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Mainz 05 Mainz lernt Deutsch und ist international

13.07.2008 ·  "Jeder Spieler muss Deutsch sprechen", lautete einst das Credo bei Mainz 05. Mittlerweile herrscht auf dem Trainingsplatz eine bunte Sprachenvielfalt vor. Trainer Jörn Andersen sieht's getreu dem Motto: Tore lassen sich in jeder Sprache erzielen.

Von Daniel Meuren
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Wenn Jörn Andersen zum Auftakt einer Trainingseinheit des FSV Mainz 05 seine Mannschaft für eine kurze Ansprache zusammentrommelt, stellen sich manche Spieler in kleinen Grüppchen zusammen. Die südamerikanische Fraktion um Felix Borja aus Ecuador und den Kolumbianer Elkin Soto stellt sich in die Nähe des Slowaken Miroslav Karhan, der aus seiner Zeit bei Betis Sevilla des Spanischen mächtig ist. Der Albaner Jahmir Haka gesellt sich zu Nejmeddin Daghfous, der das beste Englisch im Kader spricht. Srdjan Baljak stellt sich derweil neben einen seiner Kollegen, die Serbisch und Deutsch können. Und Aristide Bancé aus Burkina Faso hofft, dass der Algerier Chadli Amri die Anweisungen des norwegischen Trainers richtig ins Französische übersetzt.

Grundlegender Wandel in den letzten drei Jahren

Die Sprachenvielfalt auf dem Trainingsplatz von Mainz 05 ist sicher noch weit entfernt von einem babylonischen Sprachenwirrwarr. Dennoch zeigt sich der grundlegende Wandel, den der Klub in den vergangenen drei Jahren durchgemacht hat. Den Bundesligaaufstieg 2004 schafften die Mainzer noch mit einem Stamm, in dem einzig der Ungar Tamás Bódog eine fremde Muttersprache nutzte.

Der ehemalige Trainer Jürgen Klopp legte einst in seiner Transferpolitik großen Wert darauf, nur Spieler zu verpflichten, die des Deutschen mächtig sind. „Wir müssen unsere spielerischen Defizite als finanziell schwacher Aufsteiger durch Teamgeist und perfektes Verständnis untereinandern kompensieren“, sagte Klopp damals. „Dafür muss jeder Spieler perfekt Deutsch sprechen.“

Spitzenwerte bei den Einsatzzeiten für deutsche Spieler

In der anschließenden ersten Bundesligasaison schafften die Mainzer dann tatsächlich mit dem Liga-Spitzenwert von 75 Prozent Einsatzzeiten für deutsche Spieler den Klassenverbleib. Die nächstbesten Klubs wiesen Werte von nur knapp über 50 Prozent auf. Schon im zweiten Jahr wich Klopp in der Not eines missratenen Saisonstarts von seinem Weg ab. Plötzlich tauchten am Mainzer Bruchweg der brasilianische Stürmer Romulo und der Ägypter Mohamed Zidan auf. Plötzlich hieß die Devise in Mainz, dass bei Stürmern die Verständigungsfähigkeit auf dem Platz eine untergeordnete Rolle spiele. Es galt das Motto: Tore lassen sich in jeder Sprache erzielen.

Romulo gelang das auf Portugiesisch nicht sonderlich gut, so dass Manager Heidel nach dessen vorzeitigem Abgang nach nur vier Monaten versprach, „dass Mainz 05 nie wieder einen Südamerikaner holt, der nicht schon vorher im deutschsprachigen Raum gespielt hat“. Drei Jahre nach diesen markigen Worten überweisen die Mainzer gleich zwei Südamerikanern monatlich ihre Gehälter. Außerdem müsste der einst so deutsche Klub mittlerweile schon bei der Wahl der ersten Elf Abstriche machen, wenn die 6 + 5-Regel Gültigkeit erlangen würde.

Das böse Wort vom „Söldnerklub“

In einer derzeit denkbaren Startelf stehen mit Noveski, Karhan, Soto, Borja, Bancé, dem Belgier Peter van der Heyden und dem Serben Milorad Pekovi bis zu sieben Spieler ohne deutschen Pass. Im näheren Umfeld des Klubs wird deshalb schon von einem „Söldnerklub“ gesprochen, der sich nicht mehr von anderen Profivereinen unterscheidet. „Das Problem ist einfach, dass der Markt an deutschen Spielern nicht das hergibt, was wir finanzieren und gebrauchen können“, sagt unterdessen Manager Christian Heidel.

Trainer Jörn Andersen sieht die sprachlich etwas verwirrende Situation in seinem Team gelassen. „Im modernen Fußball geht es nun mal sehr international zu, da müssen sich auch Trainer und Klubs darauf einstellen und eventuell mehrere Sprachen sprechen, um an die Spieler heranzukommen.“

Verzicht auf den Dolmetscher

Der Norweger spricht neben seiner Muttersprache und dem in zwei Jahrzehnten als Spieler und Trainer im deutschsprachigen Raum erlernten Deutsch auch Englisch und Italienisch. „Ich spreche zum Beispiel mit unseren Südamerikanern einfach Italienisch, das verstehen die perfekt“, sagt Andersen, der auf die Wirkung des lateinischen Sprachtransfers so sehr vertraut, dass er beispielsweise im seit Freitag bezogenen Trainingslager im emsländischen Herzlake auf einen Dolmetscher verzichtet. „Ich will den Übersetzer so selten wie möglich um meine Spieler herum sehen, weil die sonst bequem werden und nicht richtig Deutsch lernen.“

Die Sprache lernen sollen sie nämlich bei aller Toleranz schon so schnell wie möglich. Der spielende Dolmetscher Miroslav Karhan ist darüber fast ein wenig traurig: „Borja und Soto verstehen mittlerweile sogar schon ziemlich viel, bald werde ich wohl nicht mehr als Übersetzer gebraucht. Das ist schlecht für mein Spanisch, weil ich dann wieder aus der Übung komme.“

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