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Frankfurter Start-up : Auf eine Tasse mit Kaffeehändlern

  • -Aktualisiert am

Kaffeetrinker: Boris Häfele (links) und Philip Müller von Roast Market Bild: Helmut Fricke

Das Frankfurter Start-up Roast Market will den Kaffeemarkt erobern. Die Gründer bauen auf klassische Unternehmertugenden. Auf Gründer-Events wird man sie wohl vorerst nicht finden.

          Was würden wir nur ohne Kaffee tun? Laut dem Kaffeereport 2016 von Tchibo greifen über 80 Prozent der Kaffeetrinker in Deutschland täglich zu dem schwarzen Genussmittel, und fast die Hälfte trinkt zwei oder drei Tassen am Tag. Diese hohe Nachfrage bedienen unter anderen über 200 Kaffeeröstereien in Deutschland. Der Markt scheint gesättigt. Braucht es da überhaupt noch ein Kaffeeunternehmen? Wenn es nach Boris Häfele und Philip Müller geht, dann lautet die Antwort „ja“. Mit Roast Market haben die beiden Anfang 2015 einen reinen Onlinehandel mit Kaffeeprodukten eröffnet und damit eine Nische auf dem deutschen Markt besetzt.

          Seitdem sitzt das Start-up auf dem ehemaligen Neckermann-Areal in der Hugo-Junkers-Straße und vertreibt von dort aus ein vielfältiges Angebot deutscher und internationaler Kaffeesorten sowie Zubehör. Damit möchten Häfele und Müller, beide 32 Jahre alt, nicht nur Privatkunden erreichen, sondern auch Cafés, Bars und Unternehmen, die ihren Mitarbeitern und Kunden Kaffee anbieten. Durch eine eigene App, mit der man Bestellungen aufgeben kann, soll beispielsweise die Sekretärin entlastet werden, die sonst zum Supermarkt fahren müsse.

          „Echten Mehrwert“ schaffen

          Am Anfang stand neben dem Wunsch nach Eigenständigkeit die Erkenntnis, dass in Deutschland ein „klassischer Retailer“ für Kaffeeprodukte fehle, erläutern die Gründer, die bereits zuvor Erfahrung bei anderen Online-Versandhändlern gesammelt haben. Begonnen hat ihre Arbeit mit einem kleinen Wandschrank für ihre Produkte, jetzt besitzen sie bereits ein Lager, das aufgrund des Wachstums in Kürze vergrößert werden muss.

          Auch der Umsatz, der derzeit bis zu 120.000 Euro pro Monat beträgt, soll weiter steigen. Anfang November teilten sie nach einem erfolgreichen Pitch bei den Business Angels FrankfurtRheinMain mit, für 2016 ein Finanzierungsvolumen von über einer Million Euro erreicht zu haben. Investor Michael Föcking ist von dem Start-up überzeugt: „Ich sehe große Möglichkeiten, die Marke Roast Market in qualitätsorientierten Privathaushalten und kleinen Unternehmen als führenden Kaffeelieferanten zu etablieren.“

          Um das zu erreichen, setzen die Geschäftsführer auf klassische Unternehmertugenden: „Wir sind keine Lifestyle-Gründer“, sagt Häfele und grenzt sich von Gründern ab, die sich als solche profilieren und eher auf Start-up-Konferenzen zu finden seien, als tatsächlich zu arbeiten. Die beiden Frankfurter möchten hingegen mit Roast Market eine Marke aufbauen und „echten Mehrwert“ schaffen.

          Von der Idee überzeugt

          Ein Gehalt zahlen sie sich noch nicht aus, und auch das Büro ist noch sehr klein. Müller spricht von freiwilligem Verzicht, der „aus dem Glauben an die Sache“ heraus komme. Daher hätten sie auch diesen abgelegenen Standort gewählt, erklären sie, denn dieser verursache geringe Kosten und erleichtere die Konzentration auf ihre Arbeit.

          Die ist auch notwendig, stehen doch im nächsten Jahr große Aufgaben an, vor allem, was die Vielfalt an Produkten angeht. So möchten sie ihr Angebot erweitern, die App weiterentwickeln und zusätzliche Investoren gewinnen, wobei sie sich weiterhin vor allem durch reguläre Einnahmen finanzieren möchten. Ebenso soll die Kundenbetreuung verbessert werden. Vor allem dadurch sollen die Kunden sie als „echte Alternative zum Supermarkt“ wahrnehmen, erklärt Häfele.

          Dass sie anfangs belächelt wurden, stört sie jetzt nicht mehr. Sie sind von ihrer Geschäftsidee überzeugt, auch wenn es laut Müller immer Verbesserungspotential gibt. Das wollen sie nun weiter ausschöpfen und an ihrer Marke arbeiten. Auf den Gründer-Events wird man sie daher wohl auch in Zukunft nicht finden.

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