Home
http://www.faz.net/-gzn-13s7d
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Sonntag, 19. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Ruderer Sebastian Schmidt Schlagmann mit Perspektive

05.09.2009 ·  Nach dem Negativerlebnis von Peking feiert Ruderer Sebastian Schmidt den größten Erfolg seiner Karriere. "Zu einem ganz großen Schlagmann aber wächst man erst mit der Zeit", sagt der Bundestrainer.

Von Marco Plein
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Dieser Spätsommer könnte für Sebastian Schmidt eigentlich gar nicht schöner sein. Erst die bestens verlaufenen Trainingswochen, dann die für ihn ideale Weltmeisterschaft, und nun, als Belohnung für die ganze Schufterei, stehen erst mal ein paar Tage Urlaub in der Schweiz an. Der junge Mainzer Ruderer hat derzeit allen Grund, sein Leben in vollen Zügen zu genießen – als Weltmeister fällt ihm das ja auch ziemlich leicht. „Bis ich so richtig begreifen kann, dass wir das tatsächlich erreicht haben“, erzählt der 24-Jährige, „wird es wohl noch ein paar Tage dauern. Denn das, was wir gerade erlebt haben, ist wirklich etwas ganz Besonderes für mich.“

Bei den Ruder-Weltmeisterschaften im polnischen Posen sorgte Schmidt als Crewmitglied des Deutschlandachters für den Paukenschlag des Wettbewerbs – erst die lockere Qualifikation für das Finale und dann die nahezu perfekte Vorstellung im Endlauf. „Es hat einfach alles gepasst. So etwas kommt nur ganz selten vor“, schwärmt der Athlet des Mainzer Ruder-Vereins über seinen größten Karriereerfolg. Zwar hatte Schmidt schon das ganze Jahr über intensiv trainiert (etwa 1000 Minuten pro Woche) und trug dabei stets den Jahreshöhepunkt in Polen im Hinterkopf. Mit diesem grandiosen Erfolg wollte der Steuermann allerdings nicht mal im Traum rechnen.

„WM-Sieg doppelt schön“

Vor allem nicht nach der Erfahrung, die er vor gut einem Jahr bei den Olympischen Spielen in Peking machen musste. In China nämlich erlebte die erst wenige Wochen vor den Spielen aus heiterem Himmel zusammengewürfelte Mannschaft einen bitteren Wettkampf, verpasste den Endlauf und kam im B-Finale sogar nur als Letzte ins Ziel. „Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich daran nicht noch oft zurückgedacht habe“, erzählt Schmidt. „Jetzt fällt einem das natürlich ganz schön leicht. Bedenkt man, wie es in Peking damals gelaufen ist, ist der jetzige WM-Sieg doppelt schön.“

Den Erfolg hat der in Wiesbaden geborene und seit längerem schon am Bundesstützpunkt in Dortmund trainierende Athlet natürlich zum Großteil seinem überaus großen Eifer zu verdanken – aber er macht auch keinen Hehl daraus, dass der aus dem Frauenbereich zu den Männern zurückgekehrte Erfolgstrainer Ralf Holtmeyer einen enormen Anteil am Triumph der Mannschaft und seinem eigenen trägt. „Dass wir einen absoluten Verfechter des Leistungsprinzips als Trainer bekommen haben, hat mir enorm geholfen“, betont Schmidt, der felsenfest davon überzeugt ist, dass die deutschen Ruderboote in Peking weitaus besser hätten abschneiden können, wäre nicht nach Personen, sondern nach Leistungen entschieden worden. „Jetzt ist das abgehakt, wir können optimistisch nach vorne blicken“, betont der Medizinstudent. „Es liegt schließlich noch eine Menge vor uns.“

Schmidt will alles dem Rudern unterordnen

Im Hinblick auf sein ganz großes Ziel, Olympia 2012 in London, hat Schmidt zwar vor, „alles dem Rudern unterzuordnen“, auf eine Bootsklasse festlegen aber will er sich noch lange nicht – Holtmeyer hingegen sieht das etwas anders: „Nach dieser Weltmeisterschaft werden wir das internationale Niveau in dem Zyklus bis zu den nächsten Olympischen Spielen mitbestimmen. Und da der Achter nun mal am meisten zählt, soll der auch bestmöglich besetzt sein. Da zählt Sebastian natürlich dazu.“

Auf den Schlagmann, den Holtmeyer zwar als „positiv denkend“ und „antreibend“, aber auch als „manchmal noch zu temperamentvoll“ bezeichnet, hält der Erfolgstrainer besonders große Stücke. „Von seiner Ausstrahlung her“, lobt der 53 Jahre alte Bundestrainer, „ist er schon sehr weit. Zu einem ganz großen Schlagmann aber wächst man erst mit der Zeit. Sebastian hat dafür sehr, sehr gute Voraussetzungen.“

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Wut rechtfertigt nicht alles

Von Werner D’Inka

Wer wehleidig ist, sollte von Politik die Finger lassen, denn schnell fällt im Streit der Meinungen einmal ein derber Ausdruck. Mehr 1 1