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Michael Feichtenbeiner „Das Haus muss mit Leben gefüllt werden“

Michael Fichtenbeiner ist neuer Sportdirektor des SV Wehen Wiesbaden. Der 52 Jahre alte Schwabe spricht über seine Mission in Wehen, Schneetreiben auf dem Halberg und warum der Klub sich in Sachen Infrastruktur nicht vor der Eintracht verstecken muss.

© dpa Vergrößern Versteckspiel in der Drittliga-Abstiegszone: Feichtenbeiner will Torhüter Gurski und dem SV Wehen neue Perspektiven bieten.

Hatten Sie bei Ihren vielen Stationen als Trainer schon Bekanntschaft mit dem Wehener Halberg gemacht?

Ich war schon häufig dort. Zu meiner Zeit in Ditzingen bin ich mal zu einer Spielbeobachtung unseres nächsten Gegners hingefahren. Da hat es während der ersten Halbzeit so viel geschneit, dass die Partie abgebrochen werden musste. Somit war ich den weiten Weg nach Wehen nur für 45 Minuten Fußball im Schneetreiben gefahren. Das ist mir in Erinnerung geblieben.

Mit den speziellen Bedingungen und dem Spagat des Vereins zwischen Wehen als Heimstatt und Wiesbaden als Spielort werden Sie nun im neuen Job viel zu tun haben.

Das ist nicht ungewöhnlich, dass Trainingsgelände und Stadion nicht beieinander liegen...

...aber beim SV sind es immerhin 17 Kilometer.

Ich sehe es als neuer Sportdirektor pragmatisch: Wir haben super Verhältnisse in Wehen, was das Nachwuchsleistungszentrum und das Trainingsgelände angeht, und in Wiesbaden, was das Stadion angeht. Viel besser könnte ich es mir nicht wünschen. Das ist für uns Chance und Verpflichtung zugleich. Und es gibt nicht viele Drittligisten, die mehr sportliche Kompetenz haben mit drei Leuten, die als Trainer schon in der zweiten Liga gearbeitet haben.

Wie wollen Sie die Drittligamannschaft, die seit anderthalb Jahren im Abstiegskampf steht, auf Vordermann bringen?

Gute bestehende Dinge werden wir weiterführen, aber ich werde sicher meine eigenen Ideen einbringen. Wir haben mit dem Trainer, dem neuen Leiter des Nachwuchsleistungszentrums Christian Hock und mir jetzt viel Knowhow in der sportlichen Führung. Die gilt es zu nutzen.

Für welche Art, einen Verein sportlich zu führen, stehen Sie?

Ich habe viele junge Spieler entdeckt und auf ihren ersten Jahren Richtung Profifußball begleitet, weil ich meist in der dritten Liga als Trainer angestellt war. Viele sind richtig gute Profis geworden. Ich werde alle Mannschaften des Vereins in enger Absprache mit den Trainern mit zusammenstellen. Denn wir wollen mehr eigene Spieler in die Profimannschaft bringen.

Wie schwer ist dies, wenn man sich die Region mit Schwergewichten wie Eintracht Frankfurt, Mainz 05 und auch Kaiserslautern teilen muss?

Wir müssen unseren eigenen Stil entwickeln und uns mit unseren Waffen wehren. Die jungen Spieler sollen ihre Chance, in den Profifußball reinzukommen, bei uns sehen. Sie sollen den Sprung nach oben quasi über uns und mit uns schaffen. Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, das wir uns von der Infrastruktur her nicht vor Frankfurt und Co. verstecken müssen. Das Haus steht, es muss jetzt nur noch mit Leben erfüllt werden.

Muss Ihr Fokus jetzt nicht vor allem auf der Drittligamannschaft liegen? Bei einem Abstieg wären schließlich alle Konzepte hinfälllig.

Die Mannschaft, die mit 22 Punkten nach der Hinrunde enttäuscht hat, bekommt in der Rückserie die Chance zur Bewährung. Wir wollen noch einen einstelligen Tabellenplatz erreichen. Die Mannschaft hat mehr Potential, als sie gezeigt hat. Und dieses Mehr müssen wir jetzt herauskitzeln. Dabei werde ich den Cheftrainer unterstützen. Wir werden mehr von den Spielern einfordern.

Sie haben einmal gesagt: „Für einen Schreibtischjob bin ich nicht geeignet.“ Wann hat dieses Umdenken stattgefunden?

Ich bin niemand, der auf der Geschäftsstelle sitzt und Papiere abarbeitet. Ich bin jemand aus der Praxis. Ich habe die sportliche Verantwortung übertragen bekommen. Und ich werde alle Spieler auch im Nachwuchsbereich kennen und im Training sowie Spiel beobachten. Auch werde ich im Scouting, aktiv werden. Ich bin nicht mehr auf dem Trainingsplatz als Übungsleiter, sondern am Trainingsplatz als Beobachter.

Sie waren zuletzt als Trainer unter anderem in Indonesien und Malaysia tätig. Wie sehr haben Sie sich gefreut, in Deutschland noch mal eine Chance zu bekommen?

In den Gesprächen mit den Verantwortlichen des SVWW habe ich sehr viel Lust auf diese Aufgabe empfunden. Ich habe aber keine Torschlusspanik gehabt, das ich in Deutschland nichts mehr kriege. Im Gegenteil: Ich hatte auch Anfragen als Trainer hierzulande und aus dem Ausland.

Die Fragen stellte Alex Westhoff.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 18.12.2012, 20:03 Uhr

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