http://www.faz.net/-gzg-8e4o7

Frankfurter Grünflächen : Mehr Blumen trotz Bevölkerungswachstums

Beliebt, aber nicht gut in Schuss: Das Grün am Main zeigt deutlich Spuren von vielen Besuchern bei zu wenig Pflege. Bild: Niklas Grapatin

Der desolate Zustand der Parks in den Sommermonaten treibt die Parteien ebenso um wie der Wunsch nach mehr Grün. Wie das möglich ist in einer wachsenden Stadt, bleibt offen.

          Der heiße, trockene Sommer des vergangenen Jahres hat den Umweltpolitikern unverhofft viel Aufmerksamkeit beschert. Ohne das steppenartige Aussehen des Mainufers und die nach lauen Sommerabenden verdreckten Grillplätze beispielsweise im Ostpark und am Lohrberg fänden sich in den Wahlprogrammen vermutlich nicht so viele Passagen, in denen es um den Zustand der Grünanlagen und Parks geht. Bei allen Parteien findet sich das Versprechen, mehr als bisher in die Grünpflege investieren zu wollen, ausgenommen die Grünen, die seit 15Jahren die Umweltdezernentin stellen.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für die Liberalen etwa sind gepflegte Grünanlagen in ausreichender Zahl „unverzichtbar für eine hohe Lebensqualität“. Es müsse mehr Geld in die Pflege investiert werden, und es dürfe keine überquellenden Mülleimer mehr geben. Von der Stadt bereitgestellte Hundekottüten gehören für die FDP auch dazu. Die hatte die schwarz-grüne Koalition aus Kostengründen abgeschafft. Von „grünen Oasen“, die besser und nachhaltiger ausgestattet und gepflegt werden müssen, sprechen die Sozialdemokraten, für die Parks vorrangig soziale Orte sind, in denen man seine Freizeit verbringt, sie seien „Treffpunkte für Tausende Frankfurter“.

          Parteien reagieren auf den Klimawandel

          Die CDU gesteht offen Defizite ein. Aufgrund der Sparpolitik sei „manches Wünschenswerte“ aufgehoben worden, was nun bei der Pflege der Anlagen nachgeholt werden solle. Die Union will mehr Parkwächter einsetzen, insbesondere dort, wo viel gegrillt wird. Für die Bürger für Frankfurt (BFF) deckt ohnehin jeder heiße Sommer „die Unterfinanzierung des personell überforderten Grünflächenamts schonungslos auf“.

          In dieser Deutlichkeit sind diese Forderungen in vorangegangenen Kommunalwahlen nicht erhoben worden. Die Parteien reagieren damit auf die wachsende Neigung der Frankfurter, ihre Freizeit draußen zu verbringen. Und auf den mittlerweile spürbaren Klimawandel, der Frankfurt im Sommer 2015 zwölf Tropennächte beschert hat, also Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt. In Frankfurt war im vergangenen August der Hitzerekord von 39,6 Grad gemessen worden. So heiß ist es seit Beginn der Aufzeichnungen noch nie in Hessen gewesen.

          Allenthalben werden mehr „grüne Inseln“ gefordert, wie es etwa die Linke tut, die insbesondere in der Innenstadt Orte der Ruhe und Erholung vermisst und kritisiert, dass das Stadtbild vielerorts „einer Betonwüste“ gleiche. Esbedürfe mehr Anstrengungen, der Versiegelung von Flächen entgegenzuwirken, heißt es in ihrem Programm. Die Grünen setzen auf „Urban Gardening“ und meinen, dass wilde Blumenwiesen „auch auf Restflächen überall in der Stadt passen“. Die BFF wollen sogar Grundstücke, die schon lange brachliegen, im Einverständnis mit den Eigentümern von der Stadt begrünen lassen, „mit Rasen oder Pflanzen, die auf kargem Boden gedeihen“. Die FDP fordert Kräuter- und Blumenwiesen, „wo es geht“.

