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Stefan Zeller Meister der Vielseitigkeit

 ·  Kapitän Stefan Zeller beendet mit 27 Jahren seine Karriere bei den Hockey-Herren des SC 1880 - er hat zu viel zu tun.

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© imago sportfotodienst Stefan Zeller ist einer der „Väter des Erfolges“ bei den Hockey-Herren des SC 1880

Es war Ende April, als die Hockey-Herren des SC 1880 guten Grund zum ausgiebigen Jubel hatten: Ein 3:1-Sieg über den Crefelder HTC sicherte den Frankfurtern die weitere Zugehörigkeit zur höchsten deutschen Spielklasse. Das Herrenteam wurde im Überschwang der Siegesfreude spontan zum Männerchor, und Trainer Erik Koppenhöfer stufte den Erfolg strahlend als „sensationell“ ein. Großen Anteil daran, dass der Aufsteiger den Klassenverbleib geschafft hat, spricht Koppenhöfer dem Kapitän seiner Mannschaft zu: Stefan Zeller.

„Er ist einer der Väter des Erfolges“, sagt der Trainer. In der kommenden Saison, in der die Frankfurter ihre gerade sichergestellte Erstklassigkeit weiter wahren wollen, wird Koppenhöfer freilich auf Zeller nicht zurückgreifen können. Der 27 Jahre alte Frankfurter beendete nach dem Saisonende seine Karriere - vorübergehend, hofft zumindest sein Trainer. „Ich weiß noch gar nicht, wie es ist, so ganz ohne Steppo“, sagt Koppenhöfer, der sein Bedauern über den Rücktritt seines Spielers, Freundes und Beraters erst gar nicht verbergen will.

In „Steppo“, wie sie Zeller irgendwann in den zwanzig Jahren Vereinszugehörigkeit beim SC 1880 genannt haben, verliert die erste Herrenmannschaft viel mehr als nur einen exzellenten Mittelfeldspieler. So etwas wie „der verlängerte Arm des Trainers“ sei er gewesen, sagt Koppenhöfer. „In kribbeligen Phasen hat er immer wieder die Verantwortung übernommen, war immer da und hat kaum jemals ein Training versäumt. So stellt man sich einen Kapitän vor.“ Die Entscheidung zum Rücktritt war lange und sorgfältig geplant.

„Schon ein, zwei Wochen vor dem Beginn der Rückrunde“, sagt Zeller, habe er sie getroffen. Seinen Trainer hat er früh von seinen Überlegungen informiert und immer mit offenen Karten gespielt. Koppenhöfer weiß auch dies zu schätzen und hat sicherlich auch deshalb Verständnis. „Bundesliga-Hockey frisst enorm viel Kraft, und die braucht Steppo jetzt für sein Berufsleben.“ Darauf will sich Zeller künftig mehr konzentrieren als zuvor. Ein guter Kapitän sei er vielleicht auch gewesen, „weil ich immer die Priorität auf das Hockey gelegt habe“, sagt Zeller. Und mit dem Blick auf Beruf und Familie sei nun eine Zäsur einfach nötig.

Sonntag wird mein Hockeytag“

Zeller unterrichtet an der Integrierten Gesamtschule Nordend die Fächer Mathematik und Deutsch. Als Angestellter übernimmt er Urlaubsvertretungen und ist 16 Stunden in der Woche Lehrer. Sein zweites Standbein sind Versicherungen. Seine freiberufliche Mitarbeit bei einem großen Unternehmen will er in den nächsten Jahren ausbauen und darauf seine berufliche Zukunft bauen. Drei Jahre brauche er dafür, schätzt er. Was danach komme, ob er vielleicht mit dann dreißig Jahren wieder Lust auf Hockey haben werde, fragt er sich selbst. Und gibt auch die Antwort: „Mal sehen.“

Dem Verein wird er als Jugendtrainer erhalten bleiben. Zurzeit trainiert er die A-Knaben, also Jungs zwischen zwölf und 14 Jahren. Von seiner Trainertätigkeit habe er enorm profitiert, von dem Umgang mit den Kindern und auch mit deren Eltern. Koppenhöfer schaut schon fast hoffnungsvoll auf Zellers Verbleib im Verein und sagt: „Vielleicht können wir ihn noch für andere Aufgaben gewinnen.“ Zeller selbst will auf jeden Fall vorläufig die Wochenenden für sich haben. Dass er bei Heimspielen seiner Mannschaft als Zuschauer am Spielfeldrand des Platzes in der Feldgerichtstraße anzutreffen sein wird, ist allerdings sehr wahrscheinlich. „Sonntag“, sagt er, „wird mein Hockeytag.“ Und natürlich wird er die Geschicke des SC 1880 in der Bundesliga im Blick behalten. „Die nächsten zwei, drei Jahre werden schwer für die Jungs“, sagt er.

„Man soll ja niemals nie sagen“

Sentimentalität ist bei „Steppo“ nach seinem Rückzug aus dem Leistungssport noch nicht aufgekommen. „Ich hatte ja klare Gründe“, sagt er. Zudem mache ihm sein berufliches Doppelleben zwischen Schule und Versicherung großen Spaß. Die Fähigkeit, vieles unter einen Hut zu kriegen, hat er sich unter anderem beim Hockey erworben: Dreimal die Woche Training mit der Mannschaft, drei weitere Male individueller Sport, die Übungsstunden mit dem Nachwuchs, Unterricht und der Start in die Welt der Policen - all dies hat Zeller gemanagt. Jetzt setzt er andere Prioritäten.

Koppenhöfer ist, auch wenn er es nicht explizit erklärt, anzumerken, wie sehr er auf eine Rückkehr von „Steppo“ hofft. „Wir werden ihn keinesfalls ersetzen können“, sagt er. „Sportlich und auch sonst nicht.“ Zeller lächelt und sagt vorsichtig: „Man soll ja niemals nie sagen.“

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Jahrgang 1956, Sportredakteur.

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