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Mainz 05 Boakye kommt an den Bruchweg

04.01.2008 ·  Der FSV Mainz 05 verzeichnet einen schillernden Zugang. Wolfsburg leiht den Ghanaer Isaac Boakye bis zum Saisonende an die Nullfünfer aus. Dem Stürmer eilt jedoch ein schlechter Ruf voraus.

Von Uwe Martin
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Ist ja wirklich ein lustiges Spielchen gewesen zuletzt, und in sanfter Abwandlung eines alten Quizspruchs hätte man getrost fragen können: Welchen Stürmer hätten’s denn gerne? Vielleicht einen Australier, Joshua Kennedy vom 1. FC Nürnberg? Oder lieber den Tschechen Jiri Steiner (Hannover 96) oder doch eher Francis Kioyo, geboren in Kamerun und zur Zeit bei Energie Cottbus unter Vertrag? Alles zu weit hergeholt? Dann war schließlich noch Abdelaziz Ahanfouf in der Verlosung, der Mann ist in Rüsselsheim groß geworden, und am Bruchweg kennt er sich auch aus. Geworden ist es letztlich keiner, in den Tagen vor dem Trainingsauftakt beim Fußball-Zweitligaklub Mainz 05 am Donnerstag verdichteten sich die Anzeichen, dass Isaac Boakye in der Rückrunde die Mannschaft von Jürgen Klopp verstärken wird.

Und als der verantwortliche Cheftrainer um zehn Uhr seinen Kader zum Start ins neue Sportjahr auf den Kunstrasenplatz bat, meldete Manager Christian Heidel Vollzug. Ja, der 26 Jahre alte Ghanaer Boakye werde bis zum Saisonende ausgeliehen, über eine Kaufoption mit festgeschriebenem Ablösebetrag stehe er mit Felix Magath in Verhandlung. Im Übrigen zeigte sich Heidel leicht amüsiert über all die Spekulationen, die seit Dezember breitgetreten worden waren – er habe mit keinem anderen Profi verhandelt. Etwa 100 000 Euro wird Mainz nach Wolfsburg überweisen, die sportmedizinischen Untersuchungen sind abgeschlossen: Boakye ist gesund. An diesem Samstag, spätestens am Sonntag wird Boakye in Mainz erwartet. Mit diesem Transfer sind die Wechselaktivitäten von Mainz beendet – wahrscheinlich. Zur Disposition steht lediglich Ranisav Jovanovic, der glücklose Angreifer. „Wir sind gesprächsbereit“, sagt Heidel, „aber es gibt keine Anfragen.“

Torhüter Wache wieder dabei

Der 27 Jahre alte Serbe hat in den vergangenen Monaten nicht getroffen, Klopp ließ unlängst im kleinen Kreis durchblicken, dass er keine Hoffnung mehr habe, Jovanovic auf den richtigen Weg zu bringen. „Aber ansonsten geben wir definitiv keinen Spieler ab“, so der Mainzer Manager. Und Boakye? Ihm eilt der Ruf voraus, ein wenig schüchtern zu sein, zugleich verletzungsanfällig und recht sensibel. In der Boulevardpresse wird gerne ein Satz herumgereicht, den der Strafraumwühler und Torjäger zumindest beim VfL Wolfsburg häufig gesagt haben soll: „I have a little pain.“ In Wolfsburg plagte sich Boakye mit einer Knieverletzung und fiel monatelang aus. Sein Selbstvertrauen dürfte momentan also eher schwach ausgeprägt sein. Womöglich ist Boakye genau die richtige Aufgabe für den Pädagogen Klopp, der bereits den ballverliebten Kindskopf Mohamed Zidan in seiner Mainzer Zeit aufzubauen wusste. Die bisweilen herausragende Qualität von Boakye wurde insbesondere bei Arminia Bielefeld in der Spielzeit 2003/2004 deutlich, als er mit vierzehn Saisontoren großen Anteil am Aufstieg hatte.

Ihr Comeback im Mannschaftstraining nach langer Verletzungspause gaben derweil Torwart Dimo Wache und Mittelfeldspieler Elkin Soto, beide sollen auch im Trainingslager in Costa Ballena (9. bis 18. Januar) dabei sein. Auf andere wichtige Fragen gibt es nach wie vor keine Antworten. Wird Klopp seinen im Sommer auslaufenden Vertrag verlängern? Wird Heidel, dessen Arbeitsverhältnis ebenfalls am 30. Juni endet, anschließend weiterhin am Bruchweg tätig sein? Er habe mit Klopp noch nicht gesprochen, so Heidel, und werde es auch während des Trainingslagers nicht tun. Seine eigene Zukunft ist gleichfalls ungewiss, in den nächsten vier Wochen will sich der Manager entscheiden, ob er als dienstältester Zweitliga-Manager bei Mainz in die Verlängerung geht.

Nachverhandlungsfrist zum Stadionneubau

Die ständigen Verzögerungen beim geplanten Stadionneubau am Europakreisel haben Heidel zunehmend frustriert, Klubchef Harald Strutz setzte die Nachverhandlungsfrist mit fünf bislang nicht verkaufswilligen Grundstückspächtern und -eigentümern unlängst bis Ende Januar fest. Gut möglich, das die Entscheidungen von Klopp und Heidel pro oder contra Mainz auch davon abhängig sind, ob die neue Arena zeitnah realisiert werden kann. Beide könnten ad hoc bei anderen Vereinen unterschreiben, und sollte sich Klopp nach mehr als sieben Jahren als Cheftrainer am Bruchweg tatsächlich einer neuen Herausforderung stellen, dürfte er seinen Assistenztrainer Zeljko Buvac gleich mitnehmen. Mainz 05 ohne Klopp, Heidel und Buvac? Dies wäre nach Lage der Dinge derzeit der größte anzunehmende Unfall am Bruchweg.

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