          Die CDU setzt stattdessen eher auf den Erhalt der Kleingärten. Sie will lediglich Straßen und Plätze angemessen begrünen und fordert dort ausreichend Schattenplätze. Die könnten zur Not auch über Sonnensegel geschaffen werden, so die Union, bei der Wahl des Belags müsse zudem auf das Material geachtet werden, damit es sich im Sommer nicht zu stark aufheizt.

          Frischluftschneisen „als zentralen Punkt der Stadtentwicklung“

          Und noch etwas findet sich dieses Mal stärker denn je in den Programmen: das Versprechen, angesichts steigender Bautätigkeit das Grün in der Stadt zu erhalten und sogar zu erweitern. Bis auf die SPD lehnen alle Parteien denn auch das von den Sozialdemokraten ins Spiel gebrachte Neubaugebiet auf der grünen Wiese, den Pfingstberg im Norden der Stadt, ab. Doch wie das Grün angesichts des rasanten Wachstums der Bevölkerung erhalten und gemehrt werden könnte, bleibt im Vagen.

          Die Grünen werden noch am deutlichsten. Sie wollen ihr Konzept, grüne Speichen von der Innenstadt bis in den Grüngürtel zu entwickeln, weiterverfolgen. Im Norden möchten sie Landschaftsschutzgebiete zum Teil des Grüngürtels machen und das Mainufer dort, wo es möglich ist, als öffentliche Grünfläche verlängern. Den Park hinter dem Museum der Weltkulturen, den auch die Grünen vor wenigen Jahren noch als Erweiterungsfläche für das Museum gesehen haben, wollen sie nun planungsrechtlich als Park ausweisen, um ihn zu schützen.

          Die Grünen, die den Erhalt von Frischluftschneisen und die Schonung von Kaltluftentstehungsgebieten „als zentralen Punkt der Stadtentwicklung“ sehen, geben am offensten zu, dass „uns klar ist, dass nicht jede Acker-, Brach- oder Grünfläche stadtklimatisch unverzichtbar ist“. Vermutlich weisen sie damit auf das geplante Innovationsquartier hin, das die Grünen-Fraktion im Römer an der Friedberger Landstraße errichten möchte – noch gegen den erbitterten Widerstand der Grünen-Basis in den Nachbarstadtteilen.

          Auch die Energiewende beschäftigt die Parteien, Streit über den von der schwarz-grünen Stadtregierung eingeschlagenen Weg ist jedoch nicht zu entdecken. Allein die SPD hält den bisherigen städtischen Zeitplan, bis 2050 die Energieversorgung auf erneuerbare Energien umzustellen, für nicht ehrgeizig genug: Sie will das Ziel schon 2040 erreichen.

           

          Weitere Themen

          Behörden kämpfen weiter Video-Seite öffnen

          Ebola im Kongo : Behörden kämpfen weiter

          Erste Isolierstationen und Impfstoff sind in der Region um die kongolesische Stadt Mbandaka eingetroffen. Trotz aller Schwierigkeiten sei man gut vorbereitet heißt es von offizieller Seite.

          Wir sind alle wie Trump

          Bruno Latour im Interview : Wir sind alle wie Trump

          Der französische Soziologe Bruno Latour war schon immer gut darin, scheinbar unvereinbare Dinge zusammenzubringen: Ein Gespräch über Klimawandel, Heimat und Globalisierung – und ein neues politisches Denken.

          Topmeldungen

          Bamf-Außenstelle : Seehofer verbietet Bremen Asylentscheidungen

          Horst Seehofer hat der Bremer Außenstelle des Flüchtlingsbundesamtes (Bamf) verboten, über Anträge von Flüchtlingen zu entscheiden. Damit zieht der Innenminister erste Konsequenzen aus der Affäre um unrechtmäßige Asylentscheide.

          Dreißigjähriger Krieg : Das große Sterben

          Mit dem zweiten Prager Fenstersturz begann vor 400 Jahren für Mitteleuropa eine Katastrophe. Zeitgenössische Texte dokumentieren sie bestens. Trotzdem konnte die Archäologie in jüngster Zeit noch Neues darüber erfahren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.