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Veröffentlicht: 30.12.2012, 23:23 Uhr

VC Wiesbaden im Pokalfinale Westfälisches Wembley erreicht

Die Volleyballfrauen des VC Wiesbaden siegen 3:0 bei MTV Stuttgart und beschließen das Jahr mit großem Selbstbewusstsein. Im März reisen sie zu ihrem ersten großen Finale nach Halle.

von , Stuttgart
© Wonge Bergmann Immer eine Hand höher: Wiesbadens Volleyballfrauen in Stuttgart

Halle in Westfalen klingt nicht gerade wie Wembley, aber vermutlich ist es nur eine Frage des gelernten Hörens. „Jeder, der in Deutschland Volleyball spielt, sollte da einmal hin“, sagt die Wiesbadener Kapitänin Regina Burchardt. „Es ist ein anderer Planet“, ergänzt Mitspielerin Micheli Tomazela. Halle in Westfalen hat für Volleyballspieler den Klang einer Traumdestination, denn der Name ist das Synonym für Pokalfinale, große Kulisse mit 10.000 Zuschauern, Riesenstimmung und am Ende vielleicht der Gewinn eines Titel.

Achim Dreis Folgen:

Für die Spielerinnen des VC Wiesbaden hat sich zum Jahresabschluss 2012 der letzte große Schritt auf dem Weg zu diesem Ziel erfüllt, die Dienstreise an den Ort der Sehnsucht ist fixiert. Mit 3:0 Sätzen (25:18, 25:16, 25:22) gewann der hessische Volleyballklub am Nachmittag vor Silvester im Halbfinale des deutschen Volleyball-Pokals bei Allianz MTV Stuttgart unerwartet klar und zog hochverdient ins Finale am 3. März ein.

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Von einer nervösen Anfangsphase abgesehen, hatten die Wiesbadenerinnen nicht nur Ball und Gegner, sondern auch ihre Nerven im Griff. Zwar lagen sie zunächst in Rückstand, doch nach dem 6:7 im ersten Durchgang dominierten die ganz in Schwarz angetretenen Wiesbadenerinnen das Geschehen auf dem Feld. Variantenreiche Zuspiele von Martina Viestova, dynamische Angriffe von Ksenija Ivanovic und Heather Meyers, starke Blockarbeit von Rebecca Schäperklaus und Micheli Tomazela, dazu eine exzellente Feldabwehr von Erika Carvalho de Sousa und eine Regina Burchardt, die der emotionale Kopf des Ganzen war, gut verteidigte und am Ende mit zwölf Punkten auch beste Angreiferin war: Die erste Sieben - Startsechs plus Libera - ließen keinen Schwachpunkt erkennen. Kein Wunder, dass Trainer Andreas Vollmer die Spielerinnen seiner Wahl ohne Auswechslung durchspielen ließ. „Wenn du 3:0 gewinnst, kannst du nix sagen“, erklärte Vollmer - die schwäbische Form des höchsten Lobs. Doch dann schwärmte der glückliche Trainer regelrecht von der physischen Präsenz, den wuchtigen Schlägen und der guten Verteidigung seiner Mädchen. Drei Wochen konzentriertes Hin-Arbeiten auf das Pokalspiel hatten sich ausgezahlt.

Konsequentes Doppel-Blocken

Bis zum Mittelteil des ersten Satzes hielten die Schwäbinnen den Abstand noch auf Sicht, beim 16:15 schien sogar der Ausgleich nah, doch dann forcierten die VCW-Frauen das Tempo und zogen über 19:15 und 22:17 auf 25:18 davon. Die taktische Vorgabe, die starken schwäbischen Angreiferinnen durch konsequentes Doppel-Blocken aus dem Spiel zu nehmen, zahlte sich aus. Die sonstige Topscorerin Deborah van Daelen ging mit ganzen vier Punkten vom Feld.

Volleyball-Frauen-Bundesliga - VC Wiesbaden - Sonthofen in der Halle am 2.Ring in Wiesbaden. © Wonge Bergmann Vergrößern Anführerin und Punktesammlerin: Regina Burchardt

Im zweiten Spielabschnitt war die Überlegenheit der Wiesbadener „Ladies in Black“ noch frappierender. Von 8:6 bauten sie den Vorsprung auf 18:9 aus, und dieses Polster reichte locker bis ins Ziel (25:16). „Hätte nicht gedacht, dass es so leicht wird“, sagte Regina Burchardt. Satz drei zeigte dann noch einmal die spannende Seite des Sports. Wieder ging der VCW mit 8:6 in die technische Auszeit, doch diesmal ließen sich die Blauen nicht abschütteln, lagen mit 11:12 sogar noch mal in Führung, und die Mehrzahl der 2060 Zuschauer in der ausverkauften Stuttgarter Arena erwachte zu neuem Leben und Lärm. Doch dann zettelte Ivanovic mit einem fulminanten Angriffsschlag eine Wiesbadener Rallye an - von 15:15 ging es auf 20:15 davon. Die mit zwei Fanbussen angereiste hessische Fan-Hundertschaft hatte die Tribünen wieder ebenso gut im Griff wie die Spielerinnen das Geschehen auf dem Feld - und schließlich verwandelte Burchardt nach 75 Minuten Spielzeit den zweiten Matchball zum 25:22.

Nicht alle sind zum ersten Mal im westfälischen Wembley

Der Drei-Satz-Sieg war der erste Halbfinalerfolg in der Geschichte des VCW. Die beiden Male zuvor in den Spielzeiten 2007/08 und 2011/12 war der Club stets in der Vorschlussrunde gescheitert. Zuletzt am späteren Meister und Pokalsieger Schweriner SC glatt mit 0:3.

Auf den treffen sie nun wieder im Finale, denn Schwerin setzte sich im zweiten Semifinale mit 3:2 gegen die Roten Raben Vilsbiburg durch. „Wir brauchen keine Angst vor Schwerin zu haben“, blickte Vollmer schon voraus, denn in der Bundesliga hat der Tabellenführer die einzige Saison-Niederlage mit 2:3 gegen den VCW kassiert. „Schwerin ist sicher Favorit“, sagte Regina Burchardt, „aber wir haben bewiesen, was wir können.“ Sie selbst wird nun noch gefragter sein und kann ihren Mitspielerinnen in den buntesten Farben ausmalen, was in Halle auf sie zukommt. Regina Burchardt war nämlich schon mal im „westfälischen Wembley“ - 2009 hat sie dort mit ihrem ehemaligen Klub Rote Raben Vilsbiburg den Pokal gewonnen.

Quelle: F.A.Z.

 

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