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Staatstheater Mainz : Wir machen den Teppichführerschein

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Zurück in Kinderwelten: Aladin und die Wunderlampe. Bild: Bettina Müller

Weihnachtsmärchen mit Lampengeist: Das Staatstheater Mainz zeigt „Aladin und die Wunderlampe“ als Orient-Pop-Spektakel.

          Das Große Haus des bis auf den letzten Platz besetzten Mainzer Staatstheaters erlebt einen solchen Lärm gewiss nicht oft. Das schrille Kreischen von gefühlt tausend Grundschulkindern könnte nicht größer sein, wenn Justin Bieber persönlich auf der Bühne erschiene, dabei ist es in Wirklichkeit doch nur der grundsympathische Aladin (Mathias Spaan), der gefesselt und geknebelt in einem Käfig über der Bühne schwebt. Angesichts der Freveltat des intriganten Großwesirs (Stefan Walz, der auch den bösen Zauberer spielt) kippt die Stimmung beinahe ins Hysterische. Es fehlte nicht viel, und der Fiesling wäre mit Pausenbrezeln gesteinigt worden.

          So viel jedenfalls ist gewiss: Die zur Premiere aus vielen Mainzer Grundschulen ins Theater gekommenen Schüler identifizieren sich hemmungslos mit Aladin und seiner geliebten Prinzessin Aaliyah (Pascale Pfeuti), rufen ihnen Warnungen zu und versuchen durch lautstarkes Empörungsgebrüll, die Heiratspläne des wetterwendisch-gemütlichen Sultans (Tibor Locher) zu durchkreuzen. Wie gut, dass alle Schauspieler in Mikrofone sprechen. Dennoch sieht man bisweilen nur an ihren Mundbewegungen, dass sie gerade etwas sagen.

          Natürlich gibt es im Foyer die CD zur Show

          Wenn sie nicht sprechen, singen sie zum begeisterten Mitklatschen geeignete Songs, von fetzigen Orientrhythmen begleitet (Musik: Markus Reyhani), die der ganzen, mit Pause gut zwei Stunden langen Veranstaltung vollends den Charakter eines Pop-Events geben, für das sogar die Garderobieren und das Thekenpersonal mit orientalischen Kopfbedeckungen ausgestattet worden sind. Ein Pop-Märchen aus Tausendundeiner Nacht als knallbuntes Gesamtkunstwerk einschließlich Merchandising, denn natürlich gibt es im Foyer die CD zur Show.

          Wer beckmessern möchte, dass das alles wenig mit einem Weihnachtsmärchen zu tun hat, dass die Kinder mit der knallbuntlauten Überwältigungsästhetik traktiert werden, die ihnen auch in Film, Computerspiel und Fernsehen vorgesetzt wird, kommt schwer an gegen die Begeisterungswoge von Marcus Mislins Inszenierung, bei der die Akteure am Ende erst nach einer Zugabe von der Bühne gehen dürfen. Zudem hat Mislin aus dem bekannten Märchenstoff eine so plausible, mit vielen durchaus auch subtileren Scherzen garnierte Version des Stoffes auf die große Bühne gezaubert, dass auch Erwachsene nicht zwangsläufig unter Niveau unterhalten werden. Ein so simpler wie köstlicher Einfall ist etwa der dauernde Hunger des Lampengeistes Cem (Gregor Trakis), der wie ein Bagdad-Obelix immer nur daran interessiert ist, ob es auch genug zu essen gibt, und sich seinen fliegenden Teppich mit einigen anderen Geistern teilen muss. Den notwendigen Teppichführerschein besitzt der gefräßige Schlingel natürlich auch nicht.

          Neben den Songs sind das farbenprächtige, geschickt wandelbare Bühnenbild (Elisabeth Pedross) mit seinen zauberhaften Orientalismen und die schon in sich komischen Kostüme (Petra Bongard) für die vom ersten Moment an überzeugende Wirkung dieser aufwendigen Märcheninszenierung verantwortlich. Da stimmen auch die Nuancen, selbst wenn der vordergründige Knalleffekt beim minderjährigen Publikum entscheidend sein mag. Die Feinheiten der Schauspielkunst indes beschränken sich auf große Gesten, viel Körpereinsatz, Augenrollen und offenstehende Münder. Für Zwischentöne ist da kein Platz. Sie würden in Aladins Orient-Pop-Show ohnehin untergehen.

          Weitere Vorstellungen

          Nächste Aufführung heute von 11 Uhr an, weitere Vorstellungen bis 24.Januar, sämtliche Termine unter www.staatstheater-mainz.de.

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