06.01.2007 · „Dieser Tage brechen alle möglichen Fußballmannschaften wieder in südliche Länder in Trainingslager auf. Warum muss es eigentlich immer so weit sein?“ Die Antwort steht in der Frankfurter Sportberatung.
Von Steffen Gerth„Dieser Tage brechen alle möglichen Fußballmannschaften wieder in südliche Länder in Trainingslager auf. Warum muss es eigentlich immer so weit sein?“
Weil unter der brennenden Sonne Arabiens beispielsweise die Schinderei eine besondere Aura bekommt. Wühlen im Sand, schwitzen in der Hitze - da fühlt sich der Fußballprofi ein wenig wie ein Wüstenkrieger. Thomas Doll, der trotz-allem-immer-noch Trainer des Hamburger SV, hat bereits angekündigt, dass sein Team in den kommenden Tagen in Dubai bestimmt mehrmals „über das Limit“ gehen muss.
Das klingt fast schon nach einen Aufenthalt in einer Art Lager in der kubanischen Guantanamo-Bucht als nach Übungseinheiten für den bevorstehenden Abstiegskampf in der Bundesliga. Vielleicht hat er aber auch nur die Auswirkungen der exotischen Küche gemeint. Die Eintracht zieht es an diesem Wochenende an die portugiesische Atlantikküste, die Mainzer Kollegen stählen Körper und Geist an der andalusischen „Küste des Lichts“.
Mediterranes Ambiente
Damit die Rheinhessen den Trip finanzieren konnten, bolzten sie ein bisschen nach Zahlung eines Antrittsgelds beim Hallenturnier um den Pokal einer Bierbrauerei mit. Und der SV Darmstadt 98 hat sich das Geld für die Fitnessreise nach Mallorca mühsam bei Sponsoren zusammengebettelt. Denn bei den lukrativen Hallenturnieren ist für die „Lilien“ kein Platz mehr.
Aber auch ihr Abstiegskampf in der Regionalliga ist offenbar nur zu bestehen, wenn die drittklassigen Kicker zuvor im mediterranen Ambiente das trainieren, was ihnen in Südhessen bislang nur mäßig gelang. Ob sich diese hübschen Fernreisen auszahlen? Wird sich zeigen, wenn die Ligen den Spielbetrieb aufnehmen - und das meist zu Beginn der wirklich kalten Jahreszeit.
Gefrorene Plätze - viel zu gefährlich
Denn mittlerweile ist es ja üblich, dass der Winter nicht mehr mitten im Winter mit den winterspezifischen Gegebenheiten (Schnee! Frost!) aufwartet, sondern eher so im Früh-Sommer. Dann gefrieren Fußballplätze, Anfahrtswege - und der Verband sagt: no sports. Viel zu gefährlich. Die Spieler werden dann grummelig, weil das ganze hübsche Training in völlig unterschiedlichen Klimazonen für die Katz' war. Manche reagieren verschnupft, weil plötzlich null statt zwanzig Grad gemessen werden.
Macht irgendwie alles wenig Sinn. Trotzdem sind diese warmen Winterlager wunderbare Veranstaltungen, weil manch mitgereister Reporter uns eine schöne Geschichte erzählt von unseren Helden in fremden Ländern. In „Sportbild“ blättern wir dann durch faszinierende Fotostrecken mit viel Sand, manchmal auch Sonnenuntergängen und Profis lümmelnd in mondänen Hotelbetten. Das guckt man sich schnell an - und schaltet dann doch lieber den Fernseher an, um Premier League zu sehen. Denn die spielen derzeit einfach weiter daheim Ligafußball. Und weil auf der Insel keine Sonne scheint, knipst man einfach das Flutlicht an.
Scwitzen in der Hitze
Tobias Olbrich (Tobsse)
- 06.01.2007, 20:51 Uhr