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Volleyballnationalmannschaft : Drei für Deutschland

Irina Kemmsies: „Spaß treibt mich an“ Bild: Imago

Vom VC Wiesbaden zur deutschen Nationalmannschaft: Tanja Großer, Irina Kemmsies und Dora Grozer haben sich prächtig entwickelt und werden nun belohnt.

          Zur Vereinsphilosophie des VC Wiesbaden gehört es, mit möglichst vielen jungen deutschen Spielerinnen zu agieren. Das gelingt nicht immer, aber immer öfter: Unter den acht Volleyballerinnen, die schon für die kommende Saison einen Vertrag unterzeichnet haben, sind sechs Deutsche – keine älter als 24. Drei von ihnen wurden nun erstmals für die Nationalmannschaft nominiert.

          Irina Kemmsies, die soziale Bestimmerin

          Eine davon: Zuspielerin Irina Kemmsies, 21, aus dem Volleyball-Internat des USC Münster hervorgegangen und 2016 zum VCW gewechselt. In ihrer Debütsaison setzte sie sich im internen Duell der Zuspielerinnen gegen Lia-Tabea Mertens durch. Danach gab sie praktisch während der gesamten Saison den Ton an. „Das ist auch dem Bundestrainer aufgefallen“, freut sich Vereinstrainer Dirk Groß, der seine Nummer eins am Netz als „starke Persönlichkeit“ beschreibt. „Sie ist ein sehr kommunikativer Mensch, hat einen guten Kontakt mit allen Spielerinnen.“ Das passt zu ihrem Berufsziel: Kemmsies studiert Sozialwesen an der Hochschule Rhein-Main. Widersprüche zum Leistungssport sieht sie dabei aber nicht: „Im Team musst du auch hilfsbereit sein“, sagt sie. Doch das Wichtigste: „Spaß treibt mich an.“ Ohne Spaß wäre alles Arbeit, so die Philosophie der Jung-Nationalspielerin.

          Fingen gemeinsam beim VCW an: Irina Kemmsies und Dora Grozer kamen 2016
          Fingen gemeinsam beim VCW an: Irina Kemmsies und Dora Grozer kamen 2016 : Bild: Achim Dreis

          „Ich hoffe, dass sie körperlich mithalten kann“, bangt Groß um die physische Komponente bei der zart wirkenden Zuspielerin. Denn Athletik wird gefordert sein in diesem Sommer: Nach dem Auftakt-Lehrgang, zu dem Bundestrainer Felix Koslowski seit diesem Montag in Heidelberg geladen hatte, stehen zwei Testspiele gegen Ungarn an (19. und 21. Mai), ehe es bei der WM-Qualifikation in Portugal (31. Mai bis 4. Juni) ernst wird. Ein Turnier in Montreux (6. bis 11. Juni) und der weltweit ausgetragene Grand Prix (7. bis 30. Juli) schließen sich an, ehe zum Saisonhöhepunkt die EM-Endrunde im fernen Aserbaidschan (22. September bis 1. Oktober) ausgespielt wird.

          Dora Grozer, die schnelle Aufsteigerin

          Als Dora Grozer vor Jahresfrist von den Ladies in Black Aachen zum VC Wiesbaden wechselte, kündigte sie an, sie wolle bei einem „professionell geführten Verein“ ihren nächsten Karriereschritt angehen. Es ist ihr durchaus gelungen. Die junge, „stets wissbegierige Spielerin“, wie Groß sie charakterisiert, reifte im Laufe der Saison zur Nationalspielerin heran. Und das, obwohl die 21-Jährige zu Beginn der Spielzeit wegen Knie- und Oberschenkelproblemen zeitweise aussetzen musste. Umso stärker konnte die Außenangreiferin auftrumpfen, als sie wieder fit war: „Sie ist sehr sprunggewaltig, sehr dynamisch“, lobt Groß, der die Stärken der gebürtigen Duisburgerin „eindeutig im Angriff“ sieht. Genau das liegt in der Familie: Dora Grozer ist die „kleine“ Schwester von Georg Grozer, dem „Hammerschorsch“, einem der schlagkräftigsten Volleyballspieler des Jahrhunderts.

