17.11.2006 · „Ich bin kein Nationalist, weiß Gott nicht. Aber ist es wirklich nötig, daß man in unseren Profiteams kaum noch deutsche Sportler findet?“
Von Michael Eder„Ich bin kein Nationalist, weiß Gott nicht. Aber ist es wirklich nötig, daß man in unseren Profiteams kaum noch deutsche Sportler findet?“
Guter Mann, kein Nationalist sind Sie also. Wir wollen es Ihnen mal abnehmen. Zum Problem: Wenn wir Sie recht verstehen, würden Sie es nicht schlecht finden, wenn, sagen wir, bei den Skyliners mal ein Deutscher mitspielen würde. Aber überlegen Sie doch einmal: Wie sollte das funktionieren? Wie sollte sich der arme Mensch verständigen, wenn er kein Amerikanisch spricht, wie sollte er mit dem Trainer reden? Also müßten Sie erst mal einen Deutschen finden, der ungefähr 2,20 Meter groß ist, Basketball spielen kann und dann auch noch fließend ein halbes Dutzend amerikanische Dialekte und Slangs beherrscht. Den finden Sie erst einmal.
Amerika schickt seine Profis
Sie werden sagen, der Basketballverein heißt Deutsche Bank Skyliners. DEUTSCHE Bank Skyliners und nicht etwa Bank of America Skyliners, was - wie wir zugeben müssen - ein wenig besser klänge, aber ist die Deutsche Bank nicht auch ein Global Player, baut sie nicht auf der ganzen Welt Arbeitsplätze ab, wenn der Jahresabschluß mal wieder ein paar Peanuts zuwenig abgeworfen hat? Paßt also schon zusammen. Genau wie bei den Lions, unserer Frankfurter Eishockey-Auswahl aus Kanada, oder bei der Galaxy, die das am allerbesten macht.
Jedes Jahr schickt die NFL ein paar Dutzend mehr oder weniger untalentierte Spieler nach Europa, verteilt sie nach einem ausgeklügelten Plan auf verschiedene Hotels und karrt sie dann in regelmäßigen Abständen in ein Stadion, wo sie Football spielen, als Frankfurt Galaxy, als Rhein Fire Düsseldorf, als Berlin Thunder. Wo genau sie sich gerade befinden, wissen die Spieler dabei nicht, nur soviel: irgendwo außerhalb von Amerika, und doch nicht ganz, denn ein Stückchen Heimat, der nächste McDonald's, ist nicht weit.
Auch deutsche Sportler haben Chancen
Es ist ganz einfach: Wenn Sie, lieber Leser, was wir vermuten, hierzulande als Profisportler aktiv sein wollen, dann trainieren Sie nicht nur, sondern lernen Sie eine Sprache. Wenn Sie 2,20 Meter messen, empfehlen wir, wie gesagt, Amerikanisch und Basketball. Sie können aber auch Rumänisch, Russisch oder Serbokroatisch lernen, was auf eine Karriere als Fußballer oder Handballer hinausläuft. Leiden Sie hingegen unter starkem Übergewicht oder verzehren sie gern verseuchte Nahrungsergänzungsmittel, so ist wiederum Amerikanisch erste Wahl. Football könnte Ihre Disziplin sein.
Sie sehen, auch deutsche Sportler haben Chancen, in den hiesigen Profisportbetrieb einzusteigen und sich innerhalb der Mannschaften verständlich zu machen. Voraussetzung ist ein gewisses Maß an Fitness und die Bereitschaft, eine fremde Sprache zu lernen. Sehen Sie dies nicht als Zumutung an, sondern als Bereicherung - ebenso wie die Tatsache, daß sie als Zuschauer überhaupt nicht mehr ins Ausland reisen müssen, um dänischen Handball (Flensburg), amerikanischen Basketball und kanadisches Eishockey (Frankfurt) oder afrikanischen Fußball (Freiburg) zu sehen.