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Marco Russ : Der Verlässliche

Fit und einsatzbereit: Marco Russ ist zur Stelle, wenn ihn Eintracht-Trainer Kovac braucht. Bild: Jan Huebner

Marco Russ ist ein robuster Spieler, der seine Stärke in den Zweikämpfen hat. Zu seinen Tugenden gesellt sich Geduld. Denn Eintracht-Trainer Kovac gibt den Jüngeren den Vorzug.

          Marco Russ kennt die Mechanismen des Geschäfts. „Ich bin jetzt in einem gewissen Alter und ich weiß, dass ich nicht der Schnellste bin“, sagt der langgediente Fußballprofi der Frankfurter Eintracht. „Aber es wird die Zeit kommen, in der meine Fähigkeiten gefragt sind.“ Zu welchen Leistungen Russ imstande ist, hat er hinlänglich gezeigt. Robust, verlässlich, zweikampfstark: Im Laufe seiner Karriere hat sich der gebürtige Hanauer als umsichtiger Innenverteidiger einen Namen gemacht. Dass er nicht nur sportlich für Schlagzeilen gut war, sondern im vergangenen Jahr wegen seiner Krebserkrankung auch abseits des Sports im Blickpunkt stand, hat dem Familienvater deutlich vor Augen geführt: Es gibt Wichtigeres als Fußball. „Die Gesundheit steht über allem.“ Russ, mittlerweile 32 Jahre alt, hat diese Einschätzung viele Male geäußert – und sie stimmt ja auch.

          Wer Russ in diesen Tagen begegnet, in denen das Hauptaugenmerk von Trainer Niko Kovac auf der Vorbereitung auf das wegweisende Heimspiel an diesem Samstag gegen den Tabellennachbarn VfB Stuttgart liegt, kann sich wundern. Der früher zu leichtem Übergewicht neigende Russ kommt wie ein Jungbrunnen daher, ist rank und schlank – und sagt selbst über seine physische und psychische Verfassung: „Ich fühle mich rundum superwohl. Deutlich fitter als vor der Krankheit.“ Mehr noch: „Ich bin so fit wie die anderen Innenverteidiger.“

          In der Rolle des Beobachters

          Die anderen, das sind David Abraham, Simon Falette und Carlos Salcedo. In Zeiten, da Alexander Meier weiter verletzt ist und die Eintracht als Kapitän nicht anführen kann, ist der Argentinier Abraham sein Stellvertreter und auch wegen seiner konstant guten Leistungen unumstrittener Stammspieler. Russ hatte diesen Status auch viele Jahre inne. Doch das war einmal. Die Jungen haben ihm (vorerst) den Rang abgelaufen. Der Mexikaner Salcedo und der Franzose Falette genießen derzeit eine höhere Wertschätzung bei Kovac, wenn es gilt, die vermeintlich beste Innenverteidigung neben dem gesetzten Abraham aufzubieten. Russ grämt sich darüber nicht, dass ihm zumeist die Rolle des (Bank)Beobachters bleibt, der einfach nur geduldig auf seine Chance zu warten braucht. Bei den beiden Auswärtssiegen in Mönchengladbach und in Köln durfte sich der jeweils spät eingewechselte Russ als Kurzarbeiter empfehlen. „Und mithelfen, die Siege nach Hause zu bringen“, wie er nicht ohne einen Anflug von Stolz sagt. „Wenn ich gebraucht werde, bin ich da. Es wäre schön, wenn die Einsätze länger und häufiger werden.“

          Dreizehn Minuten in Mönchengladbach, wenige Sekunden nur in Köln: Bislang sind es überschaubare Einsätze, die Russ in dieser Bundesligasaison vorzuweisen hat. Kein Problem, gibt der Innenverteidiger bei einem Pressegespräch am Mittwoch zu verstehen. „Dafür bin ich auch da. Dafür bin ich mir nicht zu schade.“ Dafür kann Russ mit einem Pfund wuchern, dass die sommerlichen Neuzugänge nicht in ihrer Vita stehen haben: Erfahrung. Seit 1996 schon, als junger Knirps also, heißt der Klub seines Herzens Eintracht Frankfurt. Abgesehen von einem zweijährigen Intermezzo in der Autostadt Wolfsburg hat Russ im Profifußball seine Schuhe einzig für die Eintracht geschnürt.

          Beliebt bei Trainern und Fans

          Insgesamt 282 Spiele bis heute sind Ausweis seiner von vielen Frankfurter Trainern geschätzten Schaffenskraft. Doch nicht nur seine Vorgesetzten haben fast ausnahmslos Freude in der Zusammenarbeit mit Russ gehabt. Auch die der Eintracht zugeneigten Fans suchen immer wieder die Nähe zu einem wie Russ, der sich volkstümlich gibt, immer wieder bei Veranstaltungen an der Basis vor Ort ist und so als Markenbotschafter wirkt. „Ich bin ganz sicher, dass es gegen Stuttgart im Stadion wieder eine super Stimmung geben wird“, sagt Russ. „Wir wollen punkten, den Abstand in der Länderspielpause zu den anderen Klubs vergrößern und eine Serie starten.“

          Eine Serie vor heimischem Publikum? Das wäre durchaus ratsam, denn bislang sind es immer noch erst zwei kümmerliche Heimspiele, die die Eintracht im Kalenderjahr 2017 gewonnen hat (gegen Darmstadt und Augsburg). Dass mit dem VfB Stuttgart ein Aufsteiger in die Frankfurter Arena kommt, will Russ so nicht stehen lassen. „Von Aufsteigern kann man in diesem Jahr doch gar nicht reden, wenn man sieht, wie vor allem Hannover und Stuttgart punkten. Die sind beide gut drauf.“ Und der VfB im Speziellen? „Wir dürfen sie auch keinen Fall unterschätzen. Die Tabelle ist eng. Wir sind gewarnt. Der VfB schaltet schnell um.“

          Schnell umschalten – Marco Russ hat gezeigt, dass auch er dies kann. Wenn Kovac ruft und zur Einwechslung bittet, ist der erfahrene und umsichtige Eintracht-Profis sofort präsent. Gegen Stuttgart wird das sicherlich nicht anders sein. Nur fraglich, ob die Einsatzzeiten länger werden.

          Quelle: F.A.Z.

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