24.05.2009 · Sie benötigten einen Punkt und fertigten Oberhausen mit 4:0 ab. Damit steigt Mainz wieder in die Bundesliga auf. Ein großer Sieger ist Trainer Jörn Andersen, der aus dem Schatten Jürgen Klopps auf beeindruckende Weise getreten ist.
Von Alex Westhoff, MainzNach dem SC Freiburg hat nun auch der FSV Mainz 05 den Wiederaufstieg in die Fußball-Bundesliga geschafft. Am letzten Zweitliga-Spieltag gewannen die Rheinhessen daheim 4:0 gegen Rot-Weiß Oberhausen durch die beiden Treffer von Baljak (4. und 17. Minute) und Bancé (66. und 68.). Während Mainz Platz zwei und damit die Rückkehr in die Erstklassigkeit nach zwei Jahren im Profi-Untergeschoss feierte, muss der 1. FC Nürnberg nachsitzen (siehe auch: Zweite Liga: Mainz steigt auf - Nürnberg darf in die Relegation).
Der „Club“, am Sonntag 2:1-Gewinner über den TSV München 1860, trifft in der wiedereingeführten Relegation um den letzten noch freien Platz in der Erstklassigkeit am Donnerstag und am Pfingstsonntag auf den Bundesliga-Sechzehnten Energie Cottbus. Ein Vorteil für die heimstarken Franken: Das Rückspiel findet im eigenen Stadion statt.
Nach den bereits feststehenden Zweitliga-Absteigern SV Wehen Wiesbaden und FC Ingolstadt muss der VfL Osnabrück als Tabellensechzehnter am 29. Mai und 1. Juni in der Relegation gegen den Drittligadritten SC Paderborn antreten. Der Sieger bleibt zweitklassig oder steigt in die zweite Liga auf. Das erste Spiel wird in Paderborn ausgetragen.
„Ja, diese Vergleiche zwischen ihm und mir nerven“
In der Mainzer Fußball-Zeitrechnung ist Jörn Andersen der Trainer eins nach Klopp. Einer, den Jürgen Klopp sogar mit aussuchen half. „Sofort verhaften“, habe der Mainzer Kulttrainer, der über sieben Jahre den FSV Mainz 05 prägte, nach seinem Abgang nach Dortmund geraten. Der Norweger Andersen kam mit der Empfehlung eines Fast-Aufstiegs mit Oberhausen und eines frischen Abstiegs mit Offenbach nach Rheinhessen und steht nun mit einer starken Mainzer Einjahresbilanz da: Halbfinale im DFB-Pokal und nun auch noch der Aufstieg in Liga eins. Mehr geht kaum.
„Viele hatten uns nach dem Wechsel von Klopp zu Andersen den Durchmarsch nach unten vorhergesagt. Es ist anders gekommen“, sagt der Mainzer Manager Christian Heidel. Nach dem volksnahen Kumpeltyp Klopp pflegt Andersen eher ein distanziertes Verhältnis zu seinen Spielern, stellt Disziplin über vieles andere, schwört dabei aber auf unbedingten Vorwärtsfußball. Obwohl der ehemalige Stürmer die Mannschaft über die ganze Saison auf oder in Schlagdistanz zu den Aufstiegsplätzen hielt, sind viele nie richtig warm geworden mit „dem Neuen“.
Andersen sagt: „Ich bin so, wie ich bin.“ Der Trainer wusste, wie lang Klopps Schatten sein würde. „Ja, diese Vergleiche zwischen ihm und mir nerven“, sagt er. Freilich hat Andersen, der 1990 im Trikot der Frankfurter Eintracht der erste ausländische Bundesliga-Torschützenkönig war, von seinem Vorgänger auch profitiert. Er konnte sich in das gemachte Nest am Mainzer Bruchweg setzen mit seinen gewachsenen, stabilen Strukturen.
Mainz ist doch „eigentlich ein klassischer Zweitligaklub“
Klopp war es, der aus dem drögen Zweitligaklub der rheinland-pfälzischen Hauptstadt die Fußballstadt Mainz formte. Mit Andersen hatten viele Mainzer Fans vor allem in der Saisonphase ihre Probleme, als der FSV Heimspiel auf Heimspiel verlor. Ein Trend, den die Mannschaft zum Saisonende zu wenden wusste. „Wenn wir wieder einen Heimsieg verpasst haben oder mal aus den Aufstiegsplätzen herausgefallen sind, hat das eine eher depressive Stimmung ausgelöst“, erinnert sich Manager Heidel.
Gern geben die Mainzer wie zu Klopps Zeiten zu verstehen, dass sie nur ein kleiner Klub mit einem kleinen Stadion seien. Die besten Spieler müssten noch immer abgegeben werden. Wie Markus Feulner, den es nach Dortmund zieht – zum Trainer Klopp. Man sei doch „eigentlich ein klassischer Zweitligaklub“, sagt Heidel. Im neuen Stadion wollen die Rheinhessen aber von 2010 an 35.000 Zuschauer begrüßen. Das hat Erstligaformat.