12.06.2006 · Wie viele Großstadien gibt es eigentlich in Frankfurt? Mein Schwager tippt auf drei: Waldstadion, Commerz-Arena und WM-Stadion. Mir scheint eher, als sei das alles ein und dasselbe. Und wenn es nur ein Stadion gibt: Wie heißt es richtig?
Von Michael EderWie viele Großstadien gibt es eigentlich in Frankfurt? Mein Schwager tippt auf drei: Waldstadion, Commerz-Arena und WM-Stadion. Mir scheint eher, als sei das alles ein und dasselbe. Und wenn es nur ein Stadion gibt: Wie heißt es richtig?
Lieber Leser, das ist tatsächlich ein Problem, bei dessen Lösung wir Ihnen gern behilflich sind. Es ist so: Wenn Sie ein Bundesligaspiel in besagter Sportstätte verfolgen, so befinden Sie sich in der Commerzbank-Arena. Commerzbank-Arena, nicht Commerz-Arena. Wobei das korrekte Schriftbild nicht ganz klar ist, ob mit Bindestrich oder ohne, diese Entscheidung bleibt Ihnen überlassen, am besten umgehen Sie diese Schwierigkeit, indem Sie die Wortkombination nicht schreiben, sondern nur sprechen.
Ob Bindestrich oder nicht, ist dann nicht zu hören. Sollten Sie den Namen dennoch einmal schreiben müssen, so verfahren Sie einfach wie erfahrere Zeitungsjournalisten: mal mit, mal ohne Bindestrich, immer schön im Wechsel.Commerzbank-Arena ist somit geklärt. Die zweite Möglichkeit ist folgende: Sie haben es geschafft, per Los, auf dem Schwarzmarkt oder dank einer zweifelhaften ebay-Transaktion eine WM-Karte für Frankfurt zu ergattern, sagen wir, für den lang erwarteten Knaller Togo gegen Südkorea, dann haben Sie diese Partie nicht in der Commerzbank Arena verfolgt, sondern im Fifa-WM-Stadion Frankfurt, wahlweise im Frankfurter WM-Fifa-Stadion.
Eckpunkt Imbißstand
Erzählen Sie Ihren Enkeln jedoch von Heldentaten aus lange zurückliegenden Zeiten, von Hölzenbeins Schwalben und Grabowskis Flankenläufen und Nickels Hammerschüssen, dann achten Sie bitte darauf, daß Sie keinesfalls von Commerzbank-Arena oder WM-Stadion sprechen, sondern von Waldstadion.
Um auch bei Nachfragen eine souveräne Figur abzugeben, beachten Sie überdies, daß genau genommen das Waldstadion auch heute noch existiert, denn es bezeichnet das gesamte Areal im Stadtwald, mit Stadion, Schwimmbad, Wintersporthalle und plattgemachter Radrennbahn. Das Waldstadion lag also schon immer im Waldstadion, das gleiche könnte man nun auch von Commerzbank Arena und WM-Stadion behaupten.
Sollte Ihnen das alles zu kompliziert und abstrakt erscheinen, so empfehlen wir, sich an einfachen Eckpunkten zu orientieren, wenn Sie im Stadion sind. Werden Sie beispielsweise vor Ort an überfüllten Imbißständen mit überteuerter Fettwurst und heimischem Bier verköstigt, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß Sie sich bei einem Spiel der Frankfurter Eintracht sowie in der Commerzbank-Arena befinden. Akustisches Erkennungsmerkmal ist der Refrain „Fußball kommt nach Haus“, der aus Gründen des guten Geschmacks sonst nirgendwo gespielt wird.
Verbotene Begriffe
Sollten die Ballkinder hingegen von einem freundlichen internationalen Konzern presented werden und der Spieler des Tages player of the day heißen und Sie sowieso kein Wort verstehen, weil Ihr Schulenglisch schon ein wenig abgenutzt ist, kann dies für erhebliche Verwirrung sorgen. Achten Sie dann bitte wiederum auf den Imbißstand: Finden Sie dort ausschließlich überteuerte Hamburger sowie amerikanisches Dünnbier, so sind Sie wiederum bei einem WM-Spiel. Sie befinden sich im Fifa-WM-Stadion Frankfurt, wahlweise im Frankfurter WM-Fifa-Stadion. Herzlichen Glückwunsch.
Bitte beachten Sie abschließend und insbesondere vor dem WM-Viertelfinale an diesem Samstag folgenden wichtigen Hinweis: Bei WM-Spielen dürfen Sie im Stadion sowie im Umkreis von drei Kilometern weder die Vokabel Waldstadion noch die Wortkombination Commerzbank Arena (mit oder ohne Bindestrich) verwenden, dies gilt auch für Handygespräche. Sollten Sie dennoch die verbotenen Begriffe benutzen, so machen Sie sich nach geltendem Fifa-Recht strafbar. Entsprechende Verfehlungen werden mit Blutgrätschen bestraft sowie in besonders schweren Fällen durch mehrstündige Beschallungen mit Stadionansagen von Rolf Töpperwien.