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„Bahnenstreit“ in Frankfurt : Das Wasser wird knapp

  • -Aktualisiert am

Nicht mehr in Frankfurter Gewässern unterwegs: Marco di Carli. Bild: dpa

Im Bahnenstreit um höhere Mieten zwischen der Stadt und der Schwimmgemeinschaft Frankfurt gibt es nun einen Kompromiss. Der sichert zwar die Existenz der Vereine, doch die Lage bleibt schwierig.

          Es waren aufreibende Monate für Michael Ulmer. Eine Art Langstreckenrennen für den Sportdirektor der SG Frankfurt, der nicht nur bei den Topathleten am Beckenrand gefordert war, sondern auch in langen Verhandlungsrunden mit der Stadt. Dazu galt es, viele Mitglieder zu beschwichtigen. In allen acht Frankfurter Vereinen, die zur Schwimmgemeinschaft gehören, musste in außerordentlichen Mitgliederversammlungen eine Beitragserhöhung um drei Euro pro Monat beschlossen werden, um den Schwimmbetrieb aufrechterhalten zu können.

          Den im „Bahnenstreit“ mit der Stadt gefundenen Kompromiss bezeichnet Ulmer als „mehr als schmerzlich“. Immerhin: Den Kampf um die Existenz und gegen das Abtauchen haben sie bestanden. Ulmer rechnet aber mit Austritten von mindestens zehn Prozent der derzeit über 6000 Mitglieder, sogar 30 Prozent hält er für möglich. Der Kompromiss sieht vor, dass die SG in diesem Jahr sechs Euro je Bahn und Stunde in den städtischen Bädern bezahlt. 2015 sind es sieben und im übernächsten Jahr dann acht Euro. Das führe dann zu Kosten von rund 200.000 Euro im Jahr, rechnet Ulmer vor. Etwa drei Mal so viel wie die 66.000 Euro, welche die Frankfurter Schwimmer in den vergangenen Jahr(zehnt)en an die Stadt überwiesen.

          Zu wenig Wasserfläche

          Noch sparsamer wirtschaften und neue Mitglieder werben sei nun die Devise, sagt Ulmer. Denn Schwimmen sei weniger Trends und Moden unterworfen als andere Sportarten, sagt Ulmer. „Schwimmen ist ein Volkssport und sozusagen immer ,in‘.“ Bei der SG könnten sie für ihre Mitglieder noch mehr Kurse und Trainingszeiten anbieten. „Doch wir haben zu wenig Wasserfläche“, sagt Ulmer.

          Die Trainingsbedingungen für die Spitzensportler hätten sich aber nicht verändert. Mit Marco di Carli und Jan-Philip Glania bot die SG Frankfurt, die seit 1996 stets mit mindestens einem Athleten bei Olympischen Spielen vertreten war, immerhin zwei Teilnehmer bei den Spielen in London 2012 auf und wurde im selben Jahr deutscher Mannschaftsmeister. Dazu kommt bei den Frauen die Hanauer Langstreckenspezialistin und Teilnehmerin der letztjährigen WM in Barcelona, Sarah Köhler. Jedoch sind die drei sportlichen Aushängeschilder nicht mehr in Frankfurter Gewässern präsent, was es für die SG auf Sicht quasi unmöglich macht, den zu Beginn des Jahres 2013 verlorenen Status als Bundesstützpunkt wiederzuerlangen. Denn entscheidend dafür ist der Trainingsort der Besten - und nicht der Verein, für den sie starten.

          Frankfurter Profis trainieren woanders

          Sprinter Marco di Carli trainiert seit Beginn des Jahres in München. Dort lebt seine Freundin, und dort hofft der mitunter exzentrische Athlet, seine vor allem durch die verpatzten WM-Rennen in Barcelona ins Stocken geratene Karriere reanimieren zu können - mit Blick auf die Heim-EM in Berlin in diesem Jahr. Sarah Köhler trainiert und lebt schon seit einigen Jahren am Bundesstützpunkt in Heidelberg, macht gerade ihr Abitur und wird danach wohl nochmal alle Kraft in die Schwimmkarriere legen. Der 25 Jahre alte Rückenspezialist Jan-Philip Glania hat sein Zahnmedizinstudium an der Universität Frankfurt ein Semester lang unterbrochen und sich in Los Angeles unter dem in der Szene berühmten Trainer Dave Salo einer der besten Trainingsgruppen der Welt angeschlossen. „Jan-Philip will es noch mal wissen“, sagt Ulmer. Bei den deutschen Meisterschaften Anfang Mai in Berlin will Glania überprüfen, ob sich die neue Professionalität auf Form und Zeiten auswirkt.

          Krault nun in Heidelberg ihre Bahnen: Schwimmerin Sarah Köhler.
          Krault nun in Heidelberg ihre Bahnen: Schwimmerin Sarah Köhler. : Bild: picture alliance / dpa

          Wie schwer sich die deutschen Spitzenathleten tun, bei Großereignissen mit der Weltklasse mitzuhalten, haben die vergangenen Jahre gezeigt. Im Duell mit Konkurrenten, die dem Sport alles unterordnen, tun sich Deutsche schwer. „Hierzulande geben die Strukturen nicht viel mehr her“, so Ulmer. Ohne die Unterstützung von Bundeswehr und Polizei sei es schwierig. Beispielsweise habe Glania nach den Olympischen Spielen aufgrund seines Studiums kaum am Frühtraining teilnehmen können. Auch die Talente, sagt Ulmer, würden heute schon genau abwägen, wie viel Ertrag sie für ihr großes Investment in den Schwimmsport erwarten könnten. Und dennoch gebe es sie, jene junge Aktive im Teenageralter, die, so Ulmer, „sechs bis sieben Mal je Woche hart trainieren, die vorankommen wollen und sich quälen können“.

          Bei den Jugend-Europameisterschaften in diesem Sommer will die SG wieder mit einigen Athleten aus der eigenen Ausbildung vertreten sein. Leo Zabudkin, Leonie Hügenell, Carmen Franiszek, Rosalie Käthner oder Julia Morzinski seien Athleten, „von denen man noch hören wird“, glaubt Ulmer. Alle, darüber macht man sich bei der SG längst keine Illusionen, werden den Leistungssportweg nicht über eine Jugend-Europameisterschaft hinaus mitgehen. Abitur, Liebschaften, Führerschein, Tanzkurs und so weiter - es gab und gibt viele Gründe, das hohe Trainingspensum nicht aufrechtzuerhalten. „Man muss“, sagt Ulmer, „viel Leidenschaft haben.“

          Quelle: F.A.Z.

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