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FSV Mainz 05 : „Mein Werkzeugkoffer ist gut gefüllt“

  • -Aktualisiert am

In neuer erstklassiger Umgebung: Sandro Schwarz, Trainer des FSV Mainz 05 Bild: dpa

Authentisch, akribisch, leidenschaftlich: Sportdirektor Schröder ist vom neuen Mainzer Cheftrainer Schwarz angetan – und gibt ihm einen Vertrag mit drei Jahren Laufzeit.

          Rouven Schröder blickte fröhlich in den vollbesetzten Saal: „Das Thema bewegt, das ist schön“, sagte der Sportdirektor am Mittwochnachmittag. „Mainz 05 ist in.“ Aber Schröder hatte ja auch etwas zu verkünden, was ohnehin schon jeder wusste, sich aber auch niemand entgehen lassen mochte, der journalistisch mit dem Bundesligaverein befasst ist: Sandro Schwarz ist neuer Cheftrainer, tritt die Nachfolge des vor anderthalb Wochen entlassenen Martin Schmidt an und hat, das immerhin war dann doch eine ganz neue Information, einen Dreijahresvertrag unterschrieben.

          Nicht jeder Fußballlehrer wird so vom Schicksal geküsst: Gerade erst mit der U23 des FSV Mainz 05 aus der Dritten Liga abgestiegen, klettert Schwarz nicht eine Stufe nach unten, sondern zwei nach oben. Eine Entwicklung, an der kaum jemand gezweifelt hatte, die aber kein Selbstläufer gewesen sei, wie der Manager betonte. „Nur weil alle sagen, man müsse den internen Weg weitergehen, muss man das noch nicht machen“, sagte Schröder. Aus der Historie heraus, dass einst Jürgen Klopp vom Spieler zum Trainer wurde, später Thomas Tuchel von der U19 zu den Profis wechselte und vor etwas mehr als zwei Jahren Schmidt aus der U23 in die erste Liga kam, lasse sich kein Automatismus ableiten. „Sondern man muss von dieser Lösung überzeugt sein.“ Es dürfte allerdings nicht allzu lange gedauert haben, bis Schröder zu dieser hundertprozentigen Überzeugung gelangte, die ihn bewog, Schwarz mit einem Dreijahresvertrag auszustatten.

          Schwarz' Werkzeugkoffer ist gut gefüllt

          Ungeachtet des verpassten Klassenverbleibs mit der zweiten Mannschaft, verkörpere Schwarz Eigenschaften, deren es bedürfe, um den Verein wieder nach vorne zu bringen: Authentizität, Leidenschaft, Akribie – und er verfüge über taktische Finesse. „Deshalb sind wir sehr froh, ihn für unseren Weg gewonnen zu haben“, sagte Schröder. „Sandro ist Mainz 05.“ Bei diesen Worten kratzte der so Gelobte sich verlegen den Bart.

          Die Worte des Sportdirektors klangen nach mehr als nur nach der Aufgabe, einen Erstligaklub zu trainieren. Mit Schwarz soll bei den Rheinhessen nicht nur ein Umbruch, sondern ein Aufbruch einhergehen. Tatsächlich scheint niemand besser für diese Aufgabe geeignet als der Mann, der seine Debütpressekonferenz mit großer Souveränität und Gelassenheit meisterte und dabei nicht verhehlte, einen ganz besonderen Augenblick zu erleben. „Ich bin in Mainz geboren, ich habe bei Mainz 05 schon in der Jugend gespielt“, sagte er. „Jetzt hier zu sprechen, zum allerersten Mal als Bundesligatrainer, das ist ein sehr emotionaler Moment für mich. Das erfüllt mich mit sehr viel Dankbarkeit und Stolz.“ Seinen Führungsstil umschreibt Schwarz als „sehr kommunikativ, sehr offen“. Er sei gerne mit Menschen zusammen und ein absoluter Teamplayer, allerdings auch konsequent in der Umsetzung seiner Ziele. „Und ich bin brutal ehrgeizig, ich will Spiele gewinnen.“Dass er in seiner letzten U-23-Saison schwer gelitten hat, räumt er freimütig ein. Doch missen möchte er weder diese Erfahrung noch die Zeit als U-19-Trainer oder zuvor beim 1. FC Eschborn in Hessen- und Regionalliga. Und schon gar nicht die Jahre als Spieler unter den ihn prägenden Trainern Wolfgang Frank und Jürgen Klopp. „Ich glaube“, sagte Schwarz, „mein Werkzeugkoffer ist gut gefüllt für die anstehenden Aufgaben.“

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          Eine der Aufgaben, denen er sich widmen will und muss, ist es, den Bundesligakader spielerisch auf einen höheren Level zu befördern. Zwar verlor er kein kritisches Wort über seinen Vorgänger, sondern lobte Martin Schmidt vielmehr für dessen „zweieinhalbjährige Toparbeit“. Doch bei der Auflistung dessen, was zu seinem eigenen Verständnis von Fußball gehöre, wurde ein markanter Unterschied deutlich: „Zielgerichteter Ballbesitz“ zählte jedenfalls nicht zu jenen Elementen, die bisher das Mainzer Spiel prägten. Für Schwarz hingegen muss dies ein wesentlicher Bestandteil des Repertoires neben Vorwärtsverteidigung, Arbeit gegen den Ball und Umschaltspiel sein. „Wir wollen auch mit Ball gegen tiefstehende Gegner zu Torchancen kommen.“

          Mit dieser Art von Fußball verbindet der neue Trainer die Hoffnung, sowohl entsprechende Ergebnisse zu erzielen, als auch die eigenen Fans zu begeistern. „Alles, was wir tun, tun wir für die Menschen in der Stadt und in der Region“, sagte Schwarz.

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