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Eintracht gegen Darmstadt 98 : „Lilien“-Fans wollen zum Derby marschieren

Eindämmung: Polizisten weisen im April Fans von Eintracht Frankfurt in die Schranken. Sie waren zum Spiel gegen die „Lilien“ nach Darmstadt gekommen. Das Einreiseverbot , das die Stadt gegen sie ausgesprochen hatte, war vom Verwaltungsgericht aufgehoben worden. Bild: Helmut Fricke

Die Polizei rüstet sich für das Spiel von Eintracht Frankfurt gegen Darmstadt 98. Ein Einreiseverbot für Eintracht-Fans soll es diesmal aber nicht geben.

          Das Hessen-Derby zwischen Eintracht Frankfurt und Darmstadt 98 wird am Samstag abermals von einem Großaufgebot der Polizei begleitet. Die Stadt Darmstadt und die Polizei teilten mit, sie bereiteten sich derzeit auf den Einsatz im Stadion am Böllenfalltor vor. Die Lage sei aber nicht vergleichbar mit jener während des Spiels Ende April dieses Jahres. Damals hätten sich beide Mannschaften im Abstiegskampf befunden, deshalb sei die Stimmung besonders aufgewühlt gewesen.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Weder Polizei noch Stadt rechnen eigenen Angaben zufolge mit heftigem Krawall. Ein Sprecher von Bürgermeister und Ordnungsdezernent Rafael Reißer (CDU) sagte, es stehe, abgesehen vom Derby-Charakter, ein „normales Spiel“ bevor. Ein Polizeisprecher wies darauf hin, dass das Darmstädter Stadion ohnehin alle zwei Wochen ausverkauft sei, nicht nur bei einem Derby.

          Die Stimmung soll nicht zusätzlich angeheizt werden

          Polizei und Kommune erläuterten, das Spiel am Samstag sei auch aus einem anderen Grund nicht mit der Begegnung im Frühjahr zu vergleichen. Damals durften Anhänger der Eintracht nicht ins Stadion - eine Strafe für die Krawalle beim Hinspiel. Für den Tag des Spiels hatte Darmstadt ein Einreiseverbot für die Frankfurter Fans erlassen, sie durften die ganze Innenstadt nicht betreten. Bei der Stadt hatte man befürchtet, dass bis zu 8000 Personen nach Darmstadt kommen und Unruhe stiften würden. Das Aufenthaltsverbot sollte das verhindern. Das Verwaltungsgericht erklärte diese Verfügung jedoch für unzulässig. Reißer hielt dennoch zunächst an dem Verbot fest und zog es erst am Spieltag zurück. Die Polizei setzte damals fast 2000 Beamte ein, große Krawalle gab es nicht.

          Dass man für das Derby diesmal keine Verbote oder sonstigen Verfügungen erlassen habe, liege auch daran, dass man die Stimmung nicht zusätzlich habe anheizen wollen, sagte ein Sprecher der Stadt. Denn das Einreiseverbot im April habe das Gegenteil des Gewünschten bewirkt. Die Fans hätten sich erst recht angestachelt gefühlt, nach Darmstadt zu kommen. Am Samstag überlasse es die Kommune der Polizei, für Sicherheit zu sorgen. In den vergangenen Wochen hätten sich Vertreter von Stadt und Polizei mit Anhängern beider Vereine getroffen. Solche Gespräche könnten dazu beitragen, die Lage zu beruhigen.

          Auch Polizisten aus Frankfurt werden anwesend sein

          Die Polizei werde am Samstag „Präsenz zeigen“ und sei dafür „gut aufgestellt“, sagte der Polizeisprecher. Die Zahl der Beamten wollte er auf Nachfrage ebenso wenig nennen wie andere Einzelheiten der Einsatzpläne. Es sei allerdings bekannt, dass die Fans von Darmstadt 98 sich am Luisenplatz in der Innenstadt sammeln und dann zum Stadion marschieren wollten. Dieser Marsch werde von Beamten begleitet. Auch an anderen „neuralgischen Punkten“ wie den Anreisewegen der Frankfurter Fans werde die Polizei bereitstehen.

          Auch viele Beamte aus Frankfurt werden das Spiel begleiten. Darunter sind szenekundige Polizisten, die Fans erkennen, die in der Vergangenheit durch Aggressionen aufgefallen sind. Eine Sprecherin der Frankfurter Polizei sagte, der Einsatz obliege dem Polizeipräsidium in Darmstadt. Aber natürlich habe man auch aus Frankfurter Sicht das Spiel im Blick. Die Frankfurter Ultras wüssten, dass sie auch vom Deutschen Fußball-Bund und ihrem eigenen Verein beobachtet würden. „Das lässt zumindest vermuten, dass sie sich entsprechend gemäßigt verhalten werden.“

          Sponsor Merck mit großzügiger Geste

          Im Frühjahr hatte das Einreiseverbot auch Debatten in der Kommunalpolitik und im Landtag ausgelöst. Die Darmstädter Oppositionsparteien beantragten die Abwahl von Bürgermeister Reißer, erhielten dafür aber bei der Abstimmung im Juni keine Mehrheit. Der Ordnungsdezernent gab zu, seine Verfügung sei ein Fehler gewesen. Auch Oberbürgermeister Jochen Partsch (Die Grünen) versprach, die Kommune werde nicht wieder versuchen, mit einem Einreiseverbot Anhänger von Gastmannschaften vom Stadtgebiet fernzuhalten.

          So dürfen am Samstag alle Fans beider Mannschaften die Sportstätte besuchen, die ein Jahr lang „Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor“ heißt - in Gedenken an einen im März dieses Jahres an Krebs gestorbenen Anhänger der „Lilien“. Das Darmstädter Unternehmen Merck verzichtet für die Bundesligasaison 2016/17 auf die Namensrechte am Stadion. Die Arena wird vor Beginn der Partie offiziell umbenannt. Merck will damit nicht nur Jonathan „Johnny“ Heimes ein Denkmal setzen, sondern auch für dessen Initiative „Du musst kämpfen“ werben, die mit dem Verkauf von Motivationsbändchen und anderen Aktionen in den vergangenen dreieinhalb Jahren mehr als eine halbe Million Euro für den Frankfurter Verein „Hilfe für krebskranke Kinder“ gesammelt hat. Tennisspielerin Andrea Petkovic, die die Initiative unterstützt, wird am Samstag im Stadion sein.

          Quelle: F.A.Z.

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