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Nach „Stinkefinger“-Geste DFB-Kontrollausschuss ermittelt gegen Bancé und Franz

07.12.2009 ·  Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes ermittelt gegen den Mainzer Aristide Bancé und den Frankfurter Maik Franz. Auslöser ist der „Stinkefinger“, den Bancé nach der Partie Eintracht Frankfurt gegen Mainz 05 gegen Franz gezeigt hatte, und seine Rassimus-Vorwürfe.

Von Daniel Meuren und Josef Schmitt
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Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat nach den Vorkommnissen beim Bundesliga-Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und Mainz 05 (2:0) vom vergangenen Samstag Ermittlungen aufgenommen. So wurde ein Verfahren gegen den Mainzer Aristide Bancé eingeleitet, der dem Frankfurter Maik Franz nach Schlusspfiff den Mittelfinger gezeigt haben soll. Auch gegen Franz wurde ermittelt, nachdem ihn Bancé am Sonntag in einem Interview des SWR-Fernsehens rassistischer Beleidigungen beschuldigt hatte.

Die genaue Wortwahl Bancés ist freilich vom HR in Zweifel gezogen worden. Angeblich habe Bancé Franz nicht so unmittelbar belastet, wie es die Übersetzung des SWR nahelegt. So oder so: Beide Spieler sind für diesen Dienstag zu einer getrennten Anhörung in die DFB-Zentrale geladen. Danach werde „über den weiteren Fortgang der Verfahren“ entschieden, teilte der DFB mit.

Strutz: „Gutes Verhältnis zwischen unseren Vereinen“

Die Eintracht hat Christoph Schickhardt mit der rechtlichen Vertretung ihres Spielers betraut. Der Sportanwalt hat sich am Montagnachmittag auf der Geschäftsstelle in der Frankfurter Arena mit dem Spieler und dem Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen beraten. Franz bestreitet die von Bancé gegen ihn erhobenen Vorwürfe vehement. „Es ist unterste Schublade“, sagte der 28 Jahre alte Frankfurter Profi. „Ich weise das ganz klar von mir. Das entspricht nicht meinen ethischen und moralischen Vorstellungen.“

Bruchhagen beschränkte sich am Montag nur auf ganz wenige Aussagen. „Mir sagt der gesunde Menschenverstand, dass die nachträglich erhobenen Rassismusvorwürfe von Bancé eine Schutzbehauptung sind, um von seinem Fehlverhalten abzulenken“, sagt Bruchhagen, der bereits am Sonntag mit dem Mainzer Präsidenten Harald Strutz telefoniert hatte. „In diesem Telefonat ging es aber nur darum, dass wir uns gegenseitig informieren“, sagte Strutz. „Die ganze Sache hat keinen Einfluss auf das gute Verhältnis zwischen unseren Vereinen. Das ist eine Sache zwischen zwei Spielern. Die Vereine sind involviert, aber es ist keine Auseinandersetzung zwischen den Klubs.“

Keine Beweise

Anders als noch nach dem Spiel von Manager Christian Heidel angekündigt, wollen die Mainzer in jedem Fall von einer vereinsinternen Strafe gegen Bancé absehen. Strutz begründete diesen Verzicht auf Sanktionen damit, „dass Bancés Reaktion nach Ansicht der Fernsehbilder menschlich ist, unabhängig davon, welche Worte fielen“. Tatsächlich zeigen die Aufzeichnungen, dass Franz mehrfach während des Spiels Bancé aus nächster Nähe angeschrien hat. Teilweise ist er für diese verbalen Attacken sogar eigens zu dem entfernt stehenden Bancé gerannt. Schiedsrichter Felix Brych sanktionierte dieses Verhalten von Franz nicht, was vermutlich zu einer frühzeitigen Deeskalation hätte führen können.

Während des Spiels hat Bancé auch ohne den Schutz des Schiedsrichters diese Angriffe mit einer bemerkenswerten Gelassenheit ertragen, er verlor selbst dann nicht die Kontrolle über sich selbst, als er in der ersten Halbzeit, am Spielfeldrand stehend, von Zuschauern aus den ersten Sitzplatzreihen der Gegentribüne mit Bier überschüttet wurde. Erst nach dem Spiel verlor der Stürmer die Contenance, nachdem Franz ihn noch einmal provoziert hatte. Welche Worte in dieser Szene wie auch während des Spiels gefallen sind, wird indes wohl nicht ausreichend zu beweisen sein. Bancé scheint jedenfalls keinen Mitspieler als Zeugen ins Feld führen zu können. Deshalb dürfte das Verfahren gegen Franz nach der Anhörung erledigt sein. „Wenn bislang Aussage gegen Aussage stand, wurde das Verfahren eingestellt“, sagte DFB-Rechtsexperte Michael Morsch gegenüber hr-online.

Pechvogel des Spiels

Für Bancé ist ein Freispruch indes wesentlich unwahrscheinlicher, da seine Geste allzu eindeutig war. Der Afrikaner, der zu seinen Offenbacher Zeiten vor anderthalb Jahren schon einmal vor dem Kontrollausschuss anzutreten hatte, muss immerhin nicht fürchten, als Wiederholungstäter behandelt zu werden, da dafür nur Taten aus der Vorsaison herangezogen werden. Nach einem Platzverweis im Heimspiel seines damaligen Klubs Offenbacher Kickers gegen Borussia Mönchengladbach (1:7) am 4. Mai 2008 hatte der Stürmer den Mönchengladbacher Zuschauern im Stadion am Bieberer Berg den Mittelfinger gezeigt. Das Sportgericht hatte dies zum Anlass genommen, die vierwöchige Sperre um eine weitere Woche zu verlängern. Eine ähnlich lange Sperre würde Bancé nun weniger hart treffen. Der Afrikaner steht den Mainzern nach der Weihnachtspause vermutlich ohnehin für zwei bis vier Spiele nicht zur Verfügung, da er voraussichtlich mit der Nationalmannschaft von Burkina Faso am Afrika-Cup teilnehmen wird.

Auch die Spielsperre von Chadli Amri für seine Gelb-Rote Karte im Derby wirkt sich übrigens nicht aus: Der Mainzer Mittelfeldspieler, der wegen vergebener Großchancen und eines Stellungsfehlers beim Führungstor durch Maik Franz ohnehin der Pechvogel des Spiels war, hat sich zu allem Überfluss auch noch mehrere Bänder in der Schulter gerissen und muss möglicherweise operiert werden. Der Algerier wird mehr als nur eine Woche ausfallen.

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Jahrgang 1973, Sportredakteur.

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