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Mainz 05 Aufgeweichte Parolen, ausgedünnter Kader

09.05.2007 ·  Bei Mainz 05 ist alles in der Schwebe, täglich gibt es neue Spekulationen, Mutmaßungen, Auslegungen. Doch bislang geht der Verein der aufkommenden Tristesse und manchen Antworten aus dem Weg.

Von Uwe Martin
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Das Wetter hat sich der sportlichen Situation angepasst. Es regnete in Strömen am Mittwochnachmittag während der Übungsstunde des Fußball-Bundesligaklubs FSV Mainz 05, die knapp zwei Dutzend Besucher am Bruchweg waren glücklicherweise alle gut beschirmt. Tag vier nach dem 0:2 von Stuttgart, Tag vier nach jener Niederlage, die mit allergrößter Wahrscheinlichkeit den Abstieg bedeutet.

Nein, natürlich sagt das kein Mainzer Profi öffentlich, ab und an wird sogar eine bescheidene Resthoffnung propagiert, die Stürmer Mohamed Zidan auf ein Prozent beziffert. Da kann man auch Lotto spielen und – sagen wir einmal – auf fünf Richtige spekulieren. Intern, im Besonderen bei Christian Heidel, sieht es natürlich anders aus, der Manager plant für die zweite Liga, mit unrealistischen Rechenspielen hält er sich nicht auf. Mit Tempo treibt Heidel die Gespräche mit jenen Spielern voran, deren Zukunft offen ist, die einen zum Saisonende auslaufenden Vertrag haben.

Jürgen Klopp legt sich nicht fest

Diesbezügliche Fälle gibt es einige, etwa Fabian Gerber und Ranisav Jovanovic; andere Kontrakte wie bei Du-Ri Cha und Markus Feulner gelten nur für Liga eins. Konkrete Ergebnisse gibt es in keinem einzigen Fall, lediglich unverbindlich aufgesagte Redewendungen, die fast alle in die gleiche Richtung zielen: Ja, irgendwie kann ich mir mit Mainz 05 auch die Zweite Bundesliga vorstellen. Selbst Leon Andreasen hat dies gesagt, der von Werder Bremen ausgeliehene dänische Mittelfeldspieler, bei dem Heidel noch am vergangenen Samstag davon ausgegangen ist, „dass er nicht mitgeht“.

Eine Klasse tiefer nämlich. Bei Mainz 05 ist alles in der Schwebe, und einiges, was es täglich zu lesen gibt, sind Spekulationen, Mutmaßungen, Auslegungen. Wie es üblich ist in der Branche Profi-Fußball, wenn das rein Sportliche nicht mehr viel hergibt. Im Fokus steht natürlich Jürgen Klopp, der Cheftrainer. Bleibt er? Geht er? Wo bleibt das klare Bekenntnis, seinen bis Sommer 2008 gültigen Vertrag zu erfüllen? In der Mainzer „Allgemeinen Zeitung“ wird Klopp mit den Worten zitiert: „Alle fragen sich: Kann der in die zweite Liga gehen? Na klar kann ich in die zweite Liga, das ist derselbe Fußball, wir fahren nur in andere Städte.“

Diese Aussage wurde dahin gehend interpretiert, dass Klopp über den Mai 2007 hinaus am Bruchweg tätig ist. Dabei hat er nur gesagt, dass er „in die zweite Liga gehen kann“ – ob er es auch tut, äußerte er nicht. Da hätte sich der geschickte Rhetoriker sicher anders ausgedrückt, vielleicht so: „Ich erfülle meinen Vertrag.“ Was er vermutlich auch tun wird. Ein ganz spezieller Kandidat ist Mohamed Zidan. Seine herausragende Rückrunde mit zwölf Toren hat den kleinen Angreifer interessant gemacht für andere Klubs, trotz Vertrags in Mainz bis zum Jahr 2010 für beide Bundesligen.

Fünf Punkte Abstand zum Klassenverbleib

Derzeit sind angeblich interessiert: VfB Stuttgart, Hannover 96, VfL Wolfsburg und Hamburger SV. Im Vorspann eines Zidan-Interviews in einer Hamburger Boulevardzeitung heißt es: „Im Falle eines Abstiegs wird der Ägypter den Verein verlassen“ – weiter hinten findet sich eine Antwort, die genau das Gegenteil suggeriert. „Ich weiß noch nicht, was passieren wird. Ich hänge an Mainz.“ Da kann sich nun jeder aussuchen, was ihm beliebt. Nein, harte Fakten sehen anders aus, es sind die fünf Punkte Abstand zum Klassenverbleib. Doch die große Depression ist ausgeblieben bei Mainz 05, innerhalb der Mannschaft und auch bei den Fans.

Wobei die jüngsten Nachrichten wiederum alles andere als positiv waren. Am Dienstag erlitt (Einwechsel-)Stürmer Ranisav Jovanovic einen Kahnbeinbruch an der Hand, er wird heute in Mainz operiert. Die Saison ist für Jovanovic beendet. Torwart Christian Wetklo erwischte es gleichfalls vor zwei Tagen – Nasenbeinbruch. Mit einer Gesichtsmaske, wie zunächst gemeldet, wird der Nachrücker für den gleichfalls lädierten Kapitän Dimo Wache (Schulterverletzung) am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach jedoch nicht auflaufen, Wetklo ist ein spezieller Nasenschutz angefertigt worden. Daniel Ischdonat, der dritte Mann, kommt also nicht zu seinem Erstligadebüt.

Mangels Masse – der am Rücken verletzte Cha war gar nicht dabei, Petr Ruman (Infekt) und Imre Szabics (Magen-Darm-Infekt) absolvierten wie Benjamin Weigelt (Bänderanriss im Sprunggelenk) nur lockeres Lauftraining – blieb es im Übungsspiel A- gegen das B-Team bei 9 gegen 9. Als Überraschung sichteten die Kiebitze aber lediglich, dass Mittelfeld-Stammspieler Gerber nur als B-Lösung gegen den Ball trat. Der zuletzt nicht berücksichtigte Feulner hingegen war erste Wahl. Doch Stopp, noch etwas war auffällig: Die großen Pappschilder der Vorwoche, versehen mit aufmunternden Botschaften („Fighten und Siegen und am Ende Vergnügen“), sind von den Zäunen am Trainingsgelände entfernt worden. Vielleicht hat sie auch einfach nur der Regen aufgeweicht.

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