06.04.2007 · Fußball-Bundesligaklub FSV Mainz 05 erhält ein neues Stadion. Land, Stadt und Verein haben sich auf ein Konzept zur Finanzierung der Arena am Europakreisel geeinigt. Präsident Strutz sprach von einem „großen Tag für Mainz 05“.
Von Markus SchugDie Stadionfrage ist entschieden: Möglichst bis zum Herbst 2009 soll am Europakreisel in Mainz, also auf den Feldern im Anschluss an die Johannes-Gutenberg-Universität, eine neue, bis zu 35.000 Zuschauer fassende Spielstätte für den Fußball-Bundesligisten Mainz 05 entstehen. In einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz haben Vertreter von Stadt, Land und Verein am Karfreitag das Finanzierungsmodell für das 60-Millionen-Euro-Projekt vorgestellt.
Damit dürften sowohl ein bis dahin ebenfalls erwogener Stadionneubau am alten Standort „Bruchweg“ als auch der Umzug des Vereins in den zu Wiesbaden gehörenden Stadtteil Kastel vom Tisch sein. Der Lösung muss der Mainzer Stadtrat bei seiner Sitzung am 16. Mai allerdings noch zustimmen - wofür es nach Angaben von Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) jedoch schon positive Signale der haushaltstragenden Fraktionen gibt.
Beutel: „Tragbares Risiko“
In mehreren „intensiven Gesprächsrunden“ sei man zu dem Schluss gekommen, dass die Stadt die Rolle des Bauherrn übernehmen müsse, um für das Vorhaben auf Kommunalkredite zugreifen zu können, sagte der für Sport zuständige rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch (SPD). Das voraussichtlich von einer noch zu gründenden städtischen Gesellschaft errichtete Stadion werde anschließend an den Verein verpachtet.
Damit sich die Sache rechnet, sollen die „Nullfünfer“ - die als Betreiber selbst für den Erhalt der Spielstätte verantwortlich wären - als Erstligist eine Pacht von jährlich 3,3 Millionen Euro zahlen; als Zweitligist läge die Rate bei etwa 2,3 Millionen Euro, wodurch sich die Laufzeit entsprechend verlängerte. Alles in allem sollen für das 60-Millionen-Euro-Projekt rund 32,5 Millionen an Kommunalkrediten aufgenommen werden, die laut Berechnungen günstigstenfalls in zehn bis 15 Jahren, spätestens aber in bis zu 30 Jahren getilgt sein könnten.
Darüber hinaus will sich der Bundesligist mit 7,5 Millionen Mark an der Eigenkapitalausstattung beteiligen. Diesen Betrag soll Mainz 05 im Idealfall unverzinst zurückerhalten, sobald das Stadion abbezahlt ist. Zudem sei dieses Geld eine Art Risikoabsicherung für den Fall, dass der Verein - beispielsweise bei einem Abstieg in die dritte Liga - eines Tages seiner Pachtzahlung nicht nachkommen könne, sagte Beutel. Zudem ist vorgesehen, dass das Land eine Beistandserklärung abgibt, damit die hoch verschuldete Stadt im schlimmsten Fall nicht allein auf den Stadionkosten sitzenbleibt. Beutel sprach von einem alles in allem „überschaubaren und tragbaren Risiko“.
Steile und enge Tribünen
Der wohl an einen Generalunternehmer zu vergebende Stadionbau soll auf maximal 40 Millionen Euro „gedeckelt“ werden. Für den Flächenerwerb - noch fehlen auf dem vorgesehenen Areal fünf bis neun Grundstücke - sowie die entlang der Saarstraße zu schaffende Infrastruktur und den Parkplatzbau sind bis zu 20 Millionen Euro veranschlagt. Das Land hat zugesagt, ebenso wie die Stadt, 7,5 Millionen Euro für Infrastrukturmaßnahmen zu geben; plus weiterer fünf Millionen Euro über den sogenannten Landeshauptstadtansatz für das eigentliche Bauprojekt.
Sobald das Stadion abbezahlt ist, erhält der Verein die Chance, von dem eingeräumten Ankaufsrecht Gebrauch zu machen und somit selbst Eigentümer zu werden. Allerdings handele es sich zunächst nicht um ein „reines 05-Stadion“, stellte Beutel klar. Vielmehr müsse der Hauptnutzer akzeptieren, dass auch andere die Multifunktionsarena mieten könnten.
05-Präsident Harald Strutz sprach von einem großen Tag für Mainz, zugleich aber auch von einer großen Herausforderung. Der Verein sei froh, dass sich das Projekt letztlich doch auf der linken Rheinseite habe verwirklichen lassen. Schließlich seien „Stadien die modernen Wahrzeichen der Städte“. Der geplante Neubau mit möglichst steilen und engen Tribünen sei für den Verein, die Stadt und die Region der nächste Schritt in einer „unglaublichen Entwicklung“, sagte Strutz. Die Bedeutung des Bundesligisten als Wirtschafts- und Imagefaktor ist laut Minister Bruch der zentrale Punkt für die gewährte Projektförderung durch das Land. Es gehe um die Wahrnehmung von Mainz und Rheinland-Pfalz als Bundesliga-Standort und um den damit verbundenen Mehrwert für die Bürger.