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Star-Trek-Treffen in Frankfurt : „Nur ein großer Merchandise-Laden“

  • -Aktualisiert am

Faser raus: Früh übt sich, wer ein Trekkie werden will Bild: dpa

Aus allen Himmelsrichtungen sind Star-Trek-Fans nach Frankfurt gekommen. Die Convention entpuppt sich auch als teures Familientreffen: „Das Ganze ist nur ein großer Merchandise-Laden“, meint die Königin der Remaner.

          Man kann nie zu früh anfangen. Der ein Jahr alte Kurt spielt in seinem Kinderwagen gerade mit einer Data-Puppe, die ihm sein Vater Frank Crostewitz am Tag vorher gekauft hat. Commander Data, ein hyperintelligenter menschenähnlicher Roboter, ist einer der beliebtesten Charaktere aus „Star Trek - The next Generation“. Data-Darsteller Brent Spiner hat Crostewitz ein paar Stunden zuvor eine Autogrammkarte signiert. „Es war ein Vorteil, dass wir das Kind dabei hatten, Spiner hat sich richtig viel Zeit genommen“, sagt Crostewitz. Er trägt die rote Star-Trek-Uniform mit dem Abzeichen der Sternenflotte, seine Frau Heike ist in Zivil unterwegs.

          Die Crostewitzs sind an diesem Samstag drei von rund 6000 Besuchern der Zusammenkunft „Destination Star Trek“ in der Messehalle 3. Vor zwei Jahren war London der Mittelpunkt des Trekkie-Universums; Trekkies werden die Fans der diversen Serien und Filme rund um das Raumschiff Enterprise genannt. In Frankfurt ist der eigentliche Eintrittspreis noch human - 59 Euro für drei Tage. Doch mit der Eintrittskarte allein können die Besucher nicht viel anfangen, jede Extraleistung muss dazugebucht werden. Wer ein Autogramm oder ein Foto mit Star haben will, muss bis zu 50 Euro zahlen.

          Zahlen und fröhlich sein: Für 100 Euro gab es ein Foto mit Unterschrift von William Shatner alias Captain Kirk Bilderstrecke

          Das ist an diesem Tag der Marktwert des größten aller Star-Trek-Idole: William Shatner alias Captain Kirk. Der 82 Jahre alte Schauspieler sitzt lässig auf einem Barhocker und beantwortet Fragen seiner Bewunderer. Zum Beispiel, warum er regelmäßig twittert - natürlich um engen Kontakt zu seinen Fans zu halten. Dass die manchmal anstrengend sein können, zeigt eine rund 40 Jahre alte Frau, die das Mikrofon bekommt. Etwa fünf Minuten lang stellt sie sich in feinstem Franz-Beckenbauer-Englisch vor. „I’m a grrreat fan“, sagt sie beispielsweise. Shatner unterbricht sie belustigt: „Do you have a question?“ Bevor sie die Frage stellt, erwähnt sie noch, dass sie aus „Germany“ komme. Shatner antwortet grinsend, dass er darauf niemals gekommen wäre. Ob er denn bald wieder einen Film mit „Mr. Spock“ Leonard Nimoy drehe, fragt sie schließlich. „Wenn Sie den Film finanzieren, können wir darüber reden“, sagt Shatner und fügt wohlwollend hinzu: „Your English is better than my German.“

          100 Euro für Unterschrift und Foto

          Derweil wartet der 23 Jahre alte Nico Wagner seit einer Stunde in der Autogrammschlange von Brent Spiner. Wagner hat sich schon für 100 Euro Unterschrift und Foto von Shatner besorgt. Der habe ihm dabei sogar in die Augen geschaut. „Allein deshalb hat sich jeder Cent gelohnt“, sagt der Trekkie, der im wahren Leben Schornsteinfeger ist. Unterdessen plauscht Spiner mit jedem Autogrammjäger ein paar Minuten lang. „What can I do for you?“, fragt er Nico Wagner und seinen Kumpel Christoph, als die dran sind. Daraufhin ziehen sie synchron ihre Autogrammkarten, als wären es Phaser-Pistolen aus einem Enterprise-Film. „Er hat mir sogar eine Ghetto-Faust gegeben“, sagt Wagner danach glücklich.

          Extra aus Oxford angereist ist der 23 Jahre alte Matt Denton. Er trinkt gerade Kaffee mit Greta und Franziska, die er am Tag vorher kennengelernt hat. „One big family“ seien die Trekkies, die Veranstaltung findet er „great“. Die 600 Euro, die er für Anreise und Messe schon ausgegeben habe, seien zu verschmerzen. Seit früher Kindheit ist Denton ein Star-Trek-Fan; Kirk, Spock und die anderen Helden haben ihn zu einem besseren Menschen gemacht. Sei kein Rassist, sei nicht homophob, alle sind gleich: Diese positiven Inhalte vermittle die Serie. Denton sagt, er werde auch zur nächsten Convention fliegen, egal wo sie stattfinde.

          Ein großer Merchandise-Laden

          Doch nicht jeder Fan ist begeistert. „Ich habe viel mehr erwartet“, sagt die 53 Jahre alte Ulrike Kraft, die seit 35 Jahren Captain Kirk verehrt. Sie ist aufwendig und ganz in Grün als Remaner-Weibchen verkleidet. Deren einzige Aufgabe sei es, Nachwuchs zu gebären, der dann für die herrschende Rasse der Romulaner in den Dilithium-Minen arbeiten müsse. „Ich bin aber immerhin die Königin der Remaner“, sagt sie. Ein halbes Jahr lang hat sie an dem Kostüm gearbeitet - und jetzt ist sie ernüchtert. „Das Ganze ist nur ein großer Merchandise-Laden.“

          Ob die Convention nun reine Kommerz-Veranstaltung oder großes Familientreffen ist, muss an diesem Wochenende jeder selbst entscheiden. Frank Crostewitz spricht aber aus, was viele denken: „Wenigstens habe ich einmal Captain Kirk live gesehen.“ Das wird auch der kleine Kurt irgendwann behaupten können - auch wenn er jetzt noch nicht weiß, wer Captain Kirk ist.

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