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Präsident des FSV Frankfurt : „Die Rücktritte waren verantwortungslos“

  • -Aktualisiert am

Nachdenklich: Michael Görner, Präsident des FSV Frankfurt Bild: dpa

Michael Görner, Präsident des krisengeschüttelten Drittligisten FSV Frankfurt, spricht im F.A.Z.-Interview über alte Fehler, Chaos in der Führung und die Zukunftschancen des Vereins.

          Als ehemaliger Unternehmensberater verfügen Sie über viel Erfahrung im Wirtschaftsleben. Hätten Sie gedacht, dass der FSV ein so großer Sanierungsfall ist?

          Nein. Nach dem Abstieg aus der zweiten Liga war zwar klar, dass die Situation auch wirtschaftlich schwierig ist. Aber nachdem wir Einblick in die Unterlagen genommen haben, waren wir überrascht, wie dramatisch die Lage wirklich ist, wie hoch die Verbindlichkeiten – insgesamt drei Millionen Euro – sind.

          Hatte der ehemalige Geschäftsführer Clemens Krüger, der Ende März von seinem Posten zurückgetreten war, den Überblick verloren?

          Das will ich nicht beurteilen. Zweifelsohne ist aber viel schiefgelaufen: Der FSV hat stark über seine Verhältnisse gelebt. Die Hoffnungen auf bestimmte Einnahmen konnten nicht realisiert werden. Hier fehlte der realistische Blick für das Machbare. Ich vermute auch, dass Clemens Krüger von den Vereinsverantwortlichen, von den Gesellschaftern der Fußball-GmbH, nicht gut beraten war. Nach meiner Kenntnis hat ein reger Austausch mit dem Präsidium stattgefunden. Insofern muss ich davon ausgehen, dass das Präsidium über die Zusammenhänge Bescheid wusste.

          Hätte der FSV nach einem Jahr in der dritten Liga direkt in die zweite Liga zurückkehren müssen, um den Kopf noch aus der Schlinge ziehen zu können?

          Es hätten sich sicherlich neue Möglichkeiten ergeben. Aber es wäre falsch, zu sagen, mit einem Wiederaufstieg wären alle Probleme gelöst worden. Aus meiner Sicht ist es durch den Abstieg im Mai 2016 im Hinblick auf die Dinge, die vorher schon in Schieflage geraten waren, unmöglich geworden, eine vernünftige Fortentwicklungsprognose zu erstellen.

          Demnach hätte der FSV schon früher einen Insolvenzantrag stellen müssen?

          Der Insolvenzverwalter wird diese Dinge prüfen.

          Die GmbH stellte dann am 11. April 2017 den Insolvenzantrag.

          In der ersten Aprilwoche hatten wir einen Bestand von fälligen Rechnungen in Höhe von etwa einer Million Euro. Wir hatten erhebliche Zahlungsläufe – am 15. April mussten die Gehälter bezahlt werden – zu bedienen. Und allein für die Berufsgenossenschaft wäre am 15. Mai ein Betrag in Höhe von fast 700 000 Euro zu begleichen gewesen. Mir hat die Phantasie gefehlt, wie wir in unserer Situation diese Probleme hätten bewältigen können.

          War Clemens Krüger der Ernst der Lage bewusst?

          Das weiß ich nicht. Für mich ist es aber ein einzigartiger Vorgang im Profifußball, dass mitten im Abstiegskampf und mitten im Lizenzierungsverfahren der Geschäftsführer und das gesamte Präsidium ohne Angabe von Gründen dem Aufsichtsrat mitteilen, dass sie eine Woche später zurücktreten werden. Mit diesem Verhalten verbinde ich den Begriff Verantwortungslosigkeit. Die Beteiligten haben sich der Verantwortung entzogen.

          Wie haben Sie die Arbeit von Clemens Krüger wahrgenommen?

          In den vergangenen zehn Jahren war ich nicht im Aufsichtsrat und Präsidium. Ich habe mich aber für die Geschehnisse sehr interessiert. Krüger hat, das war mein Eindruck, 100 Prozent für den Verein gegeben. Aber in einigen wichtigen Dingen traf er die falschen Entscheidungen. Er hätte die Realität akzeptieren müssen und nicht mehr Geld ausgeben dürfen, als man sicher einnehmen kann. Außerdem ergab die Auswertung der Unterlagen, dass eine Vielzahl von Arbeitsverträgen mit Mitarbeitern der Geschäftsstelle nicht unterschrieben waren. Das eine oder andere, was man als normaler Kaufmann als wichtig erachtet, wurde nicht gewährleistet.

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