“

          Mit 1000 Teilnehmern will er anfangen, weit mehr hätten sich in Lateinamerika schon angemeldet. Die Inhalte sollen in kombinierbaren Modulen aufeinander aufbauen, verschiedene Universitäten in Deutschland, die im jeweiligen Fach große Expertise haben, sollen je zwei bis drei entwickeln. Nach der Pilotphase will der Jungunternehmer prüfen, ob die Lernenden bei der Stange bleiben und ob die von IT- und Video-Profis gemeinsam entwickelte Technik funktioniert. Dann will er auch sozial engagierte Investoren und Sponsoren finden.

          Überzeugt hat Macias mit diesem Konzept schon die Jury des Frankfurter Unibators, der Start-ups von Studenten und Mitarbeitern der Johann Wolfgang Goethe- Universität unterstützt. Sein Projekt ist als eins von zweien unter einem guten Dutzend Bewerbern zu Jahresbeginn in das Programm aufgenommen worden, „als einziges Social-Start-up bisher“, wie Macias sagt.

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