          Dora Grozer: Kein Problem mit dem großen Namen
          Dora Grozer: Kein Problem mit dem großen Namen : Bild: Picture-Alliance

          Der 151-malige deutsche Nationalspieler und fünfmalige „Volleyballer des Jahres“ gewann als Weltreisender in Sachen Angriffs-Volleyball auch schon Meistertitel in Polen, Russland und China. Mit ihrem „großen“ Familiennamen kann Dora Grozer aber gut umgehen, schließlich war auch ihr Vater Nationalspieler. Ihr jüngerer Bruder spielt ebenfalls in der Bundesliga. An Selbstbewusstsein mangelt es der 1,82 Meter großen Spielerin jedenfalls nicht. Bevor sie zum VCW wechselte, war dem Wiesbadener Scout Detlev Schönberg bereits Doras Ausstrahlung auf dem Feld aufgefallen. Allerdings müsste sie körperlich noch etwas „belastungsverträglicher“ werden, findet Groß. Durch ein spezielles Aufbauprogramm soll sie muskulär zulegen, um den Strapazen einer langen Saison besser gewachsen zu sein. Schwächen ihres Spiels liegen derzeit noch in der Annahmesituation. „Da müsste sie stabiler werden“, sagt Groß, der aber davon ausgeht, dass der ohnehin ausgeprägte Ehrgeiz der Marketing-Studentin durch ihre Nominierung zur Nationalmannschaft „noch geschürt“ wird.

          Tanja Großer, die junge Dienstälteste

          Sie gehört beim VCW schon zur Stammbelegschaft, obwohl sie erst 23 Jahre jung ist: Außenangreiferin Tanja Großer geht schon in ihre sechste Saison in Wiesbaden. Damit ist die Berlinerin mit Abstand die Dienstälteste im aktuellen Kader und gehört damit zu den vereinsprägenden Figuren: Nur Julia Osterloh, Steffi Lehmann (beide 9 Jahre) und Martina Novotna (7) spielten länger für die Hessen in der Bundesliga. Großer kam einst „als Küken“ aus der Hauptstadt nach Wiesbaden, erinnert sich VCW-Geschäftsführerin Nicole Fetting: „Wir konnten einen Reifeprozess erleben, sehen, wie sie sich zur absoluten Stammspielerin entwickelt hat.“ Und obwohl Tanja „nicht die Lauteste“ sei, wie Groß sie charakterisiert, wuchs die junge Berlinerin nach und nach beim VCW in die Rolle der Führungsspielerin hinein.

          Tanja Großer: vom Küken zur Führungskraft entwickelt
          Tanja Großer: vom Küken zur Führungskraft entwickelt : Bild: Imago

          Zwar ist sie mit 1,78 Meter auch nicht die Größte, dennoch avancierte die Außenangreiferin zu einer verlässlichen Punktelieferantin. In der zurückliegenden Bundesliga-Hauptrunde sammelte sie starke 273 Zähler. Damit war sie nicht nur Wiesbadens Topscorerin, sondern auch die Nummer fünf der gesamten Liga und nach Louisa Lippmann (Schwerin) sogar die zweitbeste Deutsche. Eine Leistung, die auch Bundestrainer Koslowski nicht verborgen blieb. „Tanja ist Stammspielerin beim Drittplazierten der Bundesliga. Sie ist eine Persönlichkeit auf dem Spielfeld und hat maßgeblichen Anteil am diesjährigen Erfolg des VC Wiesbaden“, so Koslowski, der in Personalunion auch Trainer von Meister Schwerin ist.

          Tanja Großer kann umso stolzer über das Erreichte sein, da sie sich nicht ausschließlich auf den Volleyballsport konzentrieren kann. Nach Abschluss ihrer Ausbildung will sie nun noch das Fachabitur nachholen. Dass sie vom Verein bei ihrer Dualen Karriere unterstützt wird, ist für die Berlinerin ein weiterer Grund, dem VCW treu zu bleiben: „Das Umfeld, der Klub, alles hier in Wiesbaden ist wunderschön.“

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          Quelle: F.A.Z.

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