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Turf in Niederrad Tarlac läßt die Favoriten locker stehen

 ·  Der Schlußkommentar hätte lockerer nicht ausfallen können. "Dann war es ziemlich eindeutig", sagte Terence Hellier zur beeindruckenden Vorstellung des vier Jahre alten Wallachs Tarlac auf den letzten zweihundert Metern.

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Der Schlußkommentar hätte lockerer nicht ausfallen können. "Dann war es ziemlich eindeutig", sagte Terence Hellier zur beeindruckenden Vorstellung des vier Jahre alten Wallachs Tarlac auf den letzten zweihundert Metern. Hellier hatte Tarlac vor 6000 Besuchern kurz zuvor zum Sieg im neunten und vorerst letzten Lotto Hessen-Pokal geführt, als Gruppe-III-Rennen der Sommerhöhepunkt der Frankfurter Turfsaison. Es war das dritte Rennen von Tarlac in dieser Saison, es war der dritte Sieg in Folge, und ein Ende dieser Serie ist angesichts der läuferischen Klasse dieses Pferdes auf der 2000-Meter-Distanz nicht abzusehen. Trainer Andreas Schütz (Köln) blieb folglich recht gelassen nach diesem Erfolg. Nicht, weil er als einer der renommiertesten Trainer hierzulande Siege am laufenden Band gewohnt ist, nein, von Tarlac hatte er eine hohe Meinung, seit er ihn im Stall hat. "Er war mein bester Zweijähriger, bekam als Dreijähriger Probleme, mußte deswegen viel aussetzen und zeigt jetzt als Vierjähriger, was in ihm steckt", sagte Schütz in aller gebotenen Kürze.

Was in Tarlac steckt, mußten die beiden Favoriten dieses Rennens schmerzlich erleben. Die von Peter Schiergen ebenfalls in Köln trainierten Gentle Tiger und Saldentigerin wurden auf der Zielgeraden von Tarlac stehengelassen wie Schuljungen. Der von Gentle Tigers Besitzer, Georg Baron von Ullmann, eigens engagierte Spitzenjockey Olivier Peslier war am Ende ebenso sprachlos wie Schiergen selbst. Dem stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, mußte er doch nach dem Deutschen Derby, als er die beiden hohen Favoriten ins Rennen geschickt hatte, die nächste große Enttäuschung verkraften - und diese dem Besitzer erklären, was oftmals schwieriger ist, als eine Niederlage zu verkraften. Hinter dem zweitplazierten Apeiron (Jockey Jean-Pierre Cavalho) und der auf Rang drei eingekommenen Stute Dalicia (Torsten Mundry) kam Saldentigerin unter William Mongil (Schiergen: "Sie sollte auf Reserve, aber nicht so weit hinten geritten werden") auf Rang vier, Gentle Tiger landete auf Platz fünf, wofür es nicht einen Cent mehr gab.

Am Ritt von Peslier gab es deswegen einiges zu bekritteln, was Schiergen aus guten Gründen nicht tun wollte, aber der Racing Manager der Ullmann-Dynastie, Paul Harley, tat es an seiner Stelle mit - zum Glück für Schiergen und Peslier - britischem Understatement. Zu "offensiv" sei der Ritt von Peslier ausgefallen. Die Order sei nicht gewesen, umgehend nach dem Start die Spitze des Elferfeldes zu nehmen und sie mit aller Macht zu verteidigen. "Er sollte sich an zweiter, dritter, besser noch an vierter Stelle postieren, um am Ende zulegen zu können. So aber hat das Pferd zu viel gemacht", sagte Harley zu Pesliers Parforceritt, der der Gegnerschaft gerade zupaß kam und Schiergen am Ende rat- und sprachlos zurückließ. Bis vor zwei Wochen war es im Schiergen-Stall fast makellos gelaufen, jetzt scheint ihm die Form abhanden gekommen zu sein.

Strahlende Gesichter dagegen beim in Alpen am Niederrhein beheimateten Gestüt Olympia, Tarlacs Eigner, nicht nur wegen der Siegbörse von 32 000 Euro, womit Tarlac seine bisherige Gewinnsumme auf einen Schlag verdoppelte. Jetzt zahlt sich die Geduld aus, die sowohl Trainer als auch Besitzer mit dem Pferd hatten. Das vergangene Jahr hatte Tarlac, ein Nachkomme des im Odenwald im Gestüt Etzean stehenden Deckhengstes Dashing Blade, mehr mit Pausen und Verletzungen hinter sich gebracht, als daß er auf der Rennbahn gesichtet worden wäre, um sein großes Potential demonstrieren zu können. "Probleme mit den Hufen, Probleme mit dem Rücken", sagt Egon Oehmen von Olympia, hätten den Verzicht auf Rennen unumgänglich gemacht. "Jetzt kann er zeigen, was er wirklich kann", sagt Schütz zu dem im vergangenen Herbst vom Hengst zum Wallach "beförderten" Tarlac. Monatelang war Tarlac nach intensiven medizinischen Untersuchungen im Gestüt, wurde langsam wiederaufgebaut, in der Halle bewegt und auf das neue Jahr vorbereitet, in das er dann vorzüglich gestartet ist. Kein Wunder, daß Schütz weiter Großes mit ihm vorhat. In Iffezheim soll er während der Großen Woche das Spreti-Rennen bestreiten, anschließend vermutlich in Frankfurt im September das Gruppe-II-Rennen um den Merrill Lynch Euro-Cup. Als absolute Krönung des Jahres wird dann im Spätherbst Rom angesteuert, wo Tarlac den Premio Roma, ein Gruppe-I-Rennen, nach Möglichkeit gewinnen soll. Den Premio Roma hat Schütz mit der Ausnahmestute Elle Danzig schon zweimal gewonnen.

Die beiden einheimischen Starter blieben in dieser hochkarätig besetzten Prüfung ohne Chance. Am besten hielt sich noch der von Dave Richardson für das Gestüt Erlenhof aufgebotene drei Jahre alte Hengst Do it unter Jozef Bojko als Achter, die von Heinz Hesse trainierte fünf Jahre alte Stute Golden Rose wurde unter Hana Mouchova Vorletzte, ließ als einzigen Starter Genios hinter sich, dem sie bei einem Listenrennen vor fünf Wochen in Dresden (Sieger Tarlac!) noch hatte den Vortritt lassen müssen.

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