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Sprinterin Lisa Mayer : Mitten im dualen Leben

Das Beste zum Schluss: Lisa Mayer läuft 100-Meter-Bestzeit in Berlin Bild: Reuters

Wie lassen sich Training und Wettkampf mit Germanistik und Geographie kombinieren? Sprinterin Lisa Mayer blickt auf eine Saison als Sportstipendiatin des Jahres zurück.

          „Füße hoch“ lautet das Kommando, das sich Lisa Mayer derzeit selbst auferlegt „Auf die Plätze“ hat erst mal Pause. Von „los“ ganz zu schweigen. Und „fertig“ ist sie sowieso ein bisschen. Nach einem Jahr voller Höhen und Tiefen will die Sprinterin erst mal die Beine baumeln lassen – sie hat ihnen in diesem Sommer genug zugemutet. Die 21-Jährige fährt Körper und Geist für ein paar Wochen in den erweiterten Urlaubsmodus.

          Kein leicht umzusetzender Vorsatz für einen Typen wie sie: Die quirlige Sportlerin, die in Wetzlar trainiert und in Frankfurt studiert, erledigt alle Aufgaben, die sich in ihrem dualen Leben so stellen, lieber gleich als später. „Sprinterin eben“, charakterisiert sie sich selbst. Zu Auszeiten muss sie sich eher zwingen. Doch auch das lernte sie in diesem Sommer, der mit einer WM-Goldmedaille auf den Bahamas glorreich begann und mit zwei Bestzeiten beim Istaf in Berlin bestens endete. Zwischen diesen Highlights hielt die Saison für die 1,71 Meter große Leichtathletin aber einige Geduldsproben parat. Sie plagte sich wochenlang mit einer Oberschenkelverhärtung herum, die, als sie schon überwunden schien, bei den deutschen Meisterschaften im Vorlauf über 200 Meter wieder akut auftrat – und dann ewig nicht mehr wegzudenken war. „Ich merkte, wie der Muskel zuging“, schildert sie das Erlebnis noch Monate später mit spürbarem Leidensdruck. Ihren angestrebten Titelgewinn über 200 Meter musste sie ebenso abschreiben wie zuvor schon die Teilnahme an der Team-EM. Auch das ein oder andere Meeting konnte sie sich nur aus der Ferne betrachten. Schonung statt Sprint, um das große Ziel „WM in London“ nicht zu gefährden. „Dann steht man da“, sagte sie über die Zeit der Ungewissheit. „Das hat sehr an den Nerven gezerrt.“

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          Wenigstens plagten sie keine existentiellen Sorgen. Zum einen spülte ihr der deutsche Staffelsieg bei den „World-Relays“ unverhofftes Geld in die Schatulle. Zum anderen machte sich ihre gelungene Kombination aus Leistungssport und Bachelor-Studium bezahlt. Da sie 2016 die Wahl zur „Sportstipendiatin des Jahres“ gewonnen hatte, konnte sie sich 2017 auf ein monatliches Sporthilfe-Budget von 800 Euro verlassen – doppelt so viel, wie studierende Spitzenathleten gewöhnlich von der Stiftung bekommen. „Das hat mich schon sorgenfreier leben lassen“, sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung. Sie schildert aber auch, dass sie davon anteilig Trainingslager und Therapien bestritt. „Es kommt vom Sport und geht in den Sport“, meint sie lakonisch.

          Auch ein Studium als Sportlerin in der Regelstudienzeit abzuschließen ist bei allem Leistungswillen kaum machbar. „Nicht alle Dozenten haben Verständnis“, sagt sie über ihren bisweilen vergeblichen Versuch, Training und Wettkampf mit Germanistik und Geographie zu kombinieren. In der Summe wird sie aber nur zwei Semester länger benötigen, und mit nur 21 Jahren ist sie ohnehin noch sehr jung. Ihre Ambitionen hat sie dennoch schon klar vor Augen: Ein Job im Journalismus ist ihr berufliches Ziel. „Mit Germanistik als Basis für alles“ sieht sie sich gut gerüstet. Nahziel im Sprintbereich ist die Wintersaison, in der sie sich auf die 60 Meter konzentrieren will, mit der Hallen-WM in Birmingham als Höhepunkt. „Eine Medaille ist der Ansporn, man wird sehen, ob es reicht.“ Bei der Freiluft-WM in London reichte es 2017 nicht ganz. Schweren Herzens hatte Lisa Mayer auch dort auf ihren Einzelstart über 200 Meter verzichtet, um den kapriziösen Oberschenkelmuskel vor den Staffelrennen nicht zu überstrapazieren. Über 4×100 Meter reichte es dann dennoch ganz knapp nicht zur erhofften Medaille: Platz vier war ein gutes Resultat mit einem weinenden Auge. Dennoch darf Lisa Mayer diese Woche mit anderen erfolgreichen deutschen Spitzenathleten zum „Champion des Jahres“ nach Apulien reisen. Für die Urlaubswoche qualifizierte sie sich als „Stipendiatin des Jahres“. Ob sie dort allerdings die Füße still hält, darf getrost bezweifelt werden.

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