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Sportwetten-Reform : Lotto Hessen: Neue Freiheit steht nur auf dem Papier

Weil die Ausschreibung für die Sportwetten-Lizenzen erst im August erschienen ist, kann etwa Lotto Hessen bis auf weiteres nicht mit seinem neuen ODS-Angebot an den Markt Bild: dpa

Zwar ist der auch in Hessen geltende Staatsvertrag seit dem 1. Juli in Kraft. Nur kann Lotto Hessen mit dem neuen Sportwetten-Angebot auftreten. Nicht nur in diesem Fall arbeitet die Bürokratie dem Anbieter viel zu langsam.

          Mit Beginn der neuen Bundesligasaison könnten wettfreudige Fußballfans von Freitag an ganz legal beim Anbieter ODS wetten und so hohe Quoten erzielen wie bei den in Deutschland bisher illegal tätigen Unternehmen Bwin, Bet-at-home und anderen. Gleichzeitig könnte Lotto Hessen als Gründer von ODS namhafte Umsätze durch Wetteinnahmen erzielen, die diese Gesellschaft in den vergangenen fünf Jahren aus rechtlichen Gründen nicht erwirtschaften durfte. Von diesen Einnahmen könnten nicht zuletzt die Denkmalpflege oder der Landessportbund als Empfänger von Lottomitteln profitieren. Doch dazu kommt es nicht - obwohl der neue Glücksspielstaatsvertrag die Liberalisierung des Sportwettenmarkts durch die Vergabe von 20 Lizenzen vorsieht.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zwar ist der auch in Hessen geltende Staatsvertrag seit dem 1. Juli in Kraft. Nur kann Lotto Hessen mit dem neuen Angebot seiner Beteiligung Oddset Deutsche Sportwetten GmbH vorerst weder im Internet noch in den Lotto-Annahmestellen punkten. Denn Wettanbieter können sich seit wenigen Tagen überhaupt erst um eine Lizenz bewerben.

          „Private Konkurrenz freut sich“

          “Die Sportwettenausschreibung ist erst am 4. August erschienen - und per Ende Januar sollen unter Umständen die Konzessionen erteilt werden“, sagt Heinz-Georg Sundermann, Geschäftsführer von Lotto Hessen kopfschüttelnd. Aus seiner Sicht behindert der Staat seine eigenen Glücksspielanbieter, weil die Aufsichtsbehörden sich über Gebühr Zeit lassen, die Vorgaben des Staatsvertrags mit Leben zu füllen. Die private Konkurrenz freue sich „jeden Tag, den es mit der Lizenzvergabe länger dauert“. Denn die Oddset-Wette leidet bisher unter der Auflage, 35 Prozent der Einnahmen als Steuern und Zweckabgaben abführen zu müssen, sie kann deshalb nur 55 Cent je eingezahlten Euro wieder ausschütten.

          Private unterliegen nicht dieser Vorgabe und können Quoten von 90 Prozent zahlen. Der neue Staatsvertrag soll in dieser Stelle für gleiche Bedingungen sorgen und auch Oddset hohe Quoten ermöglichen. Nun müssen sich aber Lotto Hessen und sieben weitere Lotteriegesellschaften der Länder als ODS-Teilhaber gedulden, obwohl sie schon insgesamt zwölf Millionen Euro in ihr neues Angebot investiert haben.

          Eine kuriose Folge dieser Verzögerung: Zwar ist ODS nun Partner von Borussia Dortmund - Bandenwerbung im Stadion des deutschen Fußball-Meisters bietet man aber mangels Lizenz vorerst nicht an. Einfach mit ODS ins Internet zu gehen und den Privaten Konkurrenz zu machen kommt für Sundermann nicht in Frage. Ein solcher Schritt könnte von den Aufsichtsbehörden im Lizenzverfahren als Zeichen von Unzuverlässigkeit ausgelegt werden, meint er. Auch werde der Internetvertrieb durch Anmeldevorgaben für Nutzer unnötig erschwert.

          Ärger um Werbung

          Eingeschränkt sieht Lotto Hessen sich nach wie vor bei der Werbung. Wie aus Gerichtsurteilen hervorgeht, dürfen die Wiesbadener bei einer Sonderauslosung auf einem Plakat keine jungen Leute mit Hund im offenen Cabrio zeigen - weil es zu anheimelnd und werblich wäre. Dies liefe wiederum der Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts von 2006 zuwider, der Spielsucht zu begegnen. Die Privaten kümmert all dies augenscheinlich nicht: Ein Anbieter wirbt mit Plakaten, die eher an Telefonsex erinnern als an Wetten. Und eine neue Werberichtlinie der Länder sorgt aus Sundermanns Sicht nicht für Abhilfe, sondern vielmehr für Zensur. Die staatlichen Anbieter müssten ihre geplante Werbung behördlich absegnen lassen, bevor sie sie in Zeitungen oder im Internet plazieren könnten. Auch der Zeitungsverlegerverband und die Werbewirtschaft bemängeln diese Richtlinie.

          Auch hadert der Lotto-Chef mit der Bürokratie bei der Zulassung von Spielevermittlern, die gemäß Staatsvertrag schon seit Juli mit den Wiesbadenern zusammenarbeiten könnten, so wie es bis zum Urteil von 2006 schon der Fall war. Das zentral zuständige Wirtschaftsministerium in Hannover hat im Juni mitgeteilt, noch an detaillierten Regelungen zu arbeiten. „Wir haben zwar in Hessen im bundesweiten Vergleich die besten Arbeitsbedingungen, das nutzt aber wenig, da Restriktionen aus anderen Ländern auf uns übergreifen“, gibt Sundermann zu bedenken.

          Quelle: F.A.Z.

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