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Stadtmuseum in Wiesbaden : FDP-Fraktion sieht Million verschwendet

Die neuen Pläne für das Wiesbadener Stadtmuseum stehen wegen der Aufgabe des über Jahre erarbeiteten Entwurfs in der Kritik.

          Die Entscheidung der großen Koalition, das Wiesbadener Stadtmuseum von einem Investor errichten zu lassen, der über die Architektur bestimmt, kostet die Steuerzahler mehr als eine Million Euro. Das glaubt jedenfalls Michael Schlempp, der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Rathaus.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Allein die bisher angefallenen Wettbewerbskosten, Architektenhonorare und Gelder für Fachplaner überschreiten nach seinen Berechnungen die Millionengrenze. Das Ziel von CDU und SPD, nur noch eine „abgespeckte Variante“ des Museums zu realisieren, mache eine komplette Neuplanung notwendig. Auf den bisher entstandenen Planungskosten werde die Stadt sitzenbleiben.

          Er sei froh, dass das Projekt jetzt endlich realisiert werden solle, unterstrich Schlempp. Aber in die Konzeption des Stadtmuseums sei viel Arbeit investiert worden. Im Jahr 2004 habe eine Steuerungsgruppe mit den Stimmen von CDU und SPD beschlossen, das zukünftige Stadtmuseum „von innen nach außen“ zu gestalten.

          „Plötzlicher Sinneswandel“

          Den Architekten sei vorgegeben worden, welche Räume in welcher Größe und mit welcher Ausstattung im Innern des Gebäudes zur Verfügung stehen sollen. Diesen Vorgaben habe der im Jahr 2007 prämierte Architektenentwurf entsprochen. „Mit dem plötzlichen Sinneswandel der großen Koalition wird diese jahrelange und kostenintensive Arbeit über den Haufen geworfen“, meint der FDP-Politiker Schlempp. Die voreilige Aufgabe des Architektenentwurfs koste den Steuerzahler aber nicht nur Geld, sondern machte auch die bisher geleistete Arbeit der Steuerungsgruppe Stadtmuseum überflüssig und demotiviere alle Beteiligten.

          Auch der Förderverein Stadtmuseum sieht die Kurskorrektur von CDU und SPD „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“. Einerseits gebe es nun die Chance, das Quartier aufzuwerten und das Museum dort attraktiv einzufügen. Andererseits könne sich das Vorhaben zu einer Hängepartie entwickeln, wenn die Verhandlungen mit möglichen Investoren zu lange dauerten oder das gewünschte Ergebnis gar nicht erbrächten.

          Die Stadt müsse dafür sorgen, dass sich der Investor die hohen Standards für einen Museumsbau zu eigen mache, fordert Holger Stunz, der zweite Vorsitzende des Vereins. „Da darf es kein permanentes Feilschen und keine faulen Kompromisse geben.“ Schließlich hätten die kostenintensiven Vorplanungen schon gezeigt, dass ein moderner Museumsbau heute mehr sein müsse als eine reine „Vitrinengarage“. Es müsse sich erst noch zeigen, ob das „kühne Finanzierungsmodell“ tatsächlich funktioniere.

          Die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur macht auf den Baumbestand auf dem Baugelände an der unteren Wilhelmstraße aufmerksam. Wenn nun ohnehin neue Überlegungen angestellt würden, müsse man dafür Sorge tragen, dass insbesondere die Platanenallee verschont werde, teilte die Gesellschaft mit. Die Stadtregierung solle „nicht erst auf den Protest der Bürger warten, wenn die ersten Bäume fallen“.